Artillerie

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Der Artikel Artillerie gehört zur Kategorie: Truppengattung
Artillerie bezeichnet den Sammelbegriff für großkalibrige Geschütze, in diesem Sinne werden Geschütztypen zusammengefasst, etwa Schiffsartillerie, Küstenartillerie oder die Truppengattung des Heeres.

Abbildung
Deutsche Artillerie 1914 (französische Postkarte)
Bildherkunft

Truppengattung

Die Artillerie ist eine Truppengattung des Heeres. Der Name "Artillerie" leitet sich entweder von den lat. Wörtern "ars" und "tollere" (oder auch "telorum" – Geschosse) ab und bedeutet daher soviel wie die "Kunst des Werfens." oder besagt, dass das lat. Wort "arcus" – Bogen für den bogenförmigen Wurf eines Geschützes Grundlage für die Bezeichnung sei.

Man unterscheidet historisch zwischen:

  • Wurfmaschinen, die von der Antike bis zum 16. Jahrhundert verwendet wurden.
  • Die Rohrartillerie wird seit dem 15. Jahrhundert benutzt. Sie ist mit Geschützen ausgestattet und bildete im Laufe der Geschichte verschiedene Untergruppen heraus:
    • Festungs- und Belagerungsartillerie,
    • Panzerartillerie
    • Feldartillerie mit
      • Fußartillerie (die Geschütze wurden von Pferden gezogen, die Artilleristen gingen zu Fuß)
      • fahrender Artillerie und
      • reitender Artillerie

  • Raketenartillerie (In China entwickelt, in Indien gegen die Briten eingesetzt und von diesen übernommen, in moderner Form seit dem Zweiten Weltkrieg)
  • Aufklärende Artillerie (seit dem Ersten Weltkrieg) die mittels Radar, Licht- oder Schallmesstechnik gegnerische Bewegungen und eigenes Feuer vermisst, mittels Drohnen kann die Aufklärung in die Tiefe des Raumes erfolgen, weiterhin verfügt die Artillerie über Ausrüstung zur Bestimmung von Wetterdaten. Vermessungsaufgaben werden ebenso von der Artillerie wahrgenommen, wobei in der Bundeswehr eine eigene Topographietruppe existiert, die seit 2002 jedoch nicht mehr der Artillerie angegliedert ist.

Jede Truppengattung hat ihren eigenen Schlachtruf – so auch die Artilleristen: "Zu-Gleich!" Er dient gleichzeitig zur Erkennung, Verbrüderung und Motivation. Er erklärt sich aus der – teilweise heute noch notwendigen – gemeinsamen Anstrengung der Geschützbesatzung bei dessen Bedienung. Dabei geht es einerseits um das Ansetzen des Geschosses (manchmal immerhin bis über 50 kg schwer), um es anschließend mit einem sog. "Ansetzer" in das Rohr zu drücken, und andererseits um das Reinigen des Rohres nach dem Schießen. Dazu wird vor allem im Feld eine Stange mit Bürstenkopf durch das Rohr gezogen. Dies ist nur unter der gemeinsamen und gleichzeitigen Anstrengung der Besatzung möglich. Ein weiteres Ziel mehrerer Haubitzen ist das möglichst gleichzeitige Abfeuern der Geschosse, so dass nur ein lauter Knall hörtbar wird. Der Ruf dient daher zur gemeinsamen Koordinierung.

