Musik des 18. Jahrhunderts

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Der Artikel Musik des 18. Jahrhunderts gehört zur Kategorie: Musikgeschichte
Verfolgen wir die französische große Oper bis zum Höhepunkt ihrer Entwicklung, so treffen wir auf das Musikdrama von Christoph Willibald Gluck (1714-1787), der, von deutschem Ernst erfüllt und in der italienischen Schule gebildet, dennoch in Paris den einzig geeigneten Boden zur Ausführung seiner Reformen finden konnte und hier den in seiner Vorrede zur Oper "Alceste" ausgesprochenen, wieder im wesentlichen denen Jean-Baptiste Lullys folgenden Kunstprinzipien ungeachtet heftiger Opposition durch seine 1774 zum erstenmal ausgeführte "Iphigenia in Aulis" zu entscheidendem Sieg verhalf.

Wiewohl Frankreich schon seit Mitte des 17. Jahrhunderts Italien den Rang der künstlerisch tonangebenden Nation streitig gemacht hatte, so konnte das letztere Land aus musikalischem Gebiet zu dieser Zeit noch keineswegs für geschlagen gelten; vielmehr gewinnt gerade im 18. Jahrhundert die italienische Oper eine das gesamte Musikwesen dominierende Stellung.

Diesmal geht die Bewegung weder von Rom, noch von Florenz oder Venedig, sondern von Neapel, wo Alessandro Scarlatti eine Schule gegründet hatte, deren Jünger, ähnlich wie im 15. and 16. Jahrhundert die Niederländer, bald in allen Hauptstädten Europas zu den höchsten musikalischen Ehrenstellen gelangten. Scarlatti, in der römischen Schule des Carissimi gebildet, leistete gleich Bedeutendes im kirchlichen wie im dramatischen Stil, endlich auch im Kammerstil, einer durch Carissimi vervollkommnten Kunstgattung, welche, frei vom Zwang sowohl des kirchlichen Ritus als der theatralischen Szenerie, der Tonkunst als solcher zu weit reicherer Entfaltung Gelegenheit gab, als es in den übrigen Stilen möglich war. Überdies war er ein trefflicher Dirigent, Sänger und selbst Klavierspieler, wenn auch in letzterer Eigenschaft von seinem Sohn Domenico Scarlatti übertroffen.

Dieser Vielseitigkeit des Meisters entsprechend, hat auch die durch seine Schüler Francesco Durante und Leonardo Leo völlig ausgebildete neapolitanische Schule die Musik auf allen ihren Gebieten gefördert; hauptsächlich freilich auf dem der Oper, welche schon A. Scarlatti durch geschickte Darstellung des Komischen und Charakteristischen mit rein musikalischen Mitteln wesentlich bereichert hatte. Weiter führte die Richtung der Neapolitaner - deren Stil man den "schönen" nannte, im Gegensatz zu dem "erhabenen" der römischen Schule (im Stil Giovanni Pierluigi da Palestrinas) - zu jener hohen Blüte des Kunstgesanges und des Instrumentalvirtuosentums, welche für die Musik des 18. Jahrhunderts charakteristisch wurde.

Aus der zu Bologna von Francesco Antonio Pistocchi 1700 gegründeten Gesangschule gingen ein Senesino (Francesco Bernardo), eine Cuzzoni und Faustina Hasse-Bordoni hervor, deren Leistungen das Publikum in so hohem Grad fesselten, dass die der Komponisten, selbst der besten, daneben verhältnismäßig unbeachtet blieben. Wenn unter solchen Umständen die Opera seria mehr und mehr im Formenwesen erstarrte, die Kirchenmusik aber ungeachtet der Bemühungen einzelner Neapolitaner, wie Giovanni Battista Pergolesi, Niccolò Jommelli und die in der ersten Hälfte des Jahrhunderts wirkenden Venezianer Antonio Lotti, Antonio Caldara und Benedetto Marcello in der Berührung mit der Oper zusehends verflachte, so erschloss sich den ernster strebenden Musikern ein neues Feld ihrer Tätigkeit in der Instrumentalmusik.

Das Orgelspiel, schon seiner Beziehungen zur Kirche wegen weit früher als die übrigen Instrumente zu höhern Kunstzwecken verwendet und bereits Anfang des 17. Jahrhunderts durch den römischen Organisten Girolamo Frescobaldi in umfassender Weise vervollkommnt, erreicht den Höhepunkt seiner Ausbildung in Deutschland, wo in Halle der Organist Samuel Scheidt die Reihe berühmter Organisten eröffnet, in welcher Namen wie Johann Jakob Froberger, Johann Pachelbel, Dietrich Buxtehude, endlich Johann Sebastian Bach als Glanzpunkte erscheinen.

