SS-Junkerschulen

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SS-Junkerschulen waren 1937 eingeführte Elite-Kaderschmieden, in denen den SS-Offiziersanwärtern militärische und ideologische Grundlagen beigebracht wurden, die sie später bei der Führung von Heinrich Himmlers »SS-Verfügungstruppen«, bei den sogenannten Totenkopf-Einheiten und bei der Waffen-SS benötigten. Nach Vorstellung der Führung der späteren Waffen-SS, aber vor allem für die Soldaten und des Offizierskorps dieser SS-Gliederung, handelte es sich dabei um ein Äquivalent für die Offizierschulen des Heeres; eine Auffassung, die aber heute überwiegend von namhaften Militärhistorikern abgelehnt wird. In etwa 22 Kriegsjunkerlehrgängen absolvierten etwa 15.000 angehende SS-Führer diese Ausbildung.

Geschichte

Die »SS-Führerschulen«, die Vorläufer der späteren Junkerschulen, waren ursprünglich Bestandteil des ehrgeizigen militärischen Elitekonzepts von Reichsführer-SS Heinrich Himmler. Im Herbst 1936 wurde von Adolf Hitler die erste SS-Junkerschule in Bad Tölz eröffnet, deren Kommandant wenig später Felix Steiner wurde und im Sommer 1937 wurde mit der Übernahme des einstigen Herrscherschlosses durch Paul Hausser in Braunschweig eine zweite eingerichtet.

Die zunächst »SS-Führerschulen« genannten Einrichtungen in Tölz und Braunschweig wurden am 8. August 1937 in »SS-Junkerschulen« umbenannt. Die Junkerschulen waren nun den regulären Kriegsschulen des Heeres vergleichbare Ausbildungseinrichtungen für den Führernachwuchs der Waffen-SS. Die militärische Ausbildung erfolgte nun streng nach den Heeresvorschriften.

Ab dem Sommer 1938 bekleidete Hausser zusätzlich die Dienststellung eines »Inspekteurs der Junkerschulen«. Hausser begründete deren Ruf als effiziente Ausbildungsstätten. Während des Krieges kamen weitere Schulen in Klagenfurt (von KZ-Häftlingen erbaut) und Prag hinzu.

Besondere Fähigkeiten der Anwärter - abgesehen von sportlichen - wurden nicht vorausgesetzt: 90% der Teilnehmer hatten immerhin einen Volksschulabschluß. Die ausgebildeten Offiziere der SS-Verfügungstruppen bzw. der Waffen-SS sollten eine vor allem militärische und rassische Elite darstellen. Da für Bereiche innerhalb der Waffen-SS jedoch eine höhere Ausbildung bzw. das Abitur benötigt wurden, begann man ab 1940, bevorzugt Abiturienten der Napola aufzunehmen.

Die Teilnehmer an einer »SS-Führerschule« wurden gemäß der national sozialistischen Ideologie unter »rassischen« Gesichtspunkten ausgewählt. An einer »Führerschule« konnte bis 1937 angenommen werden, wer höchstens 23 Jahre alt, mindestens 1.74 m groß und kein Brillenträger war. Ein sogenannter Ariernachweis bis ins 18. Jahrhundert (kleiner Ariernachweis) sowie ein ärztliches Gesundheitszeugnis mussten vorgelegt werden. Selbstverständlich waren SS-Führerschulen auch ein Ort der politischen Indoktrination. Lehrgangsteilnehmer wurden z.B. auch massiv zu Kirchenaustritten gedrängt, da christliche Religion und Mitgliedschaft in einer ideologisch an Neuheidentum orientierten Gemeinschaft nach Meinung der SS-Führung nicht zusammen passen würden. Bis 1937 hatten rund 90% der Teilnehmer die Kirchen verlassen und waren »gottgläubig« geworden. Dieses hatten sie mit den Angehörigen der SS-Verfügungstruppe gemeinsam, wo Anfang 1938 rund 80% keiner Religionsgemeinschaft angehörten. Aber bis 1943 war das Gros von ihnen den Kirchen wieder beigetreten, was auch Felix Steiner immer wieder gefordert hatte.