Verwendete Munition

Je nach Ziel können unterschiedliche Munitionssorten bzw. Zünder verwendet werden:
  • Sprenggeschoss, wirkt durch Spreng- und Splitterwirkung, je nach Zünder kann das Geschoss über dem Ziel, im Moment des Aufschlages oder mittels Verzögerung nach Eindringen in das Ziel zur Detonation gebracht werden. Bei geeigneten Fallwinkeln und Beschaffenheit des Bodens können bei Verzögerungszündern auch Abpraller entstehen.
  • Panzerbrechendes Geschoss, ursprünglich als Vollkugel, hat heute einen massiven Kern mit weicher Spitze zum Durchschlagen von Panzerungen
Panzerbrechende oder Sprenggeschosse werden auch verwendet, um im Ausnahmefall gepanzerte Fahrzeuge unmittelbar zu bekämpfen (direktes Richten). Feld- und Panzerhaubitzen verfügen hierzu meist über ein separates Panzerzielfernrohr. Das Ziel wird nur durch einen direkten Treffer zerstört.
  • Cargogeschosse:
    • Schrapnell, mit Kugeln o. ä. gefülltes Geschoss, welches vor dem Ziel explodiert und dieses durch Splitterwirkung zerstört (gebräuchlich bis ca. 1916)
    • Bombletgeschoss, stößt über dem Ziel eine Anzahl von einzelnen Hohlladungs-Sprengkörpern aus, die sich dadurch verteilen.
    • SMArt (Suchzündermunition Artillerie) Munition, dient zur gezielten Bekämpfung einzelner, gepanzerter Fahrzeuge. Ein Geschoss enthält 2 Subgeschosse die autonom fungieren und getrennte Ziele bekämpfen können. Ein Probem liegt allerdings darin, dass
      • nur bis zum Ausstoss der 1. Submunition die Ballistik genau bestimmt werden kann,
      • der Ausstosspunkt der 2. Submunition nicht genau (!) bestimmt werden kann,
      • die Windrichtung und Windgeschwindigkeit im Ziel (ggf. < 30 km entfernt)ziemlich genau bekannt sein muss. Diese Daten können der "Zielmeldung" beigefügt werden (siehe auch "System ADLER" [LINK]) oder auch durch ein Wettermodell (z.B. "WeModArt" der Bundeswehr) errechnet werden und
      • die Ziele sich nach dem Ausstoß der Submunition im "Footprint", der mit dem Sinken des an einer Art Fallschirm hängenden Gechosses immer kleiner wird (Radius ca 150 Meter), befinden müssen.
  • Nukleargeschoss (Einsatz ist der deutschen Bundeswehr verboten, es war geplant, im Einsatzfall das Geschütz vorzubereiten und einzurichten danach sollten amerikanische Soldaten das Geschütz übernehmen und bedienen)
  • Nebelgeschoss
  • Leuchtgeschoss
  • Spezielle Munition, die bspw. Flugblätter enthält

  • Minen werden meist mittels Artillerieraketen verschossen.
  • Für Ausbildungszwecke existieren Exerzier- und Üb-Geschosse.

Einsatzgrundsätze

Aufstellung

Abbildung
Kanone auf Lafette (Burg Königstein, Sachsen, 17. Jahrhundert)
Bildherkunft

Artilleriegeschütze wurden ursprünglich offen aufgestellt und direkt gerichtet (mit Sicht auf das Ziel) und feuerten in der Regel auf Kernschussweite. Mit fortschreitender Entwicklung der Geschütze, was zu höherer Reichweite und Zielgenauigkeit führte, wurden offene Artilleriestellungen einfache Ziele für die feindliche Artillerie. Deshalb wird die Rohrartillerie seit den ersten Monaten des Ersten Weltkrieges ausschließlich in gedeckter Stellung eingesetzt, d.h. aus der Feuerstellung ist das Ziel nicht zu sehen. Trotz der zurück gezogenen Aufstellung kann der Standort der Arillerie geortet werden, z. B. durch Radarerfassung der Flugbahn der Geschosse oder durch akustische Triangulation. Daher müssen die Feuerstellungen oft gewechselt werden, so dass sich die Form der Selbstfahrlafette (Panzerhaubitze) durchgesetzt hat.

Durch die hohe Reichweite können mehrere Artilleriestellungen auf das gleiche Ziel schießen, und der Schwerpunkt des Feuerkampfes kann rasch verlegt werden. (Die Reichweite der modernen 155-mm -Panzerhaubitze 2000, dem modernsten Artilleriegeschütz der Welt, liegt – bei Verwendung von reichweitengesteigerter Munition – bei 40 km, ebenso wie die modernen Raketenwerfer.) Die Stellungen der Rohrartillerie der Bundeswehr werden nach dem Ein-Drittel-Zwei-Drittel-Prinzip ausgekundschaftet. Damit sollten die Stellungsräume ein Drittel der mittleren Kampfentfernung hinter der FLOT liegen. Dadurch verbleiben zwei Drittel der mittleren Kampfentfernung für Feueraufträge.

