Slawen

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Der Artikel Slawen gehört zur Kategorie: Slawen, Europäische Ethnie, Polnische Geschichte
Slawen sind neben den Germanen und Romanen eine der Hauptgruppen der indoeuropäischen Sprachfamilie, vor allem in Ostmittel- und Osteuropa.

Staaten mit mehrheitlich slawischer Bevölkerung sind Russland, die Ukraine, Polen, Tschechien, Weißrussland, die Slowakei, Slowenien, Kroatien, Serbien und Montenegro, Bulgarien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina. Große slawische Minderheiten leben in Kasachstan, Moldawien, Estland und Lettland.

In Deutschland gibt es die slawische Minderheit der Sorben mit gewissen Sonderrechten (wie zweisprachige Ortsschilder) in der Lausitz. Im Norden Polens existiert die slawische Minderheit der Kaschuben und in Österreich gibt es eine kroatische Minderheit im Burgenland und eine slowenische in Kärnten, welche durch den Artikel 7 des Österreichischen Staatsvertrags geschützt sind.

Sprache

Es ist umstritten, ob sich die baltischen und slawischen Sprachen aus einer gemeinsamen Protosprache ausgliederten oder ob die vorhandenen Gemeinsamkeiten erst durch die benachbarte geographische Lage und den daraus folgenden kulturellen Kontakt ergaben (s. Balto-slawische Hypothese).

Siehe auch: Indoeuropäer, Streitaxtkulturen

Ursprünge und Ausbreitung

Historisch und archäologisch lassen sich die Slawen erst in der Spätantike (um 500) fassen. Unter Kaiser Justinian I. (527-565) gerieten Slawen erstmals in das Blickfeld byzantinischer Chronisten wie Prokopios von Caesarea, Jordanes und Theophylaktos Simokates. Sie berichten von Venetern, Sklavinen und Anten (die man zusammen auch Sporen nennt) die aus den Gebieten zwischen Karpaten, unterer Donau und Schwarzem Meer kommend plündernd in das Byzantinische Reich und seine Randgebiete einfielen.

Zwar erwähnen bereits Plinius der Ältere, Tacitus und Ptolemäus von Alexandria ab dem 1. Jahrhundert in unterschiedlicher Schreibweise ein Volk der Venedi, Venethi, Venadi oder Ouenedai, das östlich der Weichsel beziehungsweise an der Danziger Bucht siedelte, doch beziehen sich diese Angaben zweifellos auf die den Germanen zuzurechnenden Vandalen. Der Sammelbegriff Veneter wurde im 6. Jahrhundert offenbar auf das bis dahin unbekannte "Volk" der Slawen übertragen, obwohl keine direkten Beziehungen zwischen beiden bestanden.

Im 19. und 20. Jahrhundert wurde in oft erbitterten und zumeist nationalistisch gefärbten Debatten eine "Urheimat" der Slawen gesucht, da man sich "Völker" nur als homogene Einheiten vorstellen konnte. Inzwischen wurde jedoch erkannt, dass die verschiedenen historischen Disziplinen wie Archäologie, Historiographie und Sprachwissenschaft eigene, spezifische Quellen und Aussagemöglichkeiten besitzen, die sich nicht ohne weiteres zu einem Gesamtbild zusammenfügen lassen. Sie alle haben jedoch große methodische Schwierigkeiten, mit Hilfe ihrer Quellen der Ethnogenese näherzukommen. Offensichtlich folgt die Suche nach der slawischen "Urheimat" einer falsch gestellten Frage.

