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Der Artikel Jungsteinzeit gehört zur Kategorie: Zeitalter, Steinzeit
Die Jungsteinzeit oder das Neolithikum (vom griech. νεο „neu, jung“ und λιθος „Stein“) ist eine Epoche der Menschheitsgeschichte. Ihr Beginn wird heute allgemein mit dem Übergang einiger Jäger- und Sammlerkulturen zu Hirten oder Ackerbauern festgesetzt, ihr Ende mit der lokalen Verwendung von Kupfer oder Zinnbronze durch die neolithischen Kulturen. Voraus ging die Mittelsteinzeit bzw. Altsteinzeit, es folgt die Bronzezeit.
Die Umstellung der Nahrungsbeschaffung vom Sammeln, Jagen und Fischen auf Viehhaltung und Pflanzenanbau markiert einen der fundamentalen Umbrüche in der Geschichte der Menschheit; ein Prozess, der von manchen Forschern „Neolithische Revolution“ genannt wird. Durch die Produktion von Nahrung schuf der Mensch die Voraussetzung für ein stetiges Bevölkerungswachstum. Statt umherzuziehen, schlossen sich die Menschen zu Dorfgemeinschaften zusammen. Statt kurzlebiger Behausungen konnte dazu übergegangen werden, solide Bauwerke aus Stein bis hin zu Monumentalbauten wie dem Tempel auf dem Göbekli Tepe zu errichten. Letztenendes ermöglichte der Ackerbau Anfänge einer arbeitsteiligen Gesellschaft, in der Spezialisten in der Lage waren, u. a. die Metallurgie zu entwickeln.
Definition
Der britische Anthropologe Sir John Lubbock definierte 1865 den Übergang in die Jungsteinzeit mit dem Auftreten von geschliffenen Steinartefakten (Axt, Beil). Später wurde das Auftreten von Keramik benannt. Seit der Mitte des letzten Jahrhunderts erkannte man aber regional auch das keramiklose Neolithikum. Heutzutage wird der Beginn der Jungsteinzeit, Vere Gordon Childe folgend, mit dem Beginn von Viehhaltung und Ackerbau gleichgesetzt (dem Übergang von der aneignenden zur produzierenden Wirtschaftsweise), auch wenn die Domestikationen nicht gleichzeitig erfolgten.Wandel der Wirtschaftsweise
Vor der eigentlichen Revolution, dem Übergang zur produzierenden Wirtschaftsweise, war eine Reihe von Entwicklungen nötig, die als proto-neolithisch bezeichnet werden. So entstanden einige dauerhafte Siedlungen bereits vor Entwicklung der Landwirtschaft, etwa in Palästina und Japan. Die unmittelbare Umgebung dieser Siedlungen bot den Bewohnern aber zeitweise nur ungenügende Ressourcen (ob nun Fisch, Fleisch oder Pflanzen). Der Kultivierung und dem gezielten Anbau von Getreide ging eine jahrtausendelange Nutzung entsprechender Wildvorkommen voraus; in der Levante ist diese bis 21.000 v. Chr. nachweisbar. Ebenso ging der Züchtung von Nutztieren das Halten von deren wilden Vorfahren voraus; in der Levante die Herdenhaltung von Gazellen, später (nach deren Verschwinden) von Wildziegen und -schafen.Entstehung der Landwirtschaft
Der Übergang zu einer bäuerlichen Lebensweise, also Wandlung vom Jagen und Sammeln wilder Tiere und Pflanzen hin zur Kultivierung dafür geeigneter Arten, vollzog sich in der Menschheitsgeschichte an mindestens drei, wahrscheinlich aber sogar fünf oder mehr Orten unabhängig voneinander.- definitiv (und am frühesten): im Nahen Osten, in Südchina und in Mittelamerika
- wahrscheinlich: in Südamerika und in Westafrika
- möglicherweise: in Äthiopien, im Osten der heutigen USA und auf Neuguinea
Die Entstehung der Landwirtschaft fällt für die drei erstgenannten Gebiete in den gleichen Zeitraum, etwa 8000 bis 11000 v. Chr., was nicht zufällig mit dem Ende der letzten Eiszeit (Übergang Pleistozän/Holozän, etwa 11000 bis 8300 v. Chr.) übereinstimmt. Während der Eiszeit war das Klima für eine Jahrhunderte in Anspruch nehmende Entwicklung von Landwirtschaft zu großen Schwankungen unterworfen. Erst vor 11000 Jahren stabilisierte sich in dem Areal des Wildgetreides das Klima so weit, dass der Anbau in Flusstälern möglich wurde.
Dennoch war die Entstehung der Landwirtschaft zumindest in der Levante weniger eine „freiwillige“ Entwicklung als vielmehr eine aus der Veränderung der Umwelt resultierende Notwendigkeit zum Überleben. Die Großtierfauna (insbesondere die Gazelle) hatte diese Region schon sehr früh verlassen, weshalb in der Region zwischen Euphrat und Mittelmeer vermehrt wildes Getreide auf Reibsteinen (Handmühlen) verarbeitet wurde. Die bislang ältesten Spuren von möglicherweise domestiziertem Getreide (in diesem Fall Roggen) fand man in Abu Hureira am syrischen Euphrat; sie werden auf ein Alter von 13.000 Jahren geschätzt. In dieser Zeit, dem jüngeren Dryas-Stadial, ließ eine langanhaltende Dürre einen Großteil der wilden Getreidearten verschwinden, weshalb die Menschen gezielt die dürreresistentesten züchteten.
In den trockeneren Gebieten südlich davon (Judäa, Sinai) ging man nach dem Verschwinden der Gazellen dazu über, Wildziegen und -Schafe in Herden zu halten. Die Domestikation dieser Tiere lässt sich in Beidha bereits 11.000 v. Chr. ableiten und ab 8300 v. Chr. belegen, da zu diesem Zeitpunkt Caproviden und Boviden nach Zypern gelangten. Sie muss aber weitaus früher erfolgt sein. Anfangs wurden Schafe und Ziegen ausschließlich als Fleisch- und Felllieferanten gehalten; erst um 3500 v. Chr. lässt sich die Nutzung von Sekundärprodukten, in erster Linie Milch und Wolle archäologisch belegen. Genetisch (Untersuchung Peltonen) weist der Beginn des Abbaus der Laktoseintoleranz, die bei allen Menschen zunächst bei 100 % lag, auf einen viel früheren Genuss von Tiermilch. Der Einsatz von Rindern als Zugtier vor dem Pflug ermöglichte den Übergang vom jungsteinzeitlichen Hackbau zu einer höheren Ackerbaukultur. Siehe dazu auch Geschichte des Transportwesens im Altertum.
