Piasten

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Der Artikel Piasten gehört zur Kategorie: Piasten, Adelsgeschlecht, Polnische Geschichte
Die Piasten waren eine europäische Dynastie, deren Ursprung im 9. Jahrhundert beim westslawischen Stamm der Polanen lag. Erstes Herrschaftszentrum der Piasten war im 9. Jahrhundert Giecz. Kurz darauf übernahm das nahegelegenen Gnesen diese Funktion. Die Geschichte Polens begann mit der Entwicklung eines ersten Staatsgebildes auf dem Gebiet des heutigen Großpolens (Posen-Gnesen-Kalisch) unter den Piasten. Zeitweilig waren Schlesien, Pommern, Böhmen, Ruthenien, die Slowakei und die beiden Lausitzen Teil des Staates der ersten Piasten, in anderen Zeiten war das junge Polen auf sein Kerngebiet Großpolen (Region um Posen - Gnesen) und Kleinpolen ( Region um Krakau ) reduziert.

Abbildung
Wappentier der Piasten
Bildherkunft

Die Nachbarschaft dieses jungen Staates zum machtvollen Heiligen Römischen Reich bedingte eine teilweise gespannte Koexistenz, in der vereinzelte Piasten (zum Beispiel Mieszko I., Kasimir I. der Erneuerer, Wladyslaw I. Herman) durch Treueide oder Tributpflicht gegenüber den römisch-deutschen Kaisern, Ehen mit Vertretern des deutschen Hochadels (Salier, Ottonen) und andere Verträge ihr Staatswesen vor äußeren Eingriffen schützen wollten. Mit dem Dokument Dagome Iudex im Jahre 991 übergab Mieszko I. das Reich der Polen in die päpstliche Obhut (Peterspfennig). Die Titel der Piasten schwankten, je nach Machtposition, zwischen Herzog und König. Weitere einflussreiche Nachbarn des piastischen Polen waren damals das Kgr. Böhmen, das Kgr. Ungarn, das Reich der Kiewer Rus, sowie ab späten 13. Jahrhundert der Deutscher Orden und das Großfürstentum Litauen.

Mit dem Tod von Boleslaw III. Schiefmund 1138, brach in Polen der Partikularismus aus, der für fast 150 Jahre die Geschicke Polens bestimmen sollte. Polen zerbrach in eine Unmenge, zeitweilig sich einander bekriegender, piastischer Herzogstümer, wodurch die politische Stellung und Autorität Polens in Europa des 13. Jahrhunderts stark geschwächt wurde. Mit Boleslaws Tod wurde das Senioratsprinzip rechtlich wirksam, und scheiterte schon wenige Jahre nach dem Tod des polnischen Souveräns. Es kam zum Streit zwischen den Söhnen, welche Polen in kleine Herrschaftsbereiche zerfallen ließen. Die jeweiligen Beherrscher Krakaus, der Hauptstadt der Senioratsprovinz Kleinpolen, waren "Seniorherzöge", die ihnen unterstellten Familienmitgleider "Juniorherzöge". Einige dieser Territorialfürsten - besonders Mieszko III., Wladislaus Dünnbein, Leszek der Weiße und die schlesischen Spröße der Dynastie (Schlesische Piasten) bestiegen den Krakauer Thron mehrere Male und wurden auch mehrmals abgesetzt.

Das Goldene Zeitalter der Piasten endete, als 1370 die königliche und gleichzeitig jüngste Linie der Piasten mit König Kasimir III. erlosch. Die masowische Linie aus Warschau (ein Zweig der jüngsten Linie) erlosch 1526, die älteste Linie (Schlesische Piasten) blühte und regierte jedoch weiter. Davon starb der Teschener Zweig im Jahre 1625 aus. Der letzte legitime männliche Nachkomme des Geschlechts, Augustus Graf von Liegnitz, starb 1678, drei Jahre nach seinem Neffen, dem letzten regierenden Herzog von Liegnitz, Brieg und Wohlau Georg Wilhelm I. (geb.1660, Regent 1672-1675, begraben im Piastenmausoleum zu Liegnitz). Dessen Schwester Charlotte starb 1702 als Letzte der 1000-jährigen Ahnenreihe und ruht in Trebnitz bei Breslau zu Füßen des Sarkophags ihrer Ahnin, der Hl.Hedwig von Schlesien. Zählt man die in Oberschlesien vertretene Linie der Freiherren von Hohenstein zu den Piasten, dann war der Urenkel des Teschener Fürsten Adam Wenzel († 1617) Ferdinand II. Freiherr von und zu Hohenstein († 3. April 1706) der letzte Piast. Dies ist jedoch umstritten, da er zum Teil nicht als legitimer Spross der Piasten angesehen wird.