Zielaufklärung

Abbildung
Kanadische 25 Pfund Schnellfeuer-Feldartillerie, Zweiter Weltkrieg
Bildherkunft

Durch den Übergang von der offenen Stellung in die verdeckte Stellung musste indirekt gerichtet werden, d. h. die Zielaufklärung erfolgt bei der Rohrartillerie meist durch vorgeschobene Beobachter (heute: Artilleriebeobachter), die die Position der Ziele ermitteln und das Schießergebnis korrigieren.

Diese Beobachter verfügen heutzutage meist über technische Mittel zur Entfernungs- und Richtungsmessung, teilweise können diese Geräte die Zielkoordinaten direkt an die Feuerleitrechner übertragen. Je nach Zielgröße wird das Feuer verschiedener Geschützzüge zusammengefasst, dabei kann das Feuer so koordiniert werden, dass die ersten Geschosse der verschiedenen Stellungen gleichzeitig im Ziel eintreffen. Weiterhin erfolgt die Zielaufklärung auch durch die technischen Mittel der aufklärenden Artillerie oder durch Meldungen der Kampftruppe. Wird nur nach Karte geschossen, so spricht man von Planschießen.

Durch die Verbesserung der technischen Aufklärung ist es teilweise möglich, ein Geschoss im Fluge zu vermessen und die Koordinaten der Feuerstellung zu errechnen. Durch die dadurch auftretende höhere Gefährdung werden die Geschütze in den Feuerstellungen in großen Abständen aufgestellt und eine Feuerstellung wird nach Erfüllung eines Feuerauftrages rasch gewechselt. Durch den Zwang zu hoher Beweglichkeit werden fast nur noch Geschütze auf Selbstfahrlafetten, nach Möglichkeit unter Panzerschutz (Panzerhaubitze) eingesetzt. Aus Gewichtsgründen kommen aber in Spezialaufgaben noch leichte Feldgeschütze zum Einsatz. (Luftverlastbarkeit)

Leichte Mörser (Granatwerfer) sind organisatorisch meist direkt der Kampftruppe, insbesondere der Infanterie, zugeordnet.

Feuerleitung

Da die Geschütze keine unmittelbare Sicht zum Ziel haben, muss die Erhöhung und die Richtung des Geschützes/Werfers errechnet werden. Dazu kommen heutzutage meist Feuerleitrechner zum Einsatz, es kann aber auch mittels Schusstafel manuell gerechnet werden.

Durch Anpassung der Rohrerhöhung und der Treibladung lassen sich Ziele hinter Deckungen bekämpfen, bzw. der Auftreffwinkel der Geschosse verändern.

Um sichere Schießgrundlagen für das indirekte Richten zu besitzen, muss das Geschütz/ der Werfer eine vermessene Stellung beziehen. Die Vermessung wird durch den Einsatz von GPS allerdings zunehmend abgelöst. Das eigentliche herkömmliche Zielen erfolgt mit Hilfe von Festlegepunkten. Hierbei werden die Festlegewerte (Grundrichtung und Nordrichtung) des Geschützes/Werfers beim Richten über die Festlegepunkte unterlegt und dienen somit als Basis der folgenden Feueraufträge.

basierend auf diesen Koordinaten und den Zielkoordinaten werden

  • Teilring, die Richtung der Waffe (CH = Azimut)
  • Erhöhung (CH = Elevation)
  • Treibladung errechnet

In diese Berechnung werden innenballistische Einflüsse (nur Rohrartillerie)

  • Pulvertemperatur
  • individueller Korrekturfaktor eines jeden Rohres
und außenballistische Einflüsse
  • Geschossgewicht
  • Luftdruck
  • Luftfeuchtigkeit
  • Windrichtung und Stärke
  • Erddrehung (Corioliskraft)
einbezogen.