In China, im Seengebiet am Mittellauf des Jangtse, wurde in etwa zur gleichen Zeit wie in der Levante dazu übergegangen, den ursprünglich ausschließlich gesammelten wilden Reis nach und nach zu kultivieren. Weiter flussabwärts des Jangtse wird in einem Gebiet mit damals feuchtwarmem subtropischem Klima von der chinesischen Forschung das Zentrum der Nassreis-Kultivierung gesehen. Im deutlich kühleren und trockeneren Norden Chinas, nördlich und südlich des Huáng Hé, wurde einige Jahrtausende später (wahrscheinlich zwischen 5500 und 5300 v. Chr.) erstmals Hirse, vermutlich Kolbenhirse domestiziert.
Zur Fleischgewinnung wurden in China Schweine, Hunde und Bankivahühner domestiziert. Wo der Wasserbüffel ursprünglich domestiziert wurde ist unklar. Vermutlich fand dies aber ebenfalls in Süd-China um 4000 v. Chr. statt. Ebenso wie der Auerochse im Nahen Osten sollte er besonders als Zugtier von Bedeutung sein.
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Mais gehört zu den ältesten Kulturpflanzen Amerikas Bildherkunft |
Der Beginn der Landwirtschaft in Mittelamerika hatte (anders als in der Levante und in China) praktische Gründe. So züchteten die Bewohner des Oaxacatals im Süden Mexikos bereits um 8000 v. Chr. Gartenkürbisse, um darin Wasser von den Flussläufen zu ihren bewohnten Höhlen in den Bergen zu transportieren. Ihre Nahrung dagegen beschafften sie sich weiterhin als Jäger und Sammler. Erst um 5100 v. Chr. begann im nahegelegenen Grijalvadelta die Kultivierung einer als Nahrungsmittel bestimmten Nutzpflanze: die Teosinte, die wilde Form des Mais. Knapp tausend Jahre später, 4200 v. Chr., wurde die kultivierte Teosinte auch im Oaxacatal angebaut. Im Laufe der Zeit kamen Paprika, Sonnenblumen und Gartenbohnen zu den Anbaupflanzen hinzu.
Da es in der amerikanische Fauna an entsprechenden Wildtieren fehlte, die eine biologische Disposition zur Domestikation hatten, wurden außer dem Lama, dem Hund und dem Truthahn keinerlei Tiere als Fleischlieferanten oder Arbeitstiere domestiziert.
Verbreitung der Landwirtschaft
Abgesehen von den wenigen Gebieten, die ebenfalls als deren Geburtsstätten in Frage kommen, wurde die Landwirtschaft nirgend sonst auf der Welt eigenständig entwickelt, sondern aus einer der Ursprungsregionen übernommen. In erster Linie liegt das am Fehlen geeigneter wilder Pflanzen- und Tierarten in den anderen Regionen. So kamen die Wildformen von heute weltweit verbreiteten Nutzpflanzen wie Weizen und Gerste ursprünglich nur in Anatolien und Syrien vor, weshalb sie nur dort domestiziert und erst anschließend verbreitet wurden.Die Ackerbauern der Levante hatten sich um 8000 v. Chr. etwa im Gebiet des südlichen Anatoliens (inklusive Zyperns) bis zur persischen Golfküste ausgebreitet. Es begann eine konzentrische Expansion der Landwirtschaft, und zwar in erster Linie durch eine Migration der Bauern mit den von ihnen domestizierten Pflanzen und Tieren aus der Levante sowie dem Wissen um deren Pflege, Aufzucht und Vermehrung im Gepäck. So bewiesen Vergleiche der mitochondrialen DNA, dass die ersten indischen Bauern näher mit den Bauern der Levante verwandt waren als mit den Jägern und Sammlern in ihrer Nachbarschaft. Ähnliches gilt für Europa, welches die Ackerbauern vor etwa 9.000 Jahren über die noch existierende Landbrücke am Bosporus kultivierten. Von Südosteuropa verbreiteten sie sich zunächst entlang der Mittelmeerküste sowie entlang der großen Flussläufe nach Ost- und Mitteleuropa. In Ägypten ergänzten dagegen die örtlichen Jäger und Sammler ihren Speiseplan mit importierten Kulturpflanzen aus der Levante. Über den Nil flussaufwärts erreichten die gleichen Pflanzen das Hochland von Äthiopien.
Ebenso könnten die domestizierten Pflanzen und Tiere aus dem Nahen Osten die Initialzündung für die Landwirtschaft im tropischen Westafrika gegeben haben. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass in dieser Region etwa um 5000 v. Chr. eigenständig Sorghum, Perlhirse und Afrikanischer Reis sowie Perlhühner kultiviert wurden. Nichtsdestotrotz scheint eine Verbindung zwischen dieser und den anderen Ackerbau-Regionen in Eurasien bestanden zu haben, da bspw. Sorghum schon ab etwa 2000 v. Chr. auch in Indien angebaut wurde. Umgekehrt fanden Rinder und Ziegen den Weg nach Westafrika, von wo aus sie schließlich durch die Wanderung der Bantu ab 3000 v. Chr. den Weg ins südliche Afrika fanden.
In Äthiopien wurden nach (möglicherweise sogar vor) dem Eintreffen der vorderasiatischen Kulturpflanzen Teff und Kaffee domestiziert. Auf Zypern machte man Katzen und in Sumer und Ägypten Esel zu Haustieren und fügte die Erdmandel und die Maulbeerfeige zu den Anbaupflanzen hinzu. Die Bewohner des Industals domestizierten Sesam, die Osteuropäer dagegen Hafer und die Westeuropäer Mohn. Auf der arabischen Halbinsel wurde das Dromedar und in der heutigen Ukraine oder in Kasachstan das Pferd domestiziert.
Mit der um ebenfalls 3000 v. Chr. einsetzenden austronesischen Expansion verbreitete sich die Landwirtschaft mit den in Südchina kultivieren Pflanzen in Südostasien und dem Pazifischen Raum. Da ein weiteres Domestikationszentrum zwischen Indien und Südchina von der Forschung als unwahrscheinlich erachtet wird, ist China demnach auch Ursprungsort des indischen Reis. In Neuguinea dagegen waren unter Umständen bereits vor dem Eintreffen der südchinesischen Kulturpflanzen die einheimischen Jäger und Sammler dazu übergegangen, Bananen und Zuckerrohr zu nutzen. Von Nordchina aus, wo Reis ab 3000 v. Chr. angebaut wurde, verbreitete sich die Landwirtschaft binnen tausend Jahren nach Korea und schließlich sehr spät nach Japan.
