Neugriechen

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Der Artikel Neugriechen gehört zur Kategorie: Griechische Geschichte, Grieche, Europäische Ethnie
Das wissenschaftlich als Neugriechen bezeichnete Staatsvolk des heutigen Griechenland sieht sich als Nachkommen der Hellenen des antiken Griechenland.

Zu ihnen zählen die Bewohner des heutigen Griechenlands (rund 10 Millionen) ebenso wie der Hauptteil der Bevölkerung Zyperns (650.000) und über 3 Millionen Auslandsgriechen. Neben sprachlichen Unterschieden (zwischen Neugriechisch und Altgriechisch) werden allerdings auch ethnische Abweichungen diskutiert.

Im Laufe der Jahrhunderte haben sich die durch Völkerwanderung, Pest, Kreuzzüge und Türkenkriege dezimierten Griechen mit Slawen, Albanern, Türken und Lateinern vermischt. Die venezianischen Vorfahren des Grafen Ioannis Kapodistrias, erster Regent des neuen Griechenlands (1830), kamen beispielsweise aus Istrien (Capo d´Istria).

Fallmerayer-These

Der Deutsche Jakob Philipp Fallmerayer hatte 1830 ein Werk über die Geschichte der Peloponnes geschrieben und darin kritische Thesen aufgestellt. Er behauptete, daß die antiken Griechen im Mittelalter völlig ausgerottet worden seien, wörtlich schrieb er:

"Das Geschlecht der Hellenen ist in Europa ausgerottet ... Denn auch nicht ein Tropfen edlen und ungemischten Hellenenblutes fließt in den Adern der christlichen Bevölkerung des heutigen Griechenlands."

Gegen diese These protestieren griechische Patrioten und Gelehrte bis heute und betonen daraufhin die Kontinuität um so mehr, besonders Konstantin Paparrigopoulos, ein wichtiger nationaler Geschichtsschreiber. Dabei spielt auch die Volkskunde eine sehr große Rolle.

Mit der Feststellung, die Neugriechen seien lediglich hellenisierte Slawen und Albaner, verärgerte der liberale deutsche Historiker Jakob Philipp Fallmerayer also die meisten "Philhellenen" in Westeuropa und griechische Patrioten gleichermaßen. Die griechischen Aufständischen setzten 1822 darauf, daß Westeuropa den Nachkommen Homers, Aristoteles´ und des großen Alexander gegen die Türken helfen würde, nicht aber orthodoxen Byzantinern oder von Westeuropa als "halbwild" verachteten Slawen unter einem undemokratischen Zaren.

Da der als Panslawist verschriene Fallmerayer andererseits auch von den Nazis gelobt worden war, hatte seine als „slawische Überfremdung“ mißinterpretierte These nach dem Zweiten Weltkrieg als eindeutig widerlegt zu gelten. Fallmerayers These hatte den Nazis geholfen, den Widerspruch zwischen ihrer Bewunderung des Altgriechischen und der tatsächlichen Okkupationspolitik gegenüber den Neugriechen zu begründen.

Die innige Beziehung vieler Deutscher zur altgriechischen Kultur illustriert die überschwängliche Bemerkung des deutschen Philhellenen Carl Icken: "Waren nicht ihre (der Neugriechen) Urahnen auch unsere Väter in Gesinnung und in Ausübung der Tugend, in Worten und Werken, nicht auch unsere Ahnen in der Wissenschaft, nicht unsere Muster in der Poesie, unsere Lehrmeister in der Kunst; sind sie nicht noch jeden Augenblick Erzieher unserer Jugend, Bildner unseres Zartgefühls, Richtschnur für den Denker, Führer und Geleit dem Schriftsteller und dem Volkslehrer, Richtscheit für den Geschmack, Kompaß und Leisten im Gebiet der Wahrheit, des Wissens und Empfindens?"

Auch während des Kalten Krieges gab es sowohl von griechischer als auch von westlicher Seite ideologische Gründe einer Leugnung der historischen Vermischung und Ansippung. Bis in die 1980er gab es keine Übersetzung ins Griechische, seine Werke standen in Griechenland auf dem Index. Dennoch sprechen einige wesentliche Punkte für seine revolutionäre Umwälzung der traditionellen Lehrmeinung.

Chronik von Monemvasia

Der Bischof Willibald von Eichstätt berichtete von einer Reise im Jahre 723, das Umland von Monemvasia auf dem südlichen Peleponnes sei fest in der Hand slawischer Neusiedler, die seit dem 6. Jahrhundert die Griechen nicht nur aus Mazedonien, sondern auch als Alt-Griechenland verdrängt hatten, selbst Athen galt als verlassen und war von Albanern verwüstet worden. Kreuzritterberichte bestätigen trotz massiver Umsiedlungen der aufständischen Peleponnes-Slawen nach Kleinasien Bevölkerungsreste bis ins 13./14. Jahrhundert, noch bevor Serben und Bulgaren erneut zur Eroberung ansetzten.

Ortsnamenthese

Fallmerayer bereiste nun selbst mehrmals Griechenland und Kleinasien und stellte fest, daß die Mehrzahl der Ortsnamen auf der Morea slawischen und albanischen Ursprungs waren und aus dem 9. Jahrhundert stammten. Byzantinische Quellen berichten von konvertierten Slawen, die rekrutiert wurden. In den ersten 100 Jahren nach der griechischen Unabhängigkeit hat es deshalb aus rein ideologischen Gründen massive Um- und Rückbenennungen der Orte gegeben, aus Morea wurde z.B. wieder Peleponnes.

