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Der Artikel Philipp Erasmus Reich gehört zur Kategorie: Buchhändler, Verleger, Literaturgeschichte, Literatur (18. Jh.), Literatur (Deutsch)
Philipp Erasmus Reich (* 1. Dezember 1717 in Laubach in der Wetterau, †3. Dezember 1787 in Leipzig) war ein deutscher Buchhändler und Verleger.
Er ging in die Lehre bei dem Buchhändler Johann Benjamin Andrae in Frankfurt am Main, machte eine Geschäftsreise nach London und arbeitete in einer Buchhandlung in Stockholm. Nach seiner Rückkehr 1745 übernahm er die Geschäftsführung der Weidmannschen Buchhandlung in Leipzig, die er nach Jahren zurückgehender Geschäfte wieder zur Blüte brachte, indem er die Filialgeschäfte in Warschau und Stockholm auflöste und dem Verlag gewinnträchtige Titel zuführte. Er wurde 1762 Teilhaber der Buchhandlung. Besonders einträglich wurde die von Claude Buffier neu bearbeitete französische Grammatik von Robert Jean DesPepliers (Nouvelle Et Parfaite Grammaire Royale Françoise Et Allemande). Reich erwirkte Privilegien für das Buch und druckte es in vielen Auflagen. 1759 übernahm er für die Weidmannsche Buchhandlung die Rechte an dem Leipziger Meßkatalog. Reich knüpfte Kontakte zu den bedeutenden Schriftstellern und Gelehrten seiner Zeit und versuchte, ihre Werke für seinen Verlag zu gewinnen. So veröffentlichten bei ihm u.a. Christian Fürchtegott Gellert, Johann Kaspar Lavater, Gotthold Ephraim Lessing, Karl Wilhelm Ramler, Johann Georg Sulzer und Christoph Martin Wieland.
Er reformierte den deutschen Buchhandel, indem er gegen Selbstverlag und Raubdruck kämpfte, indem er 1764 als Anführer einer Gruppe deutscher Buchhändler den Besuch der bis dahin 250 Jahre lang in Frankfurt am Main abgehaltenen Buchmesse aufkündigte und eine eigene Buchmesse in Leipzig einrichtete, indem er an Stelle des bis dahin herrschenden Tauschhandels den Barverkehr einführte. Zur Unterstützung seiner Maßnahmen versammelte er 1765 mehr als 50 Firmen in einer "Buchhandelsgesellschaft", die der Vorläufer des 1825 gegründeten Börsenvereins der Deutschen Buchhändler war.
Nachdem Klopstock 1774 in seiner Schrift Die deutsche Gelehrtenrepublik dafür eingetreten war, die Schriftsteller von den Verlegern und Buchhändlern durch Selbstverlag zu emanzipieren, trug Reich in zwei anonym veröffentlichten Schriften seine Ansichten zu diesen Fragen vor: Zufällige Gedanken eines Buchhändlers über Herrn Klopstocks Anzeige einer gelehrten Republik (1773) und Der Bücher-Verlag in allen Absichten genauer bestimmt. An den Verfasser des Bücher-Verlags in Betrachtung der Schriftsteller, der Buchhändler und des Publikums erwogen (1773).
Literatur
- Hazel Rosenstrauch: Buchhandelsmanufaktur und Aufklärung. Die Reformen des Buchhändlers und Verlegers Ph. E. Reich (1717 -1787). Sozialgeschichtliche Studie zur Entwicklung des literarischen Marktes. Zuerst erschienen in Archiv für Geschichte des Buchwesens 26, 1. Halbband (1985), S. 1-129. Auch als Sonderdruck, Frankfurt am Main: Buchhändlervereinigung 1986. ISBN 3-7657-1340-6
- Mark Lehmstedt: Philipp Erasmus Reich (1717 - 1787), Verleger der Aufklärung und Reformer des deutschen Buchhandels. (Ausstellungskatalog, Leipzig 1989
- Mark Lehmstedt: Struktur und Arbeitsweise eines Verlages der deutschen Aufklärung. Die Weidmannsche Buchhandlung in Leipzig unter der Leitung von Philipp Erasmus Reich zwischen 1745 und 1787. (Dissertation Universität Leipzig, 1990)