Der mesoamerikanische Ackerbau breitete sich nordwärts aus, wo er jedoch in den Wüstengebieten des heutigen Texas ein Hindernis fand. Womöglich fand die Domestizierung von Sonnenblumen, Gänsefuß, Maygrass und Erdbirne im Osten der heutigen USA daher unbeeinflusst statt. Der Kürbis, so bewiesen Gentests, wurde in insgesamt sechs verschiedenen Regionen domestiziert. Ebenso wurden zahlreiche andere Pflanzenarten mehrfach in unterschiedlichen Regionen kultiviert. In den peruanischen Anden und dem angrenzenden Amazonas-Tiefland wurden daher vermutlich eigenständig Maniok und Kartoffeln domestiziert und erst später durch Mais ergänzt.
Ebenso wie in Mittelamerika mangelte es in Südamerika an geeigneten großen Säugetieren zur Domestikation. Einzig das Lama wurde für den Lastentransport genutzt. Zur Fleischversorgung diente Charque, getrocknetes, in Streifen geschnittenes Lamafleisch und es wurden Meerschweinchen gehalten.
In einigen Regionen der Erde hielt die Landwirtschaft – und damit die Jungsteinzeit – nie (d. h. mindestens bis zur europäischen Kolonialzeit) Einzug. Zum einen sind dies Wüsten- und Polar-Regionen, die sich grundsätzlich nicht zur landwirtschaftlichen Nutzung eignen. Zum anderen sind es Regionen, die erstens keine zur Domestikation geeigneten Arten in ihrer Flora und Fauna boten sowie zweitens durch Wüsten oder ähnliche unwegsame Gebiete von den Entwicklungszentren der Landwirtschaft getrennt waren und daher nicht in Besitz geeigneter kultivierter Pflanzen und Tiere kamen (wie Australien). Heute sind nur noch wenige Naturvölker auf einer Entwicklungsstufe vor der Jungsteinzeit.
Archäologische Kulturen
Innerhalb der Jungsteinzeit lassen sich (deutlicher als in der Altsteinzeit) „typische“ Kulturen erkennen, die jeweils nach mehrhundertjähriger Dauer abgelöst wurden, bzw. in eine neue Phase eintraten. Die archäologischen Funde und Fundsituationen weisen innerhalb von zeitlich und regional bestimmbaren Regionen Ähnlichkeiten auf und deuten die Grenzen der einheitlichen Kulturräume an.
Mitteleuropa
Die früheste gut erforschte neolithische Kultur Mitteleuropas ist die bandkeramische Kultur (vor 7.500 Jahren. Am Ende verbreitet von Moldawien bis in das Pariser Becken, im Norden bis zum Nordrand der Mittelgebirge). Parallel zu dieser vorwiegend die Löss-Landschaften besetzenden Kultur dürften sich in Enklaven, besonders aber an der Peripherie mesolithische Jäger- und Sammler gehalten haben. Die Bandkeramik wurde im Gebiet des heutigen Deutschland im westlichen Verbreitungsgebiet von der Rössener Kultur abgelöst, im Osten von der Stichbandkeramik, der Oberlauterbacher Gruppe und der Münchshöfener Kultur.
Weitere: La-Hoguette-Gruppe Trichterbecherkultur Michelsberger Kultur
Danubischer Raum, Südosteuropa
Im mittleren Donauraum setzte das Neolithikum mit dem Starcevo-Körös-Cris Komplex ein, in Griechenland mit der Sesklo-Kultur. Das Mittelneolithikum prägten auch die Alföld-Linearkeramik bzw. die Bükk-Kultur in Nordungarn und der Slowakei. Das Endneolithikum war in Serbien und im Banat durch die Vinča-Kultur, in Ungarn durch die Theiß-Kultur (Tisza-Kultur) bestimmt. Am Übergang zum Mittelneolithikum bricht auf dem Balkan und im danubischen Raum die Kontinuität der Tell-Siedlungen ab.
China
- Cishan-Peiligang-Kultur
- Hemudu-Kultur
Mittelamerika
- Olmeken
- Zapotec
Südamerika
- Valdivia-Kultur
- Aspero-Kultur
- Chinchoros-Kultur
- Chorrera-Kultur
- El Paraiso-Kultur
Varia
Der einzige bekannte Mensch aus der Endphase der Jungsteinzeit ist der Ötzi, der vor über 5.000 Jahren lebte. Seine Leiche blieb als gefriergetrocknete Mumie erhalten. Er hatte typische Gerätschaften der Jungsteinzeit wie Pfeil und Bogen bei sich und trug bereits ein Kupferbeil.Wichtige archäologische Stätten der Mittel- und Endphase der Jungsteinzeit (vor 6.500 bis 4.800 Jahren) und Nachfolger der Tempel auf dem Göbekli Tepe (Türkei) vor 11.000 Jahren sind die Megalithanlagen und Menhire in Carnac (Frankreich), in Skara Brae (Schottland), sowie Maltas Tempel und Newgrange und Knowth in Irland.
Technologie und Entwicklung
Die meisten Werkzeuge aus Holz, Tierknochen oder Feuerstein waren denen aus der Alt- und Mittelsteinzeit sehr ähnlich. Neu waren Beile und Äxte, die durch Sägen und Schleifen geschärft und zur Schäftung durchbohrt wurden. Ebenfalls neu war das Auftreten gebrannter Tongefäße. In den meisten Regionen traten diese meist zur Bevorratung gebrauchten Gefäße mit oder unmittelbar nach dem Entwicklung des Ackerbaus auf, in Japan dagegen aber schon weit vorher.
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Rekonstruktion von Pfahlbauten Bildherkunft |
Mit der beginnenden Sesshaftigkeit entwickelte sich auch der Hausbau weiter. Im Gebiet der Alpen baute man Hütten auf meterhohen Stützen („Pfahlbauten“) an den Ufergebieten der Seen; eine Bauweise, die den periodischen Überflutungen der Seeufer angepasst war. Um die Dörfer baute man riesengroße Zäune (Palisaden)zum Schutz vor Wölfen oder anderen Feinden.Auch im Seengebiet des Jangtse und am Jangtse-Delta wurde auf diese Weise gebaut.
In Çatal Hüyük wurden meist rechteckige Häuser, aus Lehmziegeln und einem Holzgerippe, gebaut. Für eine sesshafte Kultur war Grundbesitz und dessen Verteidigung von großer Bedeutung; Oasenstädte wie Jericho wurden von meterhohen Mauern umgeben.
Die Entwicklung der Landwirtschaft und die daraus resultierende bessere Versorgungslage führte zu einem Anstieg der Bevölkerungszahl. Gleichzeitig spezialisierten sich Teile der Gruppe auf bestimmte Tätigkeiten. Es bildete sich eine geistige und politische Führungsschicht (Priester, Stammesoberhäupter, Fürsten).