Erst mit ihrer Erwähnung in den oströmischen Quellen werden die Slawen als historische Größe greifbar, wobei diese Großgruppe nicht unbedingt auch als ethnisch homogene Gruppierung aufgetreten sein muss. Neu entstandene Großverbände waren wahrscheinlich fragil und "polyethnisch", das heißt sie setzten sich aus Personen und Gruppen unterschiedlicher Herkunft zusammen, die allein durch den Glauben an eine gemeinsame Kultur und eine gemeinsame Abstammung zusammengehalten wurden, sich aber nicht zwangsläufig tatsächlich auch auf eine gemeinsame Kultur und gemeinsame Sprache begründen mussten. Ethnogenese ist ein historischer Prozess, an dessen Ende das historisch bekannte Volk der Slawen stand. Für die Bildung der slawischen Sprache (Topogenese) konnte ein Gebiet zwischen mittlerer Weichsel beziehungsweise Bug und mittlerem Dnepr herausgearbeitet werden. Doch nicht allein Wanderungen der Träger dieser Sprache, sondern auch die Assimilation von Menschen verschiedener Herkunft führte zu der "Slawisierung" Ostmittel- und Osteuropas. Ein einheitliches ("proto")-slawisches "Urvolk" hat es, wie bei allen Völkern, sicherlich nicht gegeben.

In den folgenden Jahrhunderten besiedelten die Slawen auf diese Weise allmählich weite Gebiete Ostmittel- und Osteuropas, die vom Schwarzen und Ägäischen Meer bis zur Ostsee und dem Ilmensee sowie von der Elbe, Saale, dem Böhmerwald, dem Inn, den Alpen und der Adria bis zum oberen Don und unteren Dnepr erstreckten.

Ausbreitung der heutigen Westslawen

Gegen Ende des 5. Jahrhunderts wurde der mittlere Donauraum (die heutige Slowakei, Ungarn, wohl auch das heutige Südmähren) und in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts auch Böhmen besiedelt. Gleichzeitig begannen die Slawen nach dem Abzug der Langobarden, sich von der Donau aus über Pannonien, Noricum und Karnien auszubreiten und siedelten sich allmählich in dem Gebiet des heutigen Oberösterreich, Steiermark, Kärnten, Krain und Tirol an. Um 600 und im Verlauf des 7. Jahrhunderts drangen slawische Gruppen bis über die Saale und Elbe hinaus in das heutige Ostdeutschland und in polnisches Gebiet vor, dem sog. Weißserbien.

Die südlichen Westslawen bildeten um 623 - als Reaktion auf die Besetzung Pannoniens durch die Awaren in den 60er-Jahren des 6. Jahrhunderts - das Reich des Samo mit vermutetem Mittelpunkt im südlichen March-Raum.

Danach existierten gegen Ende des 8. Jahrhunderts das Mährische Fürstentum im südlichen March-Gebiet sowie das Nitraer Fürstentum (Neutraer Fürstentum) in der heutigen Slowakei, durch deren Vereinigung 833 das Großmährische Reich entstand, das dann schnell expandierte und in der 1. Hälfte des 10. Jh. von den nomadischen Stämmen der Ungarn (Magyaren) zerstört wurde. Die Bewohner des zentralen Groß-Mähren werden in slawischen Texten als slověne, das heißt Slawen (Aussprache: slowäne oder slowene), oder als „mährische Völker“ bezeichnet. Als slověne wurden damals auch die Slawen im heutigen Ungarn, Slowenien und Slawonien bezeichnet - die späteren Bezeichnungen Slowake / Slowakei (auf Slowakisch: Slovák (weiblich: Slovenka) / Slovensko) sowie Slowene / Slowenien (auf Slowenisch: Slovenec (weiblich: Slovenka) / Slovenija) sind aus diesem Wort entstanden.

Dauerhafte Reichsbildungen gelangen den Přemysliden in Böhmen und den Piasten in Großpolen im 10. und 11. Jahrhundert. Die heutige Slowakei geriet zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert (der Großteil bis 1100) sukzessive unter die Herrschaft der Ungarn/Magyaren.

vergleiche auch: Austroslawismus

Nördliche Westslawen: Im Verlaufe des 7. Jahrhunderts drangen westslawische Gruppen allmählich entlang der Elbe bis zur Mündung der Saale vor. Anschließend wurden die zuvor von den Germanen weitgehend geräumten Gebiete zwischen den beiden Flüssen aufgesiedelt. Die hier lebenden Slawen bezeichneten sich selbst als Sorben.