Bis 1936 war der Besuch einer Junkerschule kein Wehrdienst, d.h. er wurde weder auf Wehrdienstzeiten angerechnet, noch schützte er vor der Einberufung durch die Wehrmacht. Ab August 1938 besagten die Anweisungen des SS-Führungshauptamtes, dass der SS-Junker zwei Jahre in seiner Einheit gedient haben musste und erst bei einer Beurteilung durch den unmittelbaren Vorgesetzten die Schule besuchen durfte. Ab 1938 galt der Besuch der Junkerschule als Ableistung des Wehrdienstes. (Diese Order wurde dem SS-Freiwilligen im »Merkblatt für den Eintritt als Freiwilliger in die SS-Verfügungstruppe« auch schriftlich mitgeteilt.)

Wegen der in sozialer Hinsicht sehr heterogenen Zusammensetzung der Führeranwärter und deren höchst unterschiedlicher Bildung wie auch militärischer Qualifikation war es die Aufgabe dieser Institution, Einheitlichkeit des Ausbildungsniveaus und Sozialverhaltens erst herzustellen.

Ab Juni 1940 wurden die Junkerschulen den berüchtigtsten Einheiten der SS, den Totenkopfverbänden des SS-Gruppenführers Theodor Eicke, gleichgestellt und mit anderen 176 SS-Dienststellen zur Waffen-SS zusammengefasst.

Die Teilnehmer der Junkerschulen wurden nun alter Heerestraditionen entsprechend als regulärer »Offiziersanwärter« oder auch als »Reserveoffiziersanwärter« (Offiziersanwärter im Beurlaubtenstand) zu den Junkerschulen abkommandiert. Nach beendetem »Führerlehrgang« kehrten alle Teilnehmer als »SS-Standartenjunker« (SS-Scharführer) bzw. als »SS-Standartenoberjunker« (SS-Hauptscharführer) zu ihren Stammeinheiten zurück. Sie trugen während des Lehrganges auf der Junkerschulen weiterhin ihre eigenen und nicht wie die Teilnehmer der »Führerschulen« besondere Uniformen.

Bei ihren Stammeinheiten wurden sie rasch zum SS-Untersturm- bzw. zum SS-Obersturmführer (aktiv) oder zum SS-Untersturm- bzw. zum SS-Obersturmführer (d.Res.) befördert.

Ausbildung

Insofern die SS eine politische Organisation war, war auch die Ausbildung ihrer Führungskader politisch. Nach Vorstellung der Reichsführung-SS sollte die Ausbildung zu gleichen Teilen aus militärischer Ausbildung und »weltanschaulicher Erziehung« bestehen. Mit letzterem war nicht das gleichnamige Lehrfach gemeint (das später in »weltanschaulicher Schulung« umbenannt wurde), sondern ein fachübergreifendes pädagogisches Prinzip. Sämtliche Lehrfächer waren von der nationalsozialistischen Ideologie bestimmt, bis hin zum Sport, der den »Angriffsgeist wecken« und die Lehrgangsteilnehmer zu »einsatzbereiten Kämpfern« erziehen sollte.

Ziel dieses Unterrichts war die Identifikation mit den Grundsätzen der SS-Ideologie, z.B. mit den geopolitischen Herrschaftsansprüchen (»Volk ohne Raum«), mit dem Sozialdarwinismus, der mit dem »Lebenskampf der arischen Herrenrasse« begründet wurde, mit Antikommunismus und Antisemitismus.

Die SS-Junker wurden auf den Eid verpflichtet, dem »Führer« Adolf Hitler bedingungslos bis in den Tod zu folgen. Im Lehrfach »Weltanschauliche Erziehung« wurden »germanische Geschichte«, »arische Rassenkunde« und die Grundzüge der sogenannten »großdeutschen Lebensraum-Philosophie« gelehrt. Nach dem Abschluss der Schule absolvierten die SS-Junker in der Regel noch einen »Zugführerlehrgang« im KZ Dachau.

Der Stundenplan der Junkerschulen sah wie folgt aus: Taktik, Gelände- und Kartenkunde, Gefechtsausbildung und Ausbildung an der eigenen Waffe, Allgemeiner praktischer Truppendienst (Waffentechnik, Schießausbildung, Exerzieren), Weltanschauliche Erziehung, Heerwesen, SS- und Polizeiwesen, Verwaltungswesen, Leibesübungen, Waffenlehre, Pionierlehre, Nachrichtenlehre, Panzerlehre, Kfz-Wesen, Sanitätswesen, Luftwaffenlehre, Arbeitsstunden, Deutschunterricht

Einsatz der Absolventen

Bis Kriegsausbruch wurden Absolventen häufig als Wachmannschaften von Konzentrationslagern eingesetzt. Nach einer Stichprobe im Dezember 1938 verrichteten ein Fünftel aller SS-Junker zunächst in den Konzentrationslagern ihren Dienst.