Metalle
Während der Jungsteinzeit wurde auch die Metallbearbeitung entwickelt. Sie beschränkte sich aber auf gediegene (elementar vorkommende) Metalle wie Gold, Silber und Kupfer. Die ältesten Kupferfunde stammen aus Anatolien und dem Iran und sind über 9.000 Jahre alt. Aufgrund der Metallverarbeitung wird der letzte Abschnitt der Jungsteinzeit regional begrenzt als Kupfersteinzeit bezeichnet.Religion und Kunst
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Poulnabrone Dolmen, Irland Bildherkunft |
Durch die Entwicklung von Pflanzenbau und Tierzucht kam der Idee der Fruchtbarkeit in der Vorstellung des Menschen eine größere Bedeutung zu. Analog zum Vorgang Säen–Reifen–Ernten wurde die Abfolge Geburt–Leben–Tod in die Glaubenswelt übernommen. Die Bedeutung der Frau als „Lebensspenderin“ stieg, ebenso die Rolle weiblicher Fruchtbarkeitsgottheiten in der Religion. Das Matriarchat wurde vorherrschende Gesellschaftsordnung. Erst mit der Entstehung erster staatlich organisierter Gesellschaften (den ersten Stadtstaaten in Mesopotamien) wird es vom Patriarchat abgelöst, eine Entwicklung, die bspw. im Etana-Mythos ihre religiös-mythische Begründung erhält.
Wie noch heute in einigen Naturreligionen wurden heilige Kräfte in der umgebenden Tier- und Pflanzenwelt vermutet. Menschen-, tier- oder mischgestaltige Fabelwesen wurden Objekt der Verehrung, ebenso die Sonne als höchstes Wesen oder Lichtgottheit. In Ägypten entstand die Idee der Sonnenbarke. Die Tradition (aus der Mittelsteinzeit) der Wandmalerei in Höhlen wurde in einigen Regionen fortgesetzt (Skandinavien, Ostspanien), während im Nahen Osten nun die Wände von Kultgebäuden verziert wurden.
Die Beisetzungen der Toten erfolgte in der Regel außerhalb der Siedlungen in Flachgräbern. In Mitteleuropa wurden bedeutende Herrscher in Hügel- oder Großsteingräbern (Megalithgräbern) beerdigt, ebenso scheint ein Toten- und Ahnenkult betrieben worden zu sein. In Ägypten begann im 4. Jahrtausend v. Chr. die Tradition unterirdischer Grabanlagen, die im Alten Reich mit den monumentalen Pyramidenbauten ihren Höhepunkt fand.
Die vielfältige und abwechslungsreiche Formung und Ornamentierung von Töpferware (Keramik) lässt Archäologen einzelne Gefäße (und damit Fundplätze) einer bestimmten Kulturgruppe zuordnen. Die Art und Weise der Keramikbearbeitung wird nun auch maßgebend für die Namensgebung (durch Archäologen) für die einzelnen Kulturen (bspw. Bandkeramiker) und löst damit die Steinwerkzeuge in dieser Hinsicht ab.
Literatur
Bücher
- John Lubbock: Die vorgeschichtliche Zeit erläutert durch die Überreste des Alterthums und die Sitten und Gebräuche der jetzigen Wilden, Costenoble, Jena 1874.
- Vere Gordon Childe: Der Mensch schafft sich selbst, Verlag der Kunst, Dresden 1959.
- Jared Diamond: Arm und Reich. Die Schicksale menschlicher Gesellschaften, Fischer TB, Frankfurt/Main 1998. ISBN 3-596-14967-3
- Ernst Probst: Deutschland in der Steinzeit. Jäger, Fischer und Bauern zwischen Nordseeküste und Alpenraum, Bertelsmann, München 1991. ISBN 3-570-02669-8
- J. Müller: Die Impresso-Kultur und die Neolithisierung des Adriaraumes, Spiess Wissenschaftsverlag, Berlin 1994.
- Jürgen E. Walkowitz: Das Megalithsyndrom. Europäische Kultplätze der Steinzeit (in: Beitraege zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas, Bd. 36), Beier und Beran, Langenweissbach 2003. ISBN 3-930036-70-3
- Jeanette Werning: Früheste Scherben, frühester Reis, früheste Hirse. Zur Neolithisierung in China, in: Jörg Eckert (Hg.): Archäologische Perspektiven. Analysen und Interpretationen im Wandel, Leidorf, Rahden/Westfalen 2003, S. 103–129. ISBN 3-89646-400-0
- Daniel Zohary und Maria Hopf: Domestication of plants in the old world. The origin and spread of cultivated plants in West Asia, Europe and the Nile Valley, Oxford University Press, Oxford 32000. ISBN 0-19-850357-1
Artikel in Fachzeitschriften
- Bruce F. Benz: Archaeological evidence of teosinte domestication from Guilá Naquitz, Oaxaca, in: PNAS 98 (Februar 2001), S. 2104–2106. online
- Daniel G. Bradley: Genetic evidence for Near-Eastern origins of European cattle, in: Nature 410 (April 2001), S. 1088–1091.
- Lounès Chikhi: Y genetic data support the Neolithic demic diffusion model, in: PNAS 99 (August 2002), S. 11008-11013. online
- Richard Cordaux: Genetic Evidence for the Demic Diffusion of Agriculture to India, in: Science 304 (Mai 2004) S. 1125.
- Gordon Hillmann: New evidence of Lateglacial cereal cultivation at Abu Hureyra on the Euphrates, in: The Holocene 11/4 (Juli 2001), S. 383–393.
- Simcha Lev-Yadun: The Cradle of Agriculture, in: Science 288 (Juni 2000), S. 1602–1603
- Dani Nadel: Processing of wild cereal grains in the Upper Palaeolithic revealed by starch grain analysis, in: Nature 430 (August 2004), S. 670–673.
- Katharina Neumann: New Guinea. A Cradle of Agriculture, in: Science 301 (Juli 2003), S. 180–181.
- Dolores R. Piperno: Phylogenetic relationships among domesticated and wild species of Cucurbita (Cucurbitaceae) inferred from a mitochondrial gene, in: PNAS 99 (Januar 2002), S. 535–540. online
- Kevin O. Pope: Origin and Environmental Setting of Ancient Agriculture in the Lowlands of Mesoamerica, in: Science 292 (Mai 2001), S. 1370–1373.
- Bruce D. Smith: The Initial Domestication of Cucurbita pepo in the Americas 10,000 Years Ago, in: Science 276 (Mai 1997), S. 932–934.
- Melinda A. Zeder und Brian Hesse: The Initial Domestication of Goats (Capra hircus) in the Zagros Mountains 10,000 Years Ago, in: Science 287 (März 2000), S. 2254–2257.