Bei Gefechten mit sich bewegendem Geschütz und Ziel (zum Beispiel auf See) müssen noch Korrekturen für Kurs und Geschwindigkeit des eigenen und des Zielschiffes angebracht werden. Außerdem müssen noch die Schiffsbewegungen durch Wellengang ausgeglichen werden.

Stehen die obigen Daten nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung, so wird durch Einschießen ein entsprechender Korrekturfaktor ermittelt.

Die Feuerleitung der Artillerie hatte auch einen Einfluss auf die Entwicklung der Informatik. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg war die Berechnung von Flugbahnen ein enormes Problem. Die Feuerleitung wurde noch anhand von Tabellen vorgenommen. Um eine numerische Berechnung möglich zu machen, wurde unter John von Neumann der erste Großcomputer entwickelt und in Betrieb genommen, der ENIAC. Er konnte die Flugbahn eines Projektils in wenigen Minuten bestimmen.

Heute erfolgt die technische und taktische Feuerleitung in der deutschen Artillerie mit dem Führungs- und Waffeneinsatzsystm "ADLER" (Artillerie-, Daten-, Lage, Einsatz- und Rechnerverbund)[LINK]. Die o.a. Daten werden dabei automatisch berechnet, wobei alle innen- und außenballistischen Einflüsse sowie die "Zieldaten" ebenfalls automatisch berücksichtigt werden.

Geschichte

Abbildung
Übersicht Artillerie von 1741
Bildherkunft

Als eigenständige Truppengattung hat sich die Deutsche Artillerie unter Friedrich dem Großen von Preußen herausgebildet. Vorher war die Artillerie eine Sondertruppe, deren Personal, die Waffenmeister eine eigentümliche Mittelstellung zwischen Handwerkern, Alchimisten (Pulverzusammensetzung!) und Soldaten einnahmen. Sie waren meist Büchsenmacher, die aus dem Handwerk der Glockengießer stammten, da beides Bronze als Material benötigte.

"Höhepunkt" der Rohr-Artillerie war der erste Weltkrieg (1914-1918). Hier kamen alle Gattungen der Artillerie zum Einsatz. Dadurch änderte sich das Gesicht des Krieges nachhaltig: der jetzt besonders wirksame Einsatz von Granaten machte Bewegung in offenem Gelände sehr risikoreich und erzwang den Bau von Grabensystemen. Trotzdem gingen ca. 3/4 der Verluste der Kriegsparteien auf die Artillerie zurück, da auch neue Artillerie-Techniken und Taktiken, (etwa die "Feuerwalze"), sowie der verstärkte Einsatz von Sprenggeschossen erprobt und eingeführt wurden. Im Ersten Weltkrieg verschoss die Artillerie der Kriegsparteien zusammen etwa 850 Millionen Schuss. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde durch eine höhere Mobilität und Panzerung der Infanterie die Wirksamkeit der Artillerie beschränkt, und die mobile Kriegsführung wieder ermöglicht. Dementsprechend wurden auch die Mobilität und der Panzerschutz der Artillerie ständig erhöht. Im Laufe des zweiten Weltkrieges wurde neben der bis dahin eingesetzten Rohrartillerie die Raketenartillerie weiter entwickelt. Bei den Verbänden des deutschen Heeres tauchte im Jahre 1940 erstmals der "Nebelwerfer" (sechs kreisförmig angeordnete Rohre, die auf einer Lafette montiert waren) auf. Ähnliche Entwicklungen fanden zeitgleich auch bei den japanischen Streitkräften und den Alliierten statt.

Im Laufe der Truppenreduzierung der 1990er Jahre war die Artillerie als Truppengattung, obwohl ihre aufklärende Komponente gerade in den Auslandseinsätzen wertvolle Dienste zur Informationsbeschaffung leistet, besonders stark betroffen.