Bevölkerungstausch

Der Geograph und Historiker Ewald Banse sah die Entstehung der heutigen Titularnation Griechenlands sogar erst nach dem Bevölkerungsaustausch mit der Türkei von 1923. Die türkisierten, nur ihre Religion bewahrenden Neusiedler aus Kleinasien vermischten sich mit den hellenisierten Slawen Griechenlands zum Volk der Neugriechen. Dabei waren zuvor, auch entsprechend griechischer Gegenargumente, die konvertierten Peleponnes-Slawen nach Kleinasien umgesiedelt worden.

Gescheiterter Gegenbeweis

Um den slawischen Einfluß zu widerlegen, führten italienische Wissenschaftler (Semino) umfangreiche Gentests in Griechenland durch. Überprüft wurde das als vermeintlich slawentypisch geltende Y-Chromosom R1A, das allerdings auch bei urslawischen Polen nur zu 50 Prozent vorkommt. Das Ergebnis bei den Griechen war mit nur 12 Prozent scheinbar eindeutig nichtslawisch. Aber auch bei nichtslawischen Ungarn wurden 60 Prozent, bei Albanern 10 Prozent und bei Türken noch 7 Prozent nachgewiesen.

In Nordgriechenland allerdings, wo sich 1923 die meisten Neusiedler niedergelassen hatten und mit Thessaloniki die zweitgrößte Stadt Griechenlands befindet, wurden 35 Prozent gemessen. Die einst dort ansässige Minderheit slawischer Mazedonier war jedoch schon vorher, nach dem Griechischen Bürgerkrieg, nach Jugoslawien vertrieben bzw. nach Südgriechenland zwangsumgesiedelt worden.

Literatur

  • J.P. Fallmerayer: Das albanische Element in Griechenland
  • J.P. Fallmerayer: Die Geschichte der Halbinsel Morea
  • Ewald Banse: Die Türkei. Braunschweig 1919
  • Ernst Feigl: Die Kurden. München 1995
  • Gustav Auernheimer: Fallmerayer, Huntington und die Diskussion um die neugriechische Identität. Offenburg
  • Nikolas Wenturis: Kritische Bemerkungen zu der Diskussion um die neugriechische Identität am Beispiel Fallmerayer, Huntington und Auernheimer (Publikation der Griechischen Botschaft in Deutschland)
  • Franz Georg Maier (Hrsg.): Weltbild Weltgeschichte, Bd. 13, Byzanz. Augsburg 1998
  • S.D. Skaskin: Chrestomathie zur Geschichte des Mittelalters, Band 1. Moskau 1961

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Diskussion der Autoren über den Artikel: Neugriechen


Ich wandaliere nicht sonden Du schreibst komisches.

Du zerstörst weniger den Inhalt, vor allem aber die Struktur des Neugriechen-Artikels. Am Anfang sollte das Schlagwort stehen, danach sollten vollständige Sätze folgen, die Links bei ihrer ersten Nennung usw. Deine inhaltlichen Änderungswünsche sind willkommen, sofern sie nicht reine Propaganda oder verletzter Nationalstolz sind. Wenn etwas komisch ist, werde ich auf Deinen Hinweis gern ändern. Du kannst es auch gern selbst tun, wenn Du Form und Neutralität beachtest. In Ordnung? Bar Nerb 00:24, 29. Nov 2005 (CET)

In Ortung!
Dann notiere bitte nicht Homers Alt. Gr. denn nicht nur Homers sprach es. (Komisch) Notiere auch das die Fall.These eine "These" ist und keine Wissenschaftliches Faktum. Irreführungen der Leser sollten weitergehend ausbleiben. Als ich das erste mal diesen Artikel gelesen habe habe ich diesen Prompt geglaubt bis ich selber recherchiert habe.
Gut, ich ändere das! Bar Nerb 00:34, 29. Nov 2005 (CET)
Bitte ändere auch finale ausdrücke wie "erhebliche" ethnische Abweichungen diskutiert.
Oder sätze wie "und als halbwild verachteten Slawen unter einem Zaren" das ist diskriminierend.
Und beschreibe wie ich es eingetragen habe wann die Slawen Albaner Venezianer und Türken nach Griechenland wanderten. Die Vermischung steht in der Fallmayer These, da solltest Du dich von distanzieren. Es ist kein Faktum worauf du dich beziehst
ja, ist in Ordnung. Das halbwild war aber als Überspitzung gedacht, nicht als Diskriminierung. Bar Nerb 00:51, 29. Nov 2005 (CET)

OK!

Gern geschehen. Dafür kannst Du sicher perfekt Griechisch, das würde ich auch gern können. Hier helfe ich Dir weiterhin gern, wenn Du noch Anmerkungen oder Änderungsvorschläge hast. Aber jetzt erstmal: Gute Nacht. Bis bald - Bar Nerb 01:07, 29. Nov 2005 (CET)

Alt-Griechisch, aber bestimt nicht perfekt. Philemon Gute Nacht.



Diese Definition bzw. Erklärung des Begriff Neugriechen und dessen Bedeutung wurde zuletzt am 8.2.2006 aktualisiert (Glossar Lexikon Enzyklopädie).


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