Weblinks
- Kulturen der Steinzeit
- Zur Jungsteinzeit in Oberfranken (Landschaftsmuseum Obermain Kulmbach)
- Bilder von Großsteingräbern und Menhiren in Deutschland
Siehe auch
- Portal:Vor- und Frühgeschichte – Neolithische Revolution, Baalberger Kultur, Stonehenge, Woodhenge, Silbury Hill
ast:Neolíticu
Diskussion der Autoren über den Artikel: Jungsteinzeit
Wie ist die Datieru Auf den Spuren der frühen Hirtenng des japanischen Neolithikums zu belegen? Jomon doch viel älter? 10:13, 20. Dez 2004 (CET)
Sehr interessant ist der Beitrag von Rudolph Kuper, Köln "Vom Jäger zum Hirten - Was ist das Sahara-Neolithikum" 1978, Seite 60-69 in Handbuch zu einer Ausstellung des Rautenstrauch-Joest-Museums für Völkerkunde ... "Sahara". Weitere selbstständige neolithische Zentren sind in China, auf Neu-Guinea und in Mittel-Süd-Amerika vorhanden. Ob das Indus-Neolithikum unabhängig vom Vorderen-Orient ist, ist mir nicht bekannt. 21:33, 22.12.2005 (CET) javascript:insertTags('[',']','http://www.theiss.de/AiD/99... Auf den Spuren der frühen Hirten');
Wikipedia:Fokus im Rahmen der Qualitätsoffensive, August 2005
Da sich niemand gegen die Idee von Kff aussprach, wird der Vorschlag nun umgesetzt. Der Artikel Jungsteinzeit sollte nun die "eigentliche" Geschichte beinhalten, während auf Neolithische Revolution und Neolithisierung nur eine kurze Erklärung der Ereignisse und dafür hauptsächliche die Charakteristika der Theorie sowie der Rezeptionsgeschichte eben dieser stehen werden. --Bender235 11:12, 25. Aug 2005 (CEST) Ich hoffe, der Ausnahme-Zustand, alle drei Artikel in den Wikipedia:Focus zu stellen, wird von den Admins geduldet.Befindet sich gerade im Rahmen der Wikipedia:Qualitätsoffensive im Umbau. Literatur siehe Diskussion:Neolithische Revolution --Bender235 14:44, 16. Aug 2005 (CEST)
- Den Vorschlag von Kff auf Wikipedia:Artikel zum gleichen Thema will ich hier nochmal zur Diskussion stellen. Er schlug vor, sowohl Neolithische Revolution als auch Neolithisierung unter Neolithikum - also Jungsteinzeit - zu behandeln. Bei genauerer Betrachtung ist das absolut logisch, denn was im Neolithikum passierte war die Neolithische Revolution, und nichts anderes. Ich wäre deshalb durchaus dafür, die Entwicklungen, ob nun Neolithisierung oder Neolithische Revolution genannt, unter "Neolithikum" zu behandeln. --Bender235 22:34, 17. Aug 2005 (CEST)
- vielen Dank für das Aufgreifen meines Vorschlags. Ich selbst habe mich gerade von der Wikipedia verabschiedet. Zu eurer Diskussion - richtig ist meines Erachtens die Abgrenzung nach einem klaren Periodensystem.
- Jede Periode hat eine "Eingangsphase"
- also hier neolithische Revolution (ein unglückliches Schlagwort) oder "Neolithisierung" (genauso schlecht, weil passiv ... wer wird denn von wem "neolithisiert", Steinigung gibts nur noch in der Scharia) oder andere Theorien. "Neolithisierung" bezieht sich in Europa darauf, dass man meint, die Errungenschaften des Neolithikums auf die "zurückgebliebenen" Mesolithiker zu übertragen. Fundstellen in den Niederlanden oder auch am Dümmer machen auch ganz andere Prozesse denkbar und man darf aktive Adaption und Akulturation, Klima, Subsistenz der Kulturen etc. nicht außer acht lassen.
- Jede Periode hat eine "Ausgangsphase"
- also im vorderen Orient das Chalkolithikum, in Europa eher unvermittelt die frühe Bronzezeit.
- Daher würde ich dazu neigen, den Artikel "Neolithimum in mehrere Abschnitte zu unterteilen:
- Entstehung des Neolithikums und Übergang angrenzender mesolithischer Kulturen in das Neolithikum (kurz)
- die einzelnen neolithischen Kulturen in ihren Abhängigkeiten und ihren Entwicklungsgphasen (ausführlich)
- Übergang des Neolithikums in das Chalkolithikum und die frühe Bronzezeit (kurz)
- Du kannst diese Anmerkungen auch gern in eure Diskussion oder euren Artikel übernehmen. Ich selbst mag mich nicht mehr einmischen, da ich seit 20 Jahren nicht mehr in der Archäologie tätig bin.
- Einen schönen Sonntag noch, --Kff 18:41, 21. Aug 2005 (CEST)
- Ursprünglich schrieb Kff dies auf meiner Bender235 --Bender235 00:48, 22. Aug 2005 (CEST)
Punkt 1 Die Menschheitsgeschichte kann man nicht auf 130.000 Jahre einschränken. Punkt 2 Es ist sicher ganz wichtig, den neuesten Forschungsstand zu berücksichtigen; aber m.E. sollten so zentrale Begriffe wie "Vorgeschichte" und "Frühgeschichte" nicht kritiklos beibehalten werden. Was für Hegel noch zu stimmen schien, stellt sich heute meist etwas anders dar. Will sagen, die so genannte Vorgeschichte ist in Wirklichkeit die Hauptgeschichte, sowohl nach der Dauer als auch nach der Fülle und Folgenschwere der Ereignisse, Erfindungen etc. Die Vorgeschichte ist kein Vorgeschmack auf die eigentliche Geschichte der Menschheit, kein bloßes Vorwort zum Buch. Yuren 21:55, 18. Aug 2005 (CEST)
Tut mir leid, dass ich noch was zu mäkeln habe: Die Lebensverhältnisse der Sammler und Jäger in der Weise zu charakterisieren wie einst Hobbes ist zumindest per Analogie mit Erfahrungen bei rezenten Sammlern und Jägern sehr fragwürdig. Yuren 11:03, 19. Aug 2005 (CEST)
- Kein Problem. Und ich hab verstanden. Außerdem will ich den Vorschlag von Kff aufgreifen und die Vorgänge der Neolithischen Revolution bzw. Neolithisierung in den Artikel Neolithikum bzw. Jungsteinzeit packen. Damit entgeht man übrigens auch der Zwickmühle, welche Forschermeinung man nun per Lemma-Wahl bevorzugen soll. Stattdessen soll auf Neolithische Revolution nur noch eine kurze Erklärung (was ist es? wer hat's erfunden? kritik?) und ansonsten "Siehe unter ...". Meinung? --Bender235 14:09, 19. Aug 2005 (CEST)