Im "Neuen Heer" wird es in Zukunft noch drei Panzerartilleriebataillone (215, 295, 325) ein Beobachtungsartilleriebataillon (131), ein Raketenartilleriebataillon (132) und zwei Artillerieregimenter (100, 345)[LINK] geben.

Schutzpatron

Die Heilige Barbara von Nikomedien, ist Schutzpatron der Artillerie.
Ihr Namenstag am 4.Dezember wird traditionell gefeiert, dabei übernimmt der jünste Offizier des Verbandes die Rolle der Barbara.

Siehe auch

Ballistik, Batterie (Militär), Haubitze, Raketenwerfer

Weblinks

Film über die Ausbildung an der Panzerhaubitze 2000 von www.deutschesheer.de

IT-Systeme in der deutschen Artillerie


Diskussion der Autoren über den Artikel: Artillerie


"Die mittlere Kampfentfernung liegt bei ca. 30 Kilometern."
Auf was bezieht sich das? Die Ausstattung des österreichischen, schweizerischen oder deutschen Heeres?

mittlere Kampfentfernung

Bezieht sich auf die Ausstattung des deutschen Heeres - gilt aber ebenso für das österreichische Bundesheer.

Feuerleitung

Durch Anpassung der Rohrerhöhung und der Treibladung lassen sich Ziele hinter Deckungen bekämpfen, bzw. der Auftreffwinkel der Geschosse verändern.

Der Auftreffwinkel lässt sich nicht verändern. Das würde bedeuten das man das Geschütz für den Schuss verschieben würde. Es ist aber so, das dass Geschütz in einer Schussstellung liegt und ein Ziel zugewiesen bekommt. Aus der Distanz Geschütz - Ziel wird die Elevation und die Seite errechnet. Bei einer Zündung der Granate in der Luft, ebenfalls die Tempierung. Das Ziel wird durch die Wahl der Muniton und des Zünders optimal bekämpft. Es ist taktisch nicht machbar, die Stellung nur wegen des Auftreffwikels speziell für ein Ziel zu suchen.--Chlempi 22:48, 2. Okt 2005 (CEST)

Durch Wahl der Treibladung wird die Mündungsgeschwindigkeit verändert, um ein Ziel in gleicher Entfernung zu bekämpfen muß dementsprechend die Erhöhung verändert werden, dadurch verändert sich auch der Auftreffwinkel des Geschosses. Natürlich nicht in gleichem Maße wie die Rohrerhöhung. Als Extrembeispiel stell Dir bitte nur den Unterschied zwischen oberer und unterer Winkelgruppe vor, da muß ich den Standort des Geschptzes auch nicht verändern. MatthiasKabel 18:05, 3. Okt 2005 (CEST)
Das ist schon richtig. Damit der Zünder der Granate optimal funktioniert, muss diese möglichst vertikal auftreffen (Momentanzünder). Das bedeutet dass die Flugbahn entsprechend berechnet ist (auch in der oberen und unteren Winkelgruppe). Wenn man nun einen anderen Auftreffwinkel wählen würde (ich sehe keinen Sinn darin) steig das Risiko von Blindgängern enorm. Im Extremfall wird der Zünder bei einem sehr flachen Aufprall von der Granate abgeschlagen ohne das diese zur Detonation kommt. Beim Zünden in der Luft (Zeitzünder oder Näherungszünder) ist die Situation etwas anders, aber da haben wir keinen Aufprall. Die Artillerie ist eine Flächenwaffe und bekämpft in aller Regel keine Punktziele. Das hat man früher gemacht, mit einem grossen Aufwand beim Einschiessen. Man hat damit Gebäude oder Brücken beschossen. Dieser Feuerzweck nannte man "zerstören". Der weitaus gebräuchlichste Einsatz der Artillerie lautet "zerschlagen", "niederhalten", "beleuchten", "blenden" und "stören" . Ich selber habe das Zerstörungsschiessen schon nur noch theoretisch gelernt (1986 - 95). Für das Zerstörungsschiessen würde auch nur ein einzelnes Geschütz verwendet, im Gegensatz zu den anderen Feuerzwecken.--Chlempi 20:35, 3. Okt 2005 (CEST)
Entschuldigung, das ist nicht richtig, die Aufschlagzünder sind so empfindlich, daß es bei den Amerikanern sogar eine Regenzerteilvorrichtung gibt, die verhindert, daß der Zünder zu früh anspricht. (Ja, damit habe ich Wetten gegen langediente HFw gewonnen). Da Du Erfahrung in der Artillerie hast, dann hast Du sicherlich auch schon Abprallern gehört, bei entsprechend flacher Flugbahn kann man die bewußt erzeugen. Damit erhält man einen niedrigen Sprengpunkt, wenn man bspw. keinen Annäherungszünder zur Verfügung hat. Meine Dienstzeit ist zwar schon etwas her, aber die von Dir aufgestellten Thesen zu Zündern habe ich weder als Geschütz- oder Zugführer, noch in der Chef-Ausbildung oder als FuO je gehört. Das mit der Flächenwaffe ist richtig, hat aber nichts mit der ursprünglichen Diskussion zu tun. Allerdings lassen sich mit den modernen Feuerleitmitteln auch Punktziele (Ok immer noch 30x30m) bekämpfen, für die man früher recht aufwendig Fächer oder sogar Sonderfächer rechnen mußte.MatthiasKabel 21:32, 3. Okt 2005 (CEST)

