Bonifatius VIII. (Papst)

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Der Artikel Bonifatius VIII. (Papst) gehört zur Kategorie: Papst, Italiener, Geboren 1235, Gestorben 1303
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Papst Bonifatius VIII.
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Bonifaz VIII. (eigentlich Benedetto Caetani) war Papst von 1294 bis 1303.

Er wurde ca. 1235 in Anagni geboren. 1281 wurde er Kardinaldiakon von San Nicola, und 1294 Berater von Papst Coelestin V., dem er zur Abdankung riet und damit sein Nachfolger wurde. Bis zu dessen Tod 1295 liess er Coelestin aus Angst vor einem Schisma gefangen halten.

Nach ernstzunehmenden Berichten hatte er drei Ziele, nämlich: Lang leben, Geld verdienen, Familie bereichern. Weniger Aufmerksamkeit widmete er seinem eigentlichen Amt. Bonifaz beschäftigte sieben verschiedene Leibärzte und benutzte Elixiere und Magie, um sich ein langes Leben zu sichern.

An sich war er gefürchtet, verhasst, menschenverachtend und völlig unfähig zu zwischenmenschlichen Bindungen. Doch war der stattliche, etwas schwergewichtige, aber wohlgestaltete Papst mit den sonderbar sensiblen Händen bei all seinen unangenehmen, oft scharf verletzenden Eigenheiten, seinem pathologischen Ehrgeiz, überzogenen Stolz, seiner unersättlichen Habgier, Fressgier (er habe seinen Oberkoch abgekanzelt, weil er ihm an einen Fastentag nur sechs Fleischgerichte vorsetzen ließ), von seinen Bluttaten, seiner Grausamkeit zu schweigen, auch mutig, gebildet, ein versierter Jurist - wie seine Veröffentlichung des "Liber sextus" (1298) zeigt.

Er gründete in Rom eine Universität (die Sapienza) und hatte einen überragenden Verstand, der ihn schließlich denn auch zum Unglauben führte, gar zum "Antichrist unter den mittelalterlichen Päpsten" (Davidsohn). Seine Aussagen dazu gipfeln in Aussagen wie "die christliche Religion ist ebensogut Menschenwerk wie der Glaube der Juden oder Araber", "die Jungfrau Maria kann, da sie einen Sohn gebar, so wenig Jungfrau gewesen sein wie meine eigene Mutter, als sie mich zur Welt brachte", "es ist dumm zu glauben, ein Gott sei ein dreifacher Gott" bis hin zu "Die Toten werden so wenig auferstehen wie mein vorgestern krepiertes Pferd", "es gibt kein Weltende, denn die Welt ist ewig, nur für den Menschen bedeutet freilich der Tod das Ende der Welt, denn es gibt keine andere als die sichtbare".

Bonifaz erklärte das Jahr 1300 zum Jubeljahr, in dem er Pilgern Ablass versprach. Es wurde also ein Ablassjahr zur Nachfinanzierung der Kreuzzüge. Zwei Millionen Menschen kamen nach Rom, so dass sich der Papst gezwungen sah, eine Regelung für die Nutzung der Engelsbrücke vorzugeben: die Pilger haben Linksverkehr einzuhalten.

Mit Philipp IV. verbündete Bonifatius sich, geriet aber bald in Streit, da dieser den Zehnt und die Steuern der Kirche beanspruchte. Daraufhin schrieb Bonifaz kirchliche Bullen, um dies zu unterbinden. Philipp IV. brachte diese aber verfälscht in Umlauf und hetzte das Volk gegen den Papst auf.

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Fresko von Papst Bonifatius VIII. im Lateran
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Als ein Resultat der am 30. Oktober 1302 begonnenen Synode in Rom wurde womöglich die auf 18. November datierte, wohl bekannteste Bulle, "Unam Sanctam" erarbeitet, die den unbedingten Vorrang der kirchlichen vor der weltlichen Macht festlegen sollte: So gebe es entsprechend Lk 22, 38 zwei Schwerter, von denen das geistliche von der Kirche, das weltliche für die Kirche gebraucht werde.