Siehe auch

Bekannte Absolventen:

Bekannte Dozenten:

Literatur

  • Bernd Wegner: Hitlers Politische Soldaten: Die Waffen-SS 1933-1945, 5.erw.Aufl., Paderborn: Schöningh, 1997, ISBN 3-506-77502-2

Weblinks


Diskussion der Autoren über den Artikel: SS-Junkerschulen


Sport wurde schon immer betrieben. Würdest Du auch behaupten, daß die 445 Athleten der deutschen Mannschaft in Athen ihren Intellekt bzw. ihre Kritikfähigkeit durch den Sport verloren haben? Trifft dieser Satz auch auf die Sportausbildung in der Bundeswehr zu? Das, was Du schreibst, lieber DF, ist vielleicht Deine Meinung, mehr aber auch nicht. Wer seriös sein will, schreibt so einen Unfug nicht. Deshalb nehme ich Dein Werturteil zum Sport in der militärischen Ausbildung der SS-Junker wieder raus. Der Satz sollte auch draußen bleiben. Salomonschatzberg 15:42, 26. Aug 2004 (CEST)

Lies einfach ein seriöses Buch zum Thema, das Sport in seiner Funktion für den NS beschreibt, kannste auch bei Hitler selbst nachlesen. Das eigene Unwissen zum Maßstab zu nehmen und dann den anderen als unserös zu bezeichnen ist schon die x. Frechheit, die du dir mir gegenüber erlaubst. --DF 15:50, 26. Aug 2004 (CEST)

Nenn mir bitte ein seriöses Buch. Am besten mit der offiziellen Erklärung der Ausbilder an diesen Junkerschulen, die nämlich die Lehrpläne aufgestellt haben. Solange bleibt es Deine Meinung und gehört hier nicht rein, da WP Neutralität verlangt. Deine Mutmaßungen müssen zumindest aus diesem Artikel verschwinden. Ich bezweifle nicht, daß der Sport eine sehr wichtige Funktion hatte, es ist jedoch so, daß hier Soldaten ausgebildet wurden und die müssen nun einmal sportlich sein, sonst überleben sie nicht. Des weiteren besagt ein altes Sprichwort, daß in einem gesunden Körper ein gesunder Geist steckt. Damit sind wir wieder bei dem Stichwort Intellekt. Ich würde mir selbst nicht anmaßen, die Sportförderung in der DDR bzw. in der NVA so zu bewerten. Salomonschatzberg 16:10, 26. Aug 2004 (CEST)

NS-Erziehung ist die Umkehrung humanistischer Bildungsideale. Dabei spielt auch Sport eine bedeutende ideologische Funktion jenseits von Fittness. An einer NS-Schulungseinrichtung - und das sind die SS-Junkerschulen ja - wird natürlich NS-konform geschult. Zur Bedeutung des Sportes für die NS-Erziehung kann Du z.B. bei Kurt-Ingo Flessau: Schule der Diktatur. Reinbeck 1984 nachlesen, auch einige andere Punkte im Artikel weisen in diese Richtung. Aus dieser Quelle: "Die Prävalenz des Sportes ist gleichbedeutend mit weitgehendem Verzicht auf Wissensvermittlung, der Sport selbst ein Mittel, dem einzelnen Selbstvertrauen und 'den Glauben an die Unbesiegbarkeit seines eigenen Volkstums' [NS O-Ton] wiederzugeben - ein Glauben auch wider besserer Einsicht." (Flessau S.34) Im Grunde wären auch einige Worte zum Männerbund SS und deren Körperkult sowie eventueller Homoerotik zu verlieren. Aber lassen wir das. --DF 09:05, 27. Aug 2004 (CEST)

Tsss, erst fragen, dann bekommen, dann nicht mehr melden und den Satz stillschweigend löschen. Ich liebe die Fairness und Ehrlichkeit von NS-Apologeten. --DF 08:27, 31. Aug 2004 (CEST)