Nicht minder eifrig wird das Klavierspiel gepflegt, wenn auch anfänglich mehr zum Unterricht als zum Zweck der Virtuosität. Zwar diente das Klavier schon im 17. Jahrhundert den englischen Organisten der Königin Elisabeth, William Byrd, Thomas Morley u. a., unter dem Namen Virginal sowie den französischen Organisten Louis Marchand und Louis Couperin unter dem Namen Clavecin als Soloinstrument; seine eigentliche Bedeutung als solches aber dankt es der um 1710 gemachten Erfindung des Florentiners Bartolomeo di Francesco Cristofori, die Tasten am obern Ende mit Hämmern zu versehen, welche, verbunden mit einem Dämpfungsmechanismus, dem Spieler gestatteten, leise und stark (piano und forte) zu spielen. Das so konstruierte Instrument, Pianoforte genannt, verdrängte bald die ältern Arten des Klaviers, deren Saiten, durch Metallstifte angeschlagen oder durch Rabenfederkiele gerissen, nur in einerlei Stärke erklingen konnten, und wurde, nachdem bald darauf durch Domenico Scarlatti und Carl Philipp Emanuel Bach der Übergang zur Technik des modernen Klavierspiels vermittelt war, unter den Händen eines Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven zum geeigneten Ausdrucksorgan der tondichterischen Phantasie, bereit, dem Flug derselben überallhin zu folgen.

Von den übrigen Instrumenten machten namentlich die Streichinstrumente während des 17. und 18. Jahrhunderts überraschende Fortschritte. Von den zwei Hauptgattungen der Viola da braccio (Armgege) und Viola da gamba (Kniegeige) mit ihren zahlreichen Unterarten, sonderten sich vier aus, die noch heute gebräuchlichen: Violine, Bratsche, Violoncello und Kontrabass, und von diesen fand wiederum die erstere eine so liebevolle Pflege, dass sie bald zur Königin der Orchesterinstrumente wurde.

In den italienischen Violinschulen des Arcangelo Corelli (Rom) und Antonio Vivaldi (Venedig) erreichte während der ersten Hälfte des Jahrhunderts nicht nur die Technik des Violinspiels eine außerordentliche Höhe, sondern es dankt ihnen auch die Tonkunst eine wichtige Bereicherung durch neue Formen, wie z.B. in dem durch Vivaldi ausgebildeten dreisätzigen Konzert die für die zyklischen Werke der modernen Instrumentalmusik maßgebende Sonatenform bereits festgestellt ist.

Und hier darf nicht unerwähnt bleiben, dass die Kunst des Geigenbaues ebenfalls in Italien, besonders in Cremona, durch geniale Meister der Familien Amati, der Guarneri und der Stradivari zur höchsten Blüte gelangt war, derart, dass ihre Erzeugnisse noch heute als unübertrefflich anerkannt sind.

Wie im 17. Jahrhundert, so übten auch jetzt die musikalischen Errungenschaften Italiens einen unmittelbaren Einfluss auf das Musikleben ganz Europas. Keine derselben aber wirkte in gleichem Maß anregend wie die von den Neapolitanern ausgebildete Opera buffa, und namentlich war es Frankreich, welches dieselbe mit Freude und Begeisterung aufnahm, da hier die während der ersten Hälfte des Jahrhunderts zur Herrschaft gelangte so genannte Aufklärung sphilosophie der für die Formen des Lebens wie der Kunst eingetretenen Erstarrung den Krieg erklärt und die Rückkehr zum Natürlichen als einzig wünschenswert bezeichnet hatte.

Allerdings fand die erste in Paris gastierende Opera buffa (1752) neben dem enthusiastischen Beifall der Fortschrittspartei einen nicht minder energischen Widerstand auf Seiten der Konservativen und musste sogar vor den Kabalen der letztern schon nach zwei Jahren das Feld räumen; jedoch sollte das von den Italienern gegebene Beispiel unmittelbar die reichsten Früchte tragen, indem es die Tätigkeit der französischen Dichter und Musiker zu demjenigen Gebiet der dramatischen Kunst hinleitete, auf welchem Frankreich zu herrschen berufen war und in der Tat nach kurzem die erste Stellung errang: die komische Oper.