Am 7. September 1303 wurde ein Attentat auf Bonifaz verübt, als er in seiner Sommerresidenz in Anagni weilte. Urheber war (unbewiesenermassen aber naheliegend) Philipp IV.. Dieser ließ durch Sciarra Colonna aus einer mit dem Papst verfeindeten italienischen Adelsfamilie und Wilhelm von Nogaret, dessen Eltern der Inquisition zum Opfer gefallen waren, mehrere Kardinalspaläste unter päpstlichem Banner mit dem Ruf "Es lebe der König von Frankreich und Colonna" stürmen. Der Papst wollte allerdings lieber sterben als abzudanken und sprach "Hier mein Nacken, hier mein Haupt". Nach zwei Tagen, am 9. September, gelang ihm mit Hilfe der Bürger von Anagni in blutigen Gefechten die Vertreibung der Eindringlinge.

Er segnete seine Befreier und ging zurück nach Rom, wo er am 25. September eintraf, noch einen Monat lebte, gequält vom Wahn, jeder Ankömmling wolle ihn ergreifen. Er starb am 11. Oktober 1303 und wurde in seiner pompösen Kapelle in St. Peter beigesetzt.

Nachträglicher Prozess gegen das Andenken des Papstes

König Philipp IV. von Frankreich konnte 1310 erreichen, dass ein Prozess gegen das Andenken Bonifatius VIIII. geführt wurde. Philipps Motiv dafür war sicherlich persönlicher Hass auf seinen früheren Feind, doch sind die zahlreichen gesammelten Zeugenaussagen über Bonifatius VIII. glaubwürdig und in sich übereinstimmend. So darf es als sicher gelten, dass Papst Bonifatius VIII. sich mit manchmal nihilistisch-hedonistischen, manchmal auch bemerkenswert kritisch-freigeistigen Äußerungen hervorgetan hat. Besonders ergiebig war in dieser Hinsicht die Zeugenbefragung von Groseau im August und September 1310. Nicht nur die oben zitierten Aussagen des Papstes sind in den Protokollen dieses Verhörs überliefert, sondern auch weitere Aussprüche wie:

  • "Geschlechtsverkehr und die Befriedigung der Naturtriebe ist so wenig ein Vergehen wie Händewaschen";
  • "Paradies und Hölle gibt es nur in dieser Welt, nicht im Jenseits; wer gesund, reich und glücklich ist, hat das Paradies auf Erden";
  • "Alle drei Religionen und besonders das Christentum enthalten neben Wahrem viel Falsches. Die christliche Wahrheit ist, dass ein Gott existiert, dagegen ist die Reihe des Unwahren lang, sie schließt Dreieinigkeit, jungfräuliche Geburt, Menschwerdung Christi, die Verwandlung von Brot und Wein in den Leib Christi und die Auferstehung der Toten mit ein."

Trotz dieser Zitate Bonifatius' VIII. blieb der Prozess nach neuerlichen Vorladungen von Zeugen 1311 und 1312 letztlich ergebnislos, da es starke Kräfte gab, die sich der nachträglichen Verurteilung eines Papstes als Ketzer widersetzten.

Literatur

Boase, Thomas S. R.: Boniface VIII. London 1933.

Wenck, Karl: War Bonifaz VIII. ein Ketzer? In: Historische Zeitschrift 94 (1905), S. 1-66.

Xavier, Adro: Bonifacio VIII. Barcelona 1971.

Weblinks


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  • Die Bulle "Una sanctam" wurde womöglich erst im Sommer 1303 veröffentlicht.
  • Quellen zu den "ketzerischen" religiösen Ansichten des Papstes? -- Robodoc Robodoc 6. Jul 2005 23:14 (CEST) - Quellen samt Abschnitt "Nachträglicher Prozess" hinzugefügt: vor allem die Protokolle der Zeugenbefragung von Groseau im Aug./Sept. 1310.


Diese Definition bzw. Erklärung des Begriff Bonifatius VIII. (Papst) und dessen Bedeutung wurde zuletzt am 8.2.2006 aktualisiert (Glossar Lexikon Enzyklopädie).


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