Nun ja, bilde mich sehr gerne weiter (darum mache ich auch in Wikepedia mit), aber wir sprechen wahrscheinlich nicht von den gleichen Zündern. Das mit dem Regenzerteiler habe ich echt noch nie gehört. Hast du dazu mehr Informationen? Nun zurück zur Diskussion. Ich habe in meiner Zeit als Artillerie Offizier mehrfach bei der Blindgänersuche mitgemacht. Auf felsigen und steilen Boden habe wir nicht selten Granaten gefunden, welchen der Zünder beim Aufschlag abgebrochen oder verbogen wurde. Ich kann mir im Moment nicht viel unter den "Abprallern" vorstellen da ich diese Technik nie gelernt habe. Ich habe auch nicht in der Deutschen Armee gedient, kannst du mir die Abkürzung ANNZ ausschreiben? Gehe ich richtig in der Annahme das es sich um Annäherungszünder handelt? Meine Frage: Wie läuft ein "Abpraller" den ab. Mit dem Aufschlagszünder (Momentanzünder) zündet die Granate wie der Name sagt, beim Aufprall. Mit dem Zeitzünder nach der eingestellten Zeit. Es bleibt für mich nun noch der Verzögerunszünder. Damit kann ich mir theoretisch diese Technik vorstellen. Aber welchen nutzen bringt diese mit sich. Die Splitterwirkung ist doch in einem solchen Fall nicht optimal (Lage des Geschosses).
PS. Wir haben wohl gleichzeitig an der Diskussion gearbeitet. Es stehen nun schon Antworten in dem Artikel die ich dir erst stellen wollte.--Chlempi 22:14, 3. Okt 2005 (CEST)
Abpraller: Aufschlagzünder auf Verzögerung einstellen, 0,05s bei Aufschlagzünder, 0,2s bei Betonbrechzünder, möglichst flach schießen, bei geeignetem Boden prallt die Granate ab (wie ein Stein auf dem Wasser), der Zünder hat aber angesprochen und detoniert entsprechend. Die Lage ist nicht optimal, da die Granate flach liegt. Allerdings kommen die Splitter von der Unterseite der Granate mit ziemlicher Wucht am Boden an. Ist recht eindrucksvoll, wenn man das das erste mal sieht, ein winziges Staubwölckchen am Boden und dann die Detonation in der Luft. Die deutschen Aufschlagzünder haben alle die Möglichkeit, die genannten Verzögerung einzustellen, ist auch für die Bekämpfung von Gegner in Deckungen (bebautes Gebiet) geeignet.
ANNZ Annäherungszünder, Zünder mit einem Mikrowellensender geht, je nach Fallwinkel 12 - 15m über dem Boden los.
Regenzerteilvorrichtung, ist im Prinzip eine Blechkappe, die den eigentlichen Zünder vor weicheren Hindernissen wie Hagel, oder starkem Regen schützt. Gibt es in DE auch nicht, ich habe aber amerikanische Munitionskennblätter dazu besessen. Ich such am Wochenende mal im Keller, ob ich die noch habe.
Zur Flugbahn, nett ist auch mit mindestens drei Geschützen in Parallelaufstellung eine Flugbahn darzustellen. Gleicher Teilring und Erhöhung, die Zünder mit jeweils 0,1 s Unterschied einstellen und als Salve feurn lassen, man kann sehr schön das Eintreffen verfolgen. (Richtig nett, wenn man ein Batterie Gebirgshaubitzen und jede Menge Munition zur Verfügung hat, weil das Kaliber 10,5cm außer einem selber nur noch die Luftlandeartilleriebatterie verwendet. :-))) )