Nachdem man durch Übersetzung der von den Buffonisten hinterlassenen Texte, vor allen der "Serva padrona" (Musik von Pergolesi), den ersten Schritt zur nationalen Umbildung dieser Kunstgattung getan, traten die angesehen Dichter Frankreichs, Michel Jean Sedaine, Jean François Marmontel, Charles Simon Favart u.a., mit Originaldichtungen hervor und fanden sofort ebenbürtige musikalische Mitarbeiter in André Danican Philidor, Pierre Alexandre Monsigny und André-Ernest-Modeste Grétry, welch letzterer 1768 mit Marmontels "Huron" in Paris debütierte und seitdem mit Recht der Liebling des französischen Publikums war; denn er gab der komischen Oper diejenige Vollendung, durch welche sie, wie Otto Jahn bemerkt, noch heute die echte Repräsentantin des nationalen Charakters der Franzosen auf dem Gebiet der dramatischen Musik ist.

Einen ähnlichen Umschwung bewirkte die Opera buffa in Deutschland, wenn auch hier die Bedingungen zur Ausbildung einer nationalen Oper weit weniger günstig waren als in Frankreich. Inmitten des Elends, welches der Dreißigjährige Krieg im Gefolge gehabt, war das deutsche Nationalbewusstsein so tief gesunken, dass man sich der geistigen Fremdherrschaft willig unterworfen hatte, und namentlich war die Opernbühne ausschließlich in den Händen der Italiener oder doch solcher Deutschen, die, wie Johann Joseph Fux in Wien, Carl Heinrich Graun in Berlin und Johann Adolph Hasse in Dresden sich künstlerisch ganz und gar italienisiert hatten. Von den deutschen Fürsten war eine Änderung dieser Zustände vorläufig nicht zu erwarten; selbst der patriotische unter ihnen, Friedrich der Große, wollte bekanntlich von einer vaterländischen Kunst nichts wissen, und seine Äußerung, "er wolle lieber von einem Pferd sich eine Arie vorwiehern lassen als an seiner Oper eine deutsche Sängerin anstellen", beweist, dass er für die Musik keine Ausnahme machte.

Die einzige Stadt Deutschlands, welche sich bald nach dem Dreißigjährigen Krieg dem Einfluss des Auslandes mit Erfolg zu entziehen suchte, war Hamburg, wo nicht nur die deutsche Kirchen- und Kammermusik während des 17. Jahrhunderts eine besonders bereitwillige Pflege gefunden hatte, sondern auch 1678 eine nationale Opernbühne ins Leben gerufen war. Da es derselben jedoch an Dichtern fehlte, welche fähig gewesen wären, dem Geschmack der Gebildeten und dem des Volkes gleichzeitig Genüge zu leisten, und der letztere aus materiellen Gründen mehr und mehr die Oberhand gewann, so sank die Hamburger Oper nach kurzer Blüte wieder herab und artete schließlich zur gemeinen Posse aus. Im Jahr 1738, nachdem die angesehensten Musiker Deutschlands, Reinhard Keiser, Johann Mattheson, zeitweilig auch Georg Friedrich Händel, sich vergebens bemüht hatten, ihr das Leben zu fristen, musste sie geschlossen werden, und die Italiener konnten nun auch in Hamburg ihren siegreichen Einzug halten.

Auch der Aufschwung, den die deutsche Dichtung um diese Zeit mit Johann Christoph Gottsched nahm, vermochte zur Hebung der deutschen Oper nicht beizutragen, vielmehr geriet sie noch weiter in Misskredit, nachdem der genannte Professor in seiner "Kritischen Dichtkunst" (1729) die Oper als "das ungereimteste Werk" bezeichnet hatte, "das der menschliche Geist jemals erfunden habe", und selbst Männer wie Johann Wilhelm Ludwig Gleim und Gotthold Ephraim Lessing das deutsche Singspiel (Operette) als kulturfeindlich bekämpft hatten.

Es bedurfte des in Frankreich gegebenen Beispiels, um die Aufmerksamkeit der künstlerischen Kreise Deutschlands aufs neue dieser Kunstgattung zuzuwenden, sowie des Talents des Dichters Christian Felix Weiße und des Komponisten Johann Adam Hiller (beide in Leipzig), um die Abneigung der Gebildeten gegen das deutsche Singspiel zu überwinden. Das von den letztgenannten verfasste Singspiel "Der Teufel ist los, oder: die verwandelten Weiber" fand bei seinem ersten Erscheinen (1765) ungeteilten Beifall, und die weitern Opern Hillers, namentlich "Der Dorfbarbier" und "Die Jagd", wurden schnell in ganz Deutschland beliebt, obwohl man sich allerorten für ihre Darstellung mit untergeordneten, von der italienischen Oper verschmähten Gesangskräften begnügen musste.