- Hmm, sehe ich nicht so ganz problemlos: Neolithikum bezeichnet die ganze Epoche mit allen dazugehörigen Erscheinungsformen, Neolithische Revolution/Neolithisierung sind dagegen "nur" die zwar wichtigsten Ereignisse aber nicht alles was unter Neolithikum fällt. Zweifellos sollten allerdings Neolithische Revolution+Neolithisierung zusammengeführt werden (obwohl die Neolithisierung ja bereits vor dem Neolithikum begonnen hat.Gruß --Geos 14:35, 19. Aug 2005 (CEST)
- Sicher? Aufgrund wessen Definition? Soweit ich weiß beginnt das Neolithikum zu dem Zeitpunkt, als die Nomanden sesshaft werden und die Sammler Pflanzen züchten. Seit Childe zumindest. Und das ist doch die Neolithisierung, oder? Was spielte sich in der Jungsteinzeit noch ab, außer das man sesshaft wurde, Tiere und Pflanzen domestizierte, Bauwerke aus Stein errichtete und letztendes die Metallurgie entwickelte? Ist irgendetwas davon nicht im Begriff Neolithische Revolution enthalten? --Bender235 15:39, 19. Aug 2005 (CEST)
- Neolithisierung/Neolithische Revolution sind definitionsgemäss der Beginn der Jungsteinzeit nach Childe ua. Aber die Leute sind ja nicht von einem Tag auf den anderen von der Jagd auf die Viehzucht und vom Sammeln zum Ackerbau übergegangen - es war eher ein schleichender Prozeß, der auch ganz unterschiedlich schnell vonstatten ging, oftmals auch wieder revertiert wurde und in einigen Gesllschaften nie wirklich umgesetzt wurde (obwohl durchaus bekannt) - und erst in der Phase zur "Jungsteinzeit" wurde, als die neue Lebensweise vorherrschend wurde. Bauwerke aus Stein, Sesshaftigkeit, Metallurgie ua. sind Folgeerscheinungen, die zweifellos erst durch die vorhergehende Revolution ermöglicht wurden, aber mMn nicht mehr unter den Begriff der Revolution gehören sondern eher zur folgenden "Evolution" in der Jungsteinzeit, deshalb sollten hier zwei Lemmate stehen. Gruss --Geos 16:59, 19. Aug 2005 (CEST)
- Ja, so in etwa hab ich das auch verstanden. Neolithische Revolution ist ein Teil von dem, was in der Jungsteinzeit passierte. Aber weil der Begriff umstritten ist (Neolithische Revolution oder Neolithisierung) wäre es sinnvoll, wenn wir uns in den Artikeln zu diesen beiden Begriffen mehr auf so etwas wie Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte konzentrieren. Die eigentlichen Ereignisse könnten dann, ohne jede Festlegung welcher Theorie die Wikipedia denn folgt, im Artikel Jungsteinzeit stehen. So schlecht finde ich die Idee von Kff gar nicht. --Bender235 12:35, 21. Aug 2005 (CEST)
Das Ergebnis der Neolithischen Revolution (NR) war revolutionär nicht der zeitliche Ablauf. Angefangen hat er mit dem Ende der Eiszeit, die für die Menschen auf der Nordhalbkugel einer "Klimakatastrophe" gleich kam. In Ohalo ist jetzt festgestellt worden, das die Großtierfauna schon sehr zeitig (ca. 20.000 v. Chr.) die LEvante (und nur hier fand die NR statt) verließ und damit sogar dort - was bisher nur für Europa diskutiert wird - eine quasi mesolithische Phase einläutete. Das bedeutete hier wie dort, die Umstellung der Ernährung. Aber während man in Europa primär auf Fisch ausweichen konnte, war diese Ressource in der Levante begrenzt. Es wurden also (regional verfügbar) Auswege gesucht. In Ohalo war das der mesolithische Akt: Fischfang und Verzehr von Wildgetreide. Vermutlich im trockeneren Süden führte dies zur Domestikation von Ziegen (vielleicht auch Schafen). Diese Linie war die zunächst erfolgreichere und verbreitete sich (u. a. nach Norden) in die Heimat des Wildgetreides, die nach neuester Forschung in der Osttürkei und in Syrien lag. Jemand der einige Zeit seine Ziegen mit Wildgetreide gefüttert und die Herdengröße gewaltig gesteigert hatte kam dann auf die Idee Getreide anzubauen (damit seßhaft zu werden) es zu selbst verzehren und die Ziegenhaltung zu reduzieren. Diese Prozeßfolge bezeichnet m. E. die NR. Ob dieser ganze Komplex innerhalb dieses oder jenes Kapitels Platz hat oder Eigenständigkeit beanspruchen kann, soll jemand andres entscheiden. Ich plädiere dafür in Gliederungsfällen nicht der wechselvollen archäologischen Leitlinie zu folgen sondern der ingenieurmässigen und die Erfindung einer Sache (die immer eine Vorgeschichte hat) von dem Gebrauch einer Sache (z. B. Eisen & Eisenzei) zu trennen. 12:25, 23. Aug. 2005 (JEW)
- So, ich hab den Abschnitt "Bäuerliche Lebensweise" im Artikel Jungsteinzeit erweitert. Wie man sieht habe ich dafür unter anderem deine Informationen verwendet. Vorerst habe ich nur Pflanzen- und nicht Tierdomestikation beachtet, ebenso beschränkte ich mich auf den Nahen Osten. Die anderen Region kommen sobald wie möglich.
- Nichtsdestotrotz wäre es schön, wenn du den Abschnitt schon jetzt einmal Korrektur lesen könntest. --Bender235 21:47, 24. Aug 2005 (CEST)
- Hallo Bender, durchgelesen hab ich die Jungsteinzeit, überarbeitet noch nicht, das wird folgen. Was mir im Übergang von der Kultur der Sammler und Jäger zur Dorfkultur bis jetzt fehlt, ist die Würdigung der Erfindung von Pfeil und Bogen als Fortschritt gegenüber der Speerschleuder. Die Bogenschützen blieben bis zur Erfindung der Feuerwaffen bedeutend. Yuren 23:09, 24. Aug 2005 (CEST) Ursprünglich in Diskussion:Jungsteinzeit geschrieben. --Bender235 11:14, 25. Aug 2005 (CEST)
- Ich danke dir für die Durchsicht des Abschnitts, und ich stimme den von dir gemachten Korrekturen überein. Außer mit einer; die Angabe der Jahreszahlen sollte IMHO einheitlich "vor Christus" oder einheitlich in relativen Angabe "[heute] vor 10.000 Jahren" sein. Ich glaube sonst kommen die Leser durcheinander.