Deine Beschimpfungen kannst Du Dir sparen. Gehört auch nicht hier rein. Oder habe ich Dich vielleicht schon mal als Reemtsma-Jünger oder Links-Verdreher bezeichnet? Übrigens: Dass Du den Flessau hier zitierst, spricht ganz stark für Deine ideologische Weltanschauung, die Du immer wieder versuchst, in gewissen Artikeln unterzubringen. Der Neutralität wegen solltest Du Dich da etwas zurückhalten. Salomonschatzberg 09:47, 31. Aug 2004 (CEST)

Erklär mal.--DF 11:46, 31. Aug 2004 (CEST)


So, habe die Verlinkung verbessert und Tippfehler rausgenommen. Nun ist der Artikel relativ wertneutral und hoffentlich für jeden Leser akzeptabel.

Umarbeitung

Nachricht von Salomonschatzberg von meiner Diskussion hierher verschoben:

Was hast Du denn aus diesem Artikel gemacht? Du hast mehr als die Hälfte der Detailinfos rausgeschmissen. Was soll das? Bitte baue die alten Infos wieder so ein, daß es ein Text aus einem Guß abgibt. Sonst tue ich es. Übrigens, kennst Du Menschen die in den Junkerschulen waren, und keine Holocaustleugner, Massenmörder und sonstige Terroristen waren? Gruß Salomonschatzberg 08:11, 26. Jun 2005 (CEST)

Der Artikel berücksichtigte nicht die politische Bedeutung der Junkersschulen. Was vielleicht noch fehlt, sind Himmlers mystische Hirngespinnste über seine Zuchtochsen. (Die Unparteilichkeit und Wertneutralität provuziert den Verdacht eines braunen Hintergrundes.)--Ekuah 08:51, 26. Jun 2005 (CEST)

Streichungen:

diese Einschätzung hätte Bedeutung, wenn sie von einer offiziellen Stelle käme, scheint aber die subjektive Sicht eines Einzelnen zu sein (dein Opa?):

Der Bericht eines Tölzer Kommandeurs fasste die wesentlichen Mängel der 1940 zur Führerausbildung Abkommandierten zusammen:

Lücken in der Allgemeinbildung und militärischen Vorbildung fehlende vorausgegangene Unterführerausbildung zu hohes Lebensalter fehlende Absicht, aktiver Führer der Waffen-SS zu werden fehlende infanteristische Grundausbildung charakterliche Nichteignung (Unaufrichtigkeit, Schwerfälligkeit und sog. "Willensschwäche")

die Formulierung "ganz und gar" gehört ins Märchenbuch, der ganze Abschitt ist planke Beschönigung. Soll ich dir mal aufzählen, was für die SS "praktische Frontverwendung" bedeutete?:

Taktik, Geländekunde und die gefechtsmäßige Ausbildung machten allein die Hälfte der Ausbildung aus. Die weltanschauliche Ausbildung trat in den Hintergrund. Die Junker erhielten eine ganz und gar militärische, auf praktische Frontverwendung abgestellte Ausbildung.

Ach was, die unschuldigen Buben haben wohl nur geturnt?:

Der Sport hatte sehr große Bedeutung, man wollte den vielseitig trainierten Mehrkämpfer heranbilden. Dem Sport wurde eine übergeordnete Rolle zuteil. Dafür wurde das Exerzieren und Märsche mit schwerem Gepäck komplett aus dem Ausbildungsprogramm gestrichen

Dies ist alles mit den Worten "militärische Ausbildung" gesagt:

Lehrstoffeinteilung: Taktik Gelände- und Kartenkunde Gefechtsausbildung und Ausbildung an der eigenen Waffe Allgemeiner praktischer Truppendienst (Waffentechnik, Schießausbildung, Exerzieren) Weltanschauliche Erziehung Heerwesen SS- und Polizeiwesen Verwaltungswesen Leibesübungen Waffenlehre Pionierlehre Nachrichtenlehre Panzerlehre Kfz-Wesen Sanitätswesen Luftwaffenlehre Arbeitsstunden Deutschunterricht



Diese Definition bzw. Erklärung des Begriff SS-Junkerschulen und dessen Bedeutung wurde zuletzt am 8.2.2006 aktualisiert (Glossar Lexikon Enzyklopädie).


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