Einen noch günstigern Boden für ihre Entwickelung fand die deutsche Oper in Wien, nachdem in demselben Jahr Joseph II den Thron bestiegen und der nationalen Kunst seine Teilnahme zugewendet hatte. Unter seiner persönlichen Fürsorge gewann die Operette bald ein solches Ansehen, dass selbst Johann Wolfgang von Goethe ihr seine Tätigkeit widmete, und als endlich Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), der bis dahin ausschließlich für die italienische Oper tätig gewesen war, unter dem Schutz des Kaisers seinen Lieblingswunsch, eine deutsche Oper zu komponieren, verwirklichen konnte (die 1782 zum erstenmal aufgeführte "Entführung aus dem Serail"), trat auch in Deutschland die nationale Oper ins Leben.

Noch weit wichtigere Dienste aber leistete Deutschland während des 18. Jahrhunderts der Tonkunst auf dem Felde der Instrumentalmusik, welche im Verlauf desselben durch Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven derart vervollkommt war, dass sie nunmehr der Vokalmusik ebenbürtig zur Seite stehen konnte. Wie Bedeutendes auch diese Meister in allen Gattungen der Komposition geschaffen haben, so liegt doch der Schwerpunkt ihrer Leistungen in der Ausbildung der zyklischen Instrumentalformen: der Sonate, des Streichquartetts, der Orchestersymphonie.

In diesen Gattungen, welchen allen die Form der modernen Sonate zu Grunde liegt, konnte die Kunst des Tondichters sich um so reicher entfalten, als hier die einzelnen Sätze untereinander organisch verbunden sind, im Gegensatz zu den altern Instrumentalformen, der Partita und der Suite, in welchen eine Anzahl von Tonstücken, vorwiegend Tänze, zwar zyklisch aneinander gereiht, doch ohne innere organische Beziehung zu einander erscheinen. Was den Ursprung der erstern, künstlerisch ungleich höher stehenden zyklischen Form betrifft, so ist derselbe auf die dreiteilige Opernouvertüre zurückzuführen, in der Gestalt, welche sie in Italien durch A. Scarlatti erhalten hatte, nämlich mit einem Anfang und Schlusssatz in lebhafter, und einem Mittelsatz in langsamer Bewegung.

Bei immer zunehmender Ausdrucksfähigkeit der Instrumente hatte man begonnen, diese Ouvertüre auch außerhalb des Theaters, zu Konzertzwecken, zu benutzen, was in der Folge zu einer Trennung und innern Durchbildung der drei Sätze führte, wobei jedoch die Einheit des Ganzen nicht aus dem Auge gelassen wurde. Als das Ergebnis dieses Prozesses entstand das schon erwähnte italienische Violinkonzert des Vivaldi und die Klaviersonate des Carl Philipp Emanuel Bach, beide Muster der Sonatenform, welche von Haydn und Mozart zwar mit neuem, reichem Geist erfüllt, im wesentlichen jedoch (abgesehen von der Hinzunahme eines vierten Satzes, des der Suite entlehnten Menuetts) unverändert gelassen wurde.

Beethoven endlich war es vorbehalten, diese Form bis zur äußersten Grenze ihrer Erweiterungsfähigkeit zu führen und sie, wie Richard Wagner in seiner Schrift "Zukunftsmusik" sagt,

"mit einem so unerhört mannigfaltigen und hinreißenden melodischen Inhalt zu erfüllen, dass wir heute vor der Beethovenschen Symphonie wie vor dem Markstein einer ganz neuen Periode der Kunstgeschichte überhaupt stehen; denn durch sie ist eine Erscheinung in die Welt getreten, von welcher die Kunst keiner Zeit und keines etwas auch nur annähernd Ähnliches aufzuweisen hat. Indem hier die Musik eine Sprache redet, die mit ihrer freien und kühnen Gesetzmäßigkeit uns mächtiger als alle Logik dünken muss, während doch das vernunftgemäße, um Leitfaden von Grund und Folge sich bewegende Denken hier gar keinen Anhalt findet, muss uns Beethovens Symphonie geradeswegs als eine Offenbarung aus einer anderen Welt erscheinen."