- Die Erfindung neuer Waffen (Bogen) war sicherlich ausschlaggeben für das plötzliche Verschwinden der Großtierfauna in diversen Regionen. Das sollte noch erwähnt werden, da hast du recht. --Bender235 11:30, 25. Aug 2005 (CEST)
- Ich möchte mich nicht einmischen aber wann war die Erfindung von Pfeil und Bogen, wo war sie und wieso soll ihr die Großtierfauna zum Opfer gefallen sein? Es gibt Regionen mit Blasrohr oder Boomerang Bola etc. alle angepaßt an die Jagdmöglichkeiten durch die Vegetation. Einen Zusammenhang mit der (besseren, schlechteren) Wirksamkeit dieser Waffen und der Existenz der lokalen Fauna bzw. dem Eßverhalten der Jäger ist m. E. nicht belegt. 18:15, 29. Aug 2005 (JEW)
- Die Erfindung von Pfeil und Bogen fand wohl auch am Ende der Eiszeit statt, min. vor 10.000 Jahren. Das zeigen ja in erster Linie entsprechende Felsenzeichnungen. Ob es einen Zusammenhang zwischen verbesserten Jagdtechniken und Verschwinden großer Säugetiere gibt, lässt sich natürlich schwer beweisen, aber eine gewisse Logik hat es schon. Auch Jared Diamond kommt in seinem Buch "Arm und Reich" zu diesem Schluss. Erläutere mal deine Einwände. --Bender235 18:16, 30. Aug 2005 (CEST)
- P.S.: Du brauchst dich für deine Einmischung nicht entschuldigen. Im Gegenteil, es ist sogar erwünscht.
- Der Bogen unterscheidet sich von anderen Jagdwaffen dadurch, das er eine Fernwaffe ist und Weiten von 100 bis 120 m überbrückt. Für den Jäger ist sein Vorteil besonders groß wenn er an Wild, das er zwar sehen kann, weil kein Bewuchs dies verhindert, nicht so nah Anpirschen muß. Im Waldland ist ein Bogen also relativ nutzlos. Ähnliches gilt für den Boomerang, der übrigens auch bereits Altsteinzeitlich in Europa belegt "sein soll". Die Großtierfauna verschwand am Ende der Eiszeit aus diversen Regionen weil sie in diverse andere Regionen verschwand. Die Großtierfauna um die es hier ja geht bestand aus großen Herdentieren. In Miteleuropa Pferde und Rentiere; anderswo Schafe, Ziegen, Gazellen, Saigas etc und noch anderswo Gnus, Zebras etc. Große Herdentiere waren die bevorzugte Jagdbeute und sie brauchten (damals und heute) Grasland - und sie sind sehr schnelle Fluchttiere. Mit der Bewaldung Mitteleuropas wurden (da ihnen Kälte nichts ausmacht) Rentiere nach Norden und Pferde nach Osten verdrängt. Die Erfindung von Pfeil und Bogen wird deshalb -wohl zu recht- den Cro-Magnaten zugeschrieben. Die "Lautscher Spitzen" sollen deshalb bereits vor 30.000 Jahren Pfeile bewehrt haben. Das paßt ins o. a. Jagdbild der Eiszeit. Gut entwickelte 3,5 m lange Bögen, die leider nicht gut erhaltbar sind, fand man aus mesolithischer Zeit in Rußland. Bezeichnenderweise in der Komi Republic also nahe der Tundra, wo sie als Fernwaffe gute Einsatzmöglichkeiten hatten. Die Großtierbestände sind in der "Pfeil-und-Bogen-Zeit" nicht hier und nicht dort zurückgegangen. Erst die schießwütigen Siedler schafften es Hunderttausende von Büffeln (um nur ein Beispiel aufzuzeigen) zu erlegen, die die Indianer nie dezimiert hätten. 15:45, 31. Aug 2005 (JEW)
- Okay, deine Einwände klingen logisch. Dann kommt der Abschnitt mit Pfeil und Bogen raus. Aber was war es dann, dass die Landwirtschaft ausgerechent vor 12.000/13.000 Jahren hat entstehen lassen, und nicht etwa vor 20.000 oder 50.000 Jahren? Nur das Ende der Eiszeit? Oder auch Fortschritte der (Waffen-)technik? Es ist ja auch eine gewisse Gerätschaft zum Ernten von Getreidefeldern nötig. --Bender235 20:19, 31. Aug 2005 (CEST)
- Der israelischer Biologe Lev-Yadun hat festgestellt das die Wildform der Getreide auf die östliche Türkei und Syrien beschränkt war. Die Klimagürtel der Erde (Eis, Tunda, Waldland, Steppe, Wüste etc.) die sich vereinfacht gesagt von Nord nach Süd um den Globus ziehen, waren während der eiszeit nach Süden verschoben und wanderten jetzt wieder nach Norden. Die Menschen blieben vor Ort und mußten ihre Ernährung - von primär Tieren auf primär Pflanzen - umstellen. (Lev-Yadun S. et al. 2000 The Cradle of Agriculture, Science 288: 1602-1603,)
Bei den Punkten Ackerbau in China und Südamerika brauche ich noch Mithilfe. Zur Domestikation von Reis in China habe ich unterschiedliche Angaben gefunden; 9500 v. Chr. (bei Archaeology), 8500 v. Chr. (im Wikipedia Artikel Reis) und 7500 v. Chr. (in "Arm und Reich" von Jared Diamond). Zur Domestikation von Maniok in Südamerika fand ich nur einen Artikel der PNAS (online), in dem bestätigt wird, dass Maniok in Süd- und nicht in Mittelamerika domestiziert wurde (wo ja 4600 Jahre alte Maniokpollen gefunden worden). Wäre schön, wenn jemand klärend mithelfen könnte. --Bender235 20:24, 28. Aug 2005 (CEST)
- Das mit China hat sich erledigt, dazu habe ich einen sehr umfangreichen und aktuellen Aufsatz aus einer Festschrift gefunden (siehe Literatur-Angaben Jungsteinzeit). Mit Südamerika bin ich allerdings soweit wie zuvor. --Bender235 18:30, 29. Aug 2005 (CEST)
Ich stelle hier mal die Frage ob es wirklich immer so sinnvoll ist verschiedene Schlagworte in einem Artikel zusammenzuführen (umzuleiten). Beispielsweise Talayot in Talayotkultur. Es gibt auch noch andere Beispiele. Ich denke, dass die Kultur genau so eine Vielfalt von Unterthemen hat (Keramik, Bronzefiguren etc.) die alle noch nicht richtig behandelt worden sind. Ebenso viele Einzelheiten hat der Talayot. Ich habe volles Verständnis dafür, dass man den Trichterbecher nicht von seiner -kultur trennt. Denn über ihn gibt es nicht so viel zu schreiben. Ganz anders ist das bei den Kulturen die ihren Namen sehr zufällig einem Bauwerk verdanken (Talayot oder Torre). So viele gibt es ja nicht, denn die meisten sind nach dem Ort ihrer ersten Entdeckung benannt. Bei Nuraghe ist diese Zusammenführung richtigerweise nicht passiert. Und da wir das Fenster Vor- u. Frühgeschichte schon mal aufgemacht haben könnte man auch darüber nachdenken diesen Zeitabschnitte aus dem Bereich: Regionen , Staaten etc. herauszunehmen. Verschiedentlich gibt es ja schon eine separierte Vorgeschichte. Unter Sardinien reicht es ja z.B. den Hinweis siehe: Vorgeschichte Sardiniens zu finden.