Von 1370 bis 1384 regierte in Polen Ludwig der Große, König von Ungarn aus der Dynastie der Anjou einer Nebenlinie der Kapetinger, Sohn der Elisabeth von Polen, Tochter Wladyslaws des Ellenlangen und leibliche Schwester des Kasimirs III.. Aufgrund der gemeinsamen Bedrohung durch den Ordensstaat verbündete sich Polen mit Litauen. Die jüngere Tochter Ludwigs, Hedwig (polnisch: Jadwiga) wurde zum regierenden polnischen "König" gekrönt. Sie heiratete den Großfürsten Jagiello von Litauen , und beide Reiche wurden ab 1386 in Personalunion durch das Haus der Jagiellonen regiert.

Herrscher aus dem Hause der Piasten

Legendär: Piast, Ziemowit, Leszek, Ziemomysl

Polnische Regenten, mit Amtszeiten:

Mieszko I. Herzog der Polanen, 960-992
Boleslaw I. der Tapfere, 992-1025, ab 1000 König
Mieszko II. Lambert, König 1025-1033, ab 1033-1034 Herzog
Kasimir I. der Erneuerer, 1034-1058
Boleslaw II. der Kühne, 1058-1079, ab 1076 König
Wladyslaw I. Herman, 1079-1102
Boleslaw III. Schiefmund, 1102-1138
Wladyslaw II. der Vertriebene Herzog von Schlesien und Polen (Krakau), 1138-1146 SL
Boleslaw IV der Kraushaarige 1146-1173
Mieszko III. genannt der Alte, 1173-1177 GL
Kasimir II. der Gerechte, 1177-1194 JL
Leszek I. der Weiße, 1202-1227 JL
Mieszko IV. genannt Kreuzbein, 1210-1211 SL
Wladyslaw III. Dünnbein, 1228-1231 GL
Heinrich I. der Bärtige von Breslau 1228/1229-1231-1238 SL (1201-1238)
Heinrich II. der Fromme von Breslau 1238-1241 SL
Konrad I. von Masowien, 1241-1243 JL
Boleslaw V. der Schamhafte 1243-1279 JL
Leszek II. der Schwarze, 1279-1288 JL
Heinrich IV. Probus von Breslau, 1288-1290 SL
Przemysl II., 1290-1296 ab 1295 König von Polen. GL
Wenzel II., 1300-1305 König von Böhmen und Polen (GL)*)
Wenzel III., 1305-1306 König von Böhmen und Polen (GL)*)
Wladyslaw IV. (als König I.) der Ellenlange, 1306-1333 JL
Kasimir III. der Große, 1333-1370 JL

Liste bedeutender schlesischer Herzöge aus dem Hause der Piasten

) Aus der böhmischen Dynastie der Premysliden, mit den Piasten auf der Spindelseite verwandt. Wenzel II. heiratete eine Tochter Königs Przemysl II.
GL-großpolnische Linie (Posen-Kalisch), Nachkommen Mieszko III. des Alten.
JL-jüngste Linie (Masowien-Kujawien), Nachkommen Kasimir II. des Gerechten.
SL-schlesische (älteste) Linie, Nachkommen Wladyslaw II. des Vertriebenen.

Andere oft vorkommende Formen der slawischen Namen der Piastenfürsten in der deutschen Historiographie:

  • Boleslaw - Boleslaus;
  • Leschko - Lech - Leszek;
  • Mieszko - Mecislaus oder Meczislaus;
  • Przemysl(aw) - Primislaus;
  • Wladyslaw - Ladislaus - Vladislaus - Wladislaus


Diskussion der Autoren über den Artikel: Piasten


Man sollte bedenken: Es gab nicht nur Piasten, die ganz Polen (oder große Teile davon) regiert haben, sondern auch lokale Dynastien in diversen Fürstentümern, u.a. in Schlesien. Irgendwie müsste man es ordnen und auseinanderhalten. AN 19:27, 25. Okt 2004 (CEST)

Giecz???