Wie nach jeder schöpferisch reichen Kunstepoche sich das Bestreben zeigt, das in der Praxis Errungene auch theoretisch zu rechtfertigen und zu befestigen, so folgte auch dem Aufschwung der dramatischen und der Instrumentalmusik eine rege Tätigkeil seitens der Theoretiker. Während die großen Tonlehrer der frühern Epoche, der schon genannte Venezianer Gioseffe Zarlino und der als Kapellmeister in Bologna 1678 gestorbene Giovanni Battsta Bononcini, die polyphone Gesangsmusik zur Grundlage des Kompositionsstudiums gemacht hatten, nehmen die Methoden Jean-Philippe Rameaus und J. S. Bachs ihren Ausgangspunkt von den Klaviaturinstrumenten.

Die Harmonie, der Akkord, ist nach ihrer Auffassung nicht mehr das zufällige Ergebnis des Zusammenerklingens zweier oder mehrerer Melodien, sondern die notwendige, durch die Natur gegebene Ergänzung jeder einzelnen Tonreihe, wie dies Rameau an den zu jedem Ton miterklingenden Obertönen (am deutlichsten die Oktave, Quinte und Terz), der Violinist Tartini in seinem 1754 erschienenen "Trattato di musica" an dem so genannten Kombinationston, d. h. einem zu zwei höhern Tönen mitklingenden tiefern Ton, nachzuweisen suchten.

Die so begründete harmonische Vervollständigung der Melodie darzustellen, war die Aufgabe des Generalbasses, und da der ihn ausführende Künstler sich keineswegs darauf beschränkte, die bloßen durch die Ziffern angezeigten Akkorde hören zu lassen, sondern die melodischen Motive auch in der Begleitung kunstgemäss zu verwerten hatte, so wurde die Kunst des Generalbassspielens nach und nach zum Inbegriff alles dessen, was zur Technik der Tonsetzkunst gehörte.

In dieser Bedeutung erscheint sie in dem 1711 veröffentlichten Werk des Dresdener Kapellmeisters J. D. Heinichen: "Der Generalbaß in der Komposition", wie auch in den von J. S. Bach hinterlassenen "Vorschriften und Grundsätze zum vierstimmigen Spielen des Generalbaß oder Akkompagnement"; und wenn auch Fux in seinem "Gradus ad Parnassum" (1725) und später der Bologneser Giovanni Battista Martini in seinem "Saggio di contrappunto" (1774) auf die ältere Methode zurückgingen, so behauptete sich doch die auf den Generalbass gegründete Lehre, namentlich seitdem sie durch die Berliner Theoretiker Kirnberger ("Kunst des reinen Satzes", 1774) und Marpurg ("Abhandlung von der Fuge", 1753) vervollständigt war, für die Folgezeit als die herrschende. Zur Verdrängung der ältern Lehre wirkte noch der Umstand mit, dass die durch Ausbildung des Einzelgesanges und dessen Begleitung veränderte Stellung und wesentliche Bereicherung der Harmonie eine Vereinfachung des Tonsystems zur notwendigen Folge gehabt hatte.

Um das aus harmonischem Gebiet Errungene, um die besonders nach Einführung der gleichschwebenden Temperatur gewonnene unbeschränkte Freiheit im Modulieren völlig zu genießen, verzichtete man auf die melodische Mannigfaltigkeit der Kirchentonarten und begnügte sich von nun an mit zwei Tonarten: die Oktavengattungen mit großer Terz wurden aus die ionische, die mit kleiner Terz auf die äolische Zurückgeführt, und damit war das bis zur Gegenwart herrschend gebliebene Dur- und Mollsystem endgültig angenommen.

Zu diesen Fortschritten kommt noch der für die Musik des 18. Jahrhunderts charakteristische Ausschwung der Musikwissenschaft. Die Geschichte der Musik, von früheren Schriftstellern wie dem Jesuiten Athanasius Kircher nur gelegentlich berührt und meist in phantastischer Weise behandelt. Musik wurde ein Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen und systematischer Studien. Als einer der ersten Musikhistoriker ist in Deutschland der Sorauer Kantor Wolfgang Caspar Printz zu nennen. Auf ihn bauten u.a. Friedrich Marpurg und Johann Nikolaus Forkel auf.

In Italien forschten Giovanni Battista Martini und Esteban de Arteaga und in Frankreich arbeiteten auf diesem Gebiet Pierre Burette, der erste glückliche Entzifferer von Fragmenten altgriechischer Musik und Jean Benjamin de la Borde. Aus Großbritannien sind hier Charles Burney und John Hawkins zu nennen.