Nebenartikel
Ich wollte nur mal wieder anmerken, dass die unkommentierte und von der Sache her eher planlose Aufteilung in drei Artikel mit "Neolith" (hier Redirect) am Anfang doch sehr verwirrend wirkt. Ich wünschte mir da eine zentrale Darstellung mit vielleicht aufgrund der Länge ausgegliederten Unterpunkten, aber ein "Vorläufiger Rest des Artikels" wie bei neolithische Revolution macht die Sache zur Puzzleaktion für den Leser. --Saperaud ☺ 21:30, 7. Okt 2005 (CEST)
Diskussion aus dem Review (September 2005)
War den letzten Monat im Wikipedia:Fokus und wurde unter Mithilfe u.a. von JEW und Yuren von mir umgebaut. Größtenteils ist der Artikel komplett. Ziel des Reviews: Was fehlt noch, was ist inhaltlich falsch, etc. --Bender235 14:43, 9. Sep 2005 (CEST)
- Hallo Bender235, als Ausgangsbasis finde ich den Artikel nicht schlecht, einige Anmerkungen habe ich aber noch:
- Mein Problem beginnt schon mit dem ersten Satz: "Die Jungsteinzeit [...] ist eine Epoche der Menschheitsgeschichte." - das kann man heute nicht mehr so sagen. Erstens haben die damit heute verbundenen Phänomene wie Ackerbau und Viehzucht in verschiedenen Weltgegenden zu sehr verschiedenen Zeiten stattgefunden (und in manchen wie Australien nie), zweitens wird der Nutzen des Begriff zunehmend für außereuropäische Regionen ganz in Frage gestellt. In der afrikanischen Archäologie wird der Begriff Neolithikum zum Beispiel abgelehnt, weil er die aus der europäischen Situation gewonnene Terminologie einer sehr andersartigen Kultur überstülpt.
- Daneben halte ich das nebenstehende Periodenschema für äußerst problematisch. Das ist noch wesentlich stärker eurozentrisch geprägt und in dieser Form auf Kulturen, die außerhalb der Region liegen, wo dieses Dreiperiodensystem gewonnen wurde (Naher Osten/Europa/Ägypten), nicht anwendbar. In Afrika gab es zum Beispiel (mit Ausnahme Ägyptens) keine Kupfer- oder Bronzezeit, dafür den frühen parallelen Gebrauch von Eisen- und Steinwerkzeugen. Daher sind auch Aussagen wie "es folgt die Bronzezeit" so nicht allgemeingültig.
- "Statt umherzuziehen, schlossen sich die Menschen zu Dorfgemeinschaften zusammen." - stimmt heute nicht mehr in dem Maße; es sind zahlreiche Beispiele früher sesshafter Jäger- und Sammlerkulturen bekannt. Dieser Eindruck entstand hauptsächlich durch Vergleich mit modernen Jäger- und Sammlerkulturen, die heute vornehmlich in sehr lebensfeindlichen Gebieten leben; man weiß heute aber, dass der Rückschluss hieraus auf die Jäger- und Sammlerkulturen des Mesolithikums unzulässig ist.
- "Der britische Anthropologe Sir John Lubbock definierte 1865 den Übergang in die Jungsteinzeit mit dem Auftreten von geschliffenen Steinartefakten (Axt, Beil)." - Hier fehlt mir eine ganze Menge. Zwar wird Neolithikum heute vornehmlich mit Ackerbau und Viehzucht in Verbindung gebracht, aber der Wortbedeutung nach ist es Teil der Steinzeit und die (für Europa und den Nahen Osten) charakteristische Steinkultur, nach der die Jungsteinzeit historisch benannt wurde, müsste schon näher beschrieben werden.
- Im Definitionsabschnitt fehlt mir die "klassische" Definition als Paket von Innovationen (Steinkultur, Keramik, Ackerbau, Viehzucht, Monumentalbauten) und die moderne Problematisierung dieser Definition (mesolithische Keramik, Jäger-Sammler mit neolitischer Steinkultur etc.)
- Entstehung der Landwirtschaft: Hintergrund Bevölkerungswachstum wird hier noch nicht beleuchtet. Hier müsste man auch (kritisch) auf die alte Idee von der natürlichen "Höherentwicklung" hin zur "Zivilisation" eingehen.
- Im Zusammenhang damit: Probleme des Neolithikums: Vergleich mit dem Mesolithikum fehlt noch, insbesondere was Arbeitsaufwand, Gesundheitszustand (deutliche Verschlechterung, etwa Unterernährung, geringere Lebenserwartung) und neue Infektionskrankheiten (Zoonosen) durch Zusammenleben mit neuen Nutztieren angeht, die die Menschheitsgeschichte ebenso geprägt haben wie die kulturellen Neuheiten.
- Abschnitt Verbreitung der Landwirtschaft: "Es begann eine konzentrische Expansion der Landwirtschaft, und zwar in erster Linie durch eine Migration der Bauern mit den von ihnen domestizierten Pflanzen und Tieren aus der Levante sowie dem Wissen um dessen Pflege, Aufzucht und Vermehrung im Gepäck." - das ist angesichts der extrem heftigen Diskussionen, die sich genau um die Frage drehen, ob die Ausbreitung der Landwirtschaft mit der Verbreitung der Idee Landwirtschaft oder der Verbreitung der "Landwirtschaftler" selbst einherging, ziemlich POV und müsste durch eine wesentlich differenziertere Diskussion ersetzt werden.
- Im Abschnitt zu den Kulturen finden sich im unteren Bereich nur noch Listen, da würde ich mir mehr Text wünschen.
- Woher kommt die Information zur neuartigen Stellung der Frau? Gerade aus dem Paläolithikum sind doch zahlreiche Frauenfiguren wie etwa die Venus von Willendorf bekannt, die eher für eine wesentlich ältere Verehrung der Frau als Mutter sprechen.
- Geistige Auswirkungen: Idee des Eigentums als wichtige Neuerung fehlt noch; zur neuartigen Sozialstruktur mit der Familie (statt des Clans) im Mittelpunkt könnte man auch mehr sagen.