Nett, hier einen schweizer Kameraden im gleichen Dienstgrad kennzulernen. MatthiasKabel 22:27, 3. Okt 2005 (CEST)
Danke schön für die Ausführungen. Es ist eine Technik die für mich neu ist. Ich kann mir aber lebhaft vorstellen das die Berechnungen recht aufwänig sind (ok mit der heutigen Computern wohl nicht mehr). Wenn ich mir vorstelle wie ich ein Kreisbeleuchten (gibt es das in D?) mit einer Batterie von Hand(!) berechnen musste, fast zur Verzweiflung gebracht hat. --Chlempi 22:41, 3. Okt 2005 (CEST)
Ich möcht die Diskussion hier nun abschliessen. Schlussbemerkung. Das schiessen von Abprallern wird auch heute nicht in der Schweizer Armee ausgebildet (Auskunft des Lehrverbandes Artillerie). Es gibt dafür drei plausible Gründe.
  • Da sehr hügelige Gelände lassen eine so flache Flugbahn praktisch nirgends zu, das im Frieden mit dieser Technik Geschossen werden könnte.
  • Die Landschäden wären durch Verzögerungszünder zu gross (durften noch nie zu Übungszwecken verschossen werden)
  • Im dicht besiedelten Gebiet der Schweiz wäre eine Gefahr von unkontrollierbaren Granaten nach dem Aufprall zu gross.--Chlempi 08:25, 4. Okt 2005 (CEST)
Leuchtkreis kenne ich nicht, aber Leuchtquadrat wurde ausgebildet, gerechnet und geschossen. Von Hand ist das mühsam. Das war der größte Nachteil an der (Zweit)Ausstattung mit Gebirgshaubitzen, für gab es keine Programme auf dem großen Feuerleitrechner, also Schußtafel und Taschenrechnr. Der integrierte Datenfunk auf den richtigen 155mm Haubitzen ist natürlich wesentlich bequemer und genauer, da das Wetter tatsächlich mit verschiedenen Schichten gerechnet werden kann. Was hälst Du davon, wenn wir die Artikel im Themengebiet Artillerie mal erweitern? EInschießen, Feuerleitung, Vermessung, usw. . MatthiasKabel 13:15, 4. Okt 2005 (CEST)
Nun, grundsätzlich bin ich einverstanden. Im Moment bin ich an Artikeln über Festungen der Schweizer Armee. Es gibt auch Unterschiede der beiden Länder (siehe Zünder ;-)). Für meinen Teil muss ich gestehen, dass ich die Feuerleitrechner ("FARGO" Rechner für Panzerhaubitzen + "FARGOF" Rechner für Festungsartillerie) nicht mehr gelernt habe. Ich helfe aber gerne wo ich kann (der aktive Dienst bei der Festungsartillerie ist auch schon länger her). Als Einheitskomandandt hatte man ja dann auch andere Aufgaben als der Bttr Of oder Flt Of.--Chlempi 22:14, 4. Okt 2005 (CEST)


Diese Definition bzw. Erklärung des Begriff Artillerie und dessen Bedeutung wurde zuletzt am 8.2.2006 aktualisiert (Glossar Lexikon Enzyklopädie).


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