Als zuverlässige Hilfsmittel bieten sich den Historikern dieser Zeit die mit Gründlichkeit und Sachkenntnis redigierten Sammelwerke von Markus Meibom und Fürstabt Martin Gerbert; erstere die wichtigsten Musikschriftsteller des Altertums, letztere die des Mittelalters reproduzierend. Die Arbeiten der Lexikographen, u.a. Sébastien de Brossard und Jean Jacques Rousseau in Frankreich und Johann Gottfried Walther und Ernst Ludwig Gerber in Deutschland sollen nicht unerwähnt bleiben.

Ferner ist noch der Akustik zu gedenken, welche im Lauf des 18. Jahrhunderts durch den Franzosen Joseph Sauveur, welcher die Bezeichnung "Akustik" für die Lehre vom Schall einführte. In Deutschland befaßten damit, neben anderen, Leonhard Euler und Ernst Chladni doch erfolgreich.

Die Anwendung der 1750 von Alexander Gottlieb Baumgarten unter dem Namen Ästhetik ausgebildeten Wissenschaft vom Sinnlich-Schönen auf das musikalische Kunstwerk endlich versuchte zum erstenmal der Dichter-Komponist Christian Friedrich Daniel Schubart in seinen nach seinem Tod veröffentlichen "Ideen zur Ästhetik der Tonkunst" (1806).

Literatur

  • Johann D. Heinichen: Der Generalbaß in der Komposition, 1711
  • Johann S. Bach: Vorschrisften und Grundsätze zum vierstimmingen Spielen des Generalbasses oder Accompagnement
  • Johann Joseph Fux: Gradus ad Parnassum, 1725
  • Giovanni B. Martini: Saggio di contrapunto, 1774
  • Johann P. Kirnberger: Kunst des reinen Satzes, 1774
  • Friedrich W. Marpurg: Abhandlung von der Fuge, 1753
  • Athanasius Kircher: Musurgia universalis, 1650
  • Wolfgang C. Printz: Historische Beschreibung der edeln Sing- und Klngkunst, 1690
  • Johann N. Forkel: Geschichte der Musik, 1788 ff.
  • Giovanni B. Martini: Storia della musica, 1775 ff
  • Esteban de Arteaga: Le revoluzioni del teatro musicale Italiano, 1785
  • Pierre J. Burette: Musique grecque
  • Jean Benjamin de la Borde: Essai sur la musique ancienne et moderne, 1780
  • Charles Burney: A general history of music, 1776
  • John Hawkins: A general history of the science and practise of music, 1776
  • Markus Meibohm: Antiquae musicae auctores septem, 1652
  • Martin Gerbert: Scriptores ecclesiastici, 1784
  • Sébastien de Brossard: Dictionnaire de musique, 1703
  • Ernst L. Gerber: Historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler, 192
  • Joseph Sauveur: Sytème général de tons, 1701
  • Leonhard Euler: De sono, 1727
  • Ernst F. Chladni: Entdeckungen über die Theorie des Klanges, 1787
  • Christian F. Schubart: Ideen zur Ästhetik der Tonkunst, 1806

Siehe auch: Portal:Musik, Geschichte der Musik, Musik des 17. Jahrhunderts, Klassische Musik, Musik des 19. Jahrhunderts

Quelle

Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text („public domain“) aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890. Der Wissensstand von damals kann inzwischen überholt sein. Wenn du sicher bist, dass der Text den aktuellen Wissensstand zu diesem Thema widerspiegelt, und dies mit Quellen belegt ist, dann kann dieser Hinweis aus dem Artikel entfernt werden.

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Diskussion der Autoren über den Artikel: Musik des 18. Jahrhunderts


Ich setze über einige Musikgeschichtsartikel eine "Meyers-Konversationslexikon"-Warnung. Das Nachschlagewerk von 1888 hat gerade in Sachen Alter Musik dann doch sehr an Autorität eingebüßt: Es "tümelt" an allen Enden und hat diese unerträglich wertende Attitüde, dass die Musik sich über die Jahrhunderte "verbessert" habe. --Qpaly 13:03, 21. Jan 2004 (CET)

Diese Definition bzw. Erklärung des Begriff Musik des 18. Jahrhunderts und dessen Bedeutung wurde zuletzt am 8.2.2006 aktualisiert (Glossar Lexikon Enzyklopädie).


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