"Erstes Herrschaftszentrum der Piasten war im 9. Jahrhundert Giecz." - Irgendwelche Belege, Quellen dazu? AN 15:39, 14. Dez 2004 (CET)

Hallo AN, in Giecz scheint man, wenn man der englischen Homepage der Stadt glauben darf ([LINK]), bei Ausgrabungen eine Burg gefunden zu haben, von der manche meinen, sie sei die älteste Piastenburg. Es wird wohl nötig sein, sich in neuerer Forschungsliteratur zu informieren, bevor man die Behauptung einfach so übernimmt - womöglich stammt sie ja von einem begeisterten Bürger von Giecz. Gruß --Tilman Berger 16:26, 14. Dez 2004 (CET)

Das mit dem begeisterten Bürger stimmt nicht. ;-) Die Informationen habe ich aus "Christian Lübke: Das östliche Europa", Sommer 2004, also ziemlich aktuell. Meine Darstellung ist etwas verkürzt. Lübke führt es noch weiter aus: In der Mitte des 9. Jahrhunderts, also zur vermuteten Herrschaftszeit der nicht mehr klar nachweisbaren ersten Piasten, hat es in der Region massive Siedlungsverschiebungen gegeben. Auf älteren slawischen Burgen wurden neue Anlagen errichtet. Vermutlich handelt es sich dabei um Eroberungs- oder Landesausbauprozesse der ersten Piasten. Asdrubal 16:43, 14. Dez 2004 (CET)

Ich habe auch etwas ergoogelt: http://www.giecz.obywatel.pl/Giecz/Giecz1.html - keine Zweifel, daß es in der Ortschaft im 10. und 11. Jh. eine Burg gab (im 9. Jh. nur eine Siedlung!: S. die Zitate: "W świetle wyników ostatnich prac wykopaliskowych, przepro­wadzonych przy południowo-wschodnim odcinku umocnień grodziska, gród w Gieczu wzniesiono na miejscu starszej, datowanej na pierwszą połowę IX w., niewielkiej i nieobronnej osady otwartej" und "Najstarszy gród powstał nie wcześniej niż w pierwszej połowie X wieku, czyli w czasie, gdy Piastowie budowali wszystkie najważniejsze grody w centralnej części Wielkopolski" ), doch irgendwie bin ich nicht überzeugt, daß gerade diese Burg das erste Herrschaftszentrum der Piasten sein sollte. Genauso wie jede zweite Kleinstadt in Deutschland einen Dom haben will, möchte wohl jede Kleinstadt in Polen die einstige Hauptstadt der Piasten gewesen sein... ;-) AN 17:26, 14. Dez 2004 (CET)

Ich halte meine Quelle eigentlich für glaubwürdig. Und imho hat Lübke keinen Anlass, irgendeine polnische Stadt ohne Grund mit dieser "Auszeichnung" zu versehen. Asdrubal 00:53, 15. Dez 2004 (CET)

In der Quelle ([LINK]) kann ich überhaupt nichts über die Piasten finden, im von mir ergoogelten Zitat steht, daß die Burg frühestens in der ersten Hälfte des 10. Jh. entstanden ist ("Najstarszy gród powstał nie wcześniej niż w pierwszej połowie X wieku") - Sie geben doch zu, daß eine erst im 10. Jh. entstandene Burg schlecht im 9. Jh. ein Herrschaftszentrum sein konnte? Wenn Sie also keinerlei ernsthafte Beweise vorlegen können, sollte man das Märchen entfernen. AN 07:18, 16. Dez 2004 (CET)

Wie gesagt habe ich die Infos aus einam Sekundärtext und sie natürlich nicht weiter nachrecherchiert. Wäre imho auch zu viel Aufwand, wenn man das bei jedem Faktum machen würde, das man in die Wikipedia aufnimmt. Ich halte Lübke jedenfalls für glaubwürdig und gehe weiterhin davon aus, dass es sich bei den von ihm geschilderten Sachverhalten nicht um "Märchen" handelt, auch wenn er sie nicht haarklein an Quellen belegt. Aber wenn dich die Erwähnung von Giecz dermaßen stört, kannst du das gerne löschen. So wichtig ist der Punkt ja nun auch wieder nicht. Asdrubal 09:22, 16. Dez 2004 (CET)


Diese Definition bzw. Erklärung des Begriff Piasten und dessen Bedeutung wurde zuletzt am 8.2.2006 aktualisiert (Glossar Lexikon Enzyklopädie).


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