Ab dem Ende des 7. Jahrhunderts und im Verlauf des 8. Jahrhunderts wurden auch die übrigen Gebiete in Ostdeutschland besiedelt. Hier bildeten sich mehrere Stammesverbände heraus, von denen insbesondere die Milzener und Lusitzer in der Lausitz, die Heveller an der Havel im heutigen Brandenburg und die Wilzen/Liutizen und Obotriten in Mecklenburg-Vorpommern zu nennen sind. Noch weiter westlich siedelten die Wagrier (Waigri) im nördlichen Holstein und die Drewaner im Lüneburgischen. Die slawischen Verbände in Nordostdeutschland werden von der Forschung unter dem Begriff Polaben oder Elbslawen zusammengefasst.

Der westlichste Fürstensitz war das wagrische Aldinburg (slaw. Starigrad) an der Ostsee, das heutige Oldenburg in Holstein, zugleich wichtiger Handelsplatz für den Ostseehandel mit Beziehung zum sächsischen Hamburg und zur wikingischen Siedlung Haithabu. Die nachbarschaftlichen Beziehungen im Norden Deutschlands waren nicht immer friedlich. So gab es im 9. und 10. Jahrhundert mehrfach Überfälle auf Hamburg, 1066 wurde Haithabu von den Slawen geplündert.

Unter Kaiser Otto I. erfolgte die Christianisierung der Nordwestslawen über die Erzbistümer Hamburg und Magdeburg, Bistümer wurden in Oldenburg, Merseburg, Meißen, Zeitz (1028 verlegt nach Naumburg), Brandenburg und Havelberg. Im Mittelalter zogen sehr viele Deutsche in diese dünnbesiedelten Gebiete und die Slawen gingen in den Deutschen auf.

Im heutigen Polen lebten mehrere Stämme. Das Land zu beiden Seiten der Weichsel bis an die Oder hin bewohnte der Stamm der Lechen oder Polanen (Feldbewohner), die im 10. Jahrhundert den Kern des entstehenden Staates Polen bildeten.

Ausbreitung der heutigen Ostslawen

Parallel zur Ausbreitung in südliche und westliche Richtung erfolgte eine Ausweitung des Siedlungsgebietes nach Norden in finno-ugrisches und baltisches Gebiet. Im osteuropäischen Tiefland waren schließlich zahlreiche kleinere slawische Stämme ansässig, wie zum Beispiel:

Unter Einfluss wikingischer (skandinavischer) Händler, Siedler und Söldner entstand in der heutigen Ukraine, in Weißrussland und in Westrussland gegen Ende des 9. Jahrhunderts das erste ostslawische Reich, die Kiewer Rus. Im Spätmittelalter spalteten sich die Ostslawen in Weißrussen, Ukrainer und Russen auf - letztere breiteten sich seit dem späten 16. Jahrhundert und verstärkt im 19. und 20. Jahrhundert (entlang der Transsibirischen Eisenbahn) bis zum Pazifik aus.

Ausbreitung der heutigen Südslawen

In der ausgehenden Spätantike, im 6. Jahrhundert, rückten die Slawen über die untere (im 5. Jahrhundert von den Westgoten verlassene) Donau nach Moesien, Thrakien, Makedonien, ja bis zur Peloponnes vor. Etwa seit 585 scheinen die Oströmer die Kontrolle über den Balkan verloren zu haben. Im 7. Jahrhundert haben die Slawen die ganze Balkan-Halbinsel sowie Kreta, Dalmatien und Oberitalien - natürlich zum Teil neben der ursprünglichen Bevölkerung - besiedelt. Die genauen Prozesse der slawischen "Landnahme" sind allerdings Gegenstand angeregter wissenschaftlicher Diskussionen, in die auch politische und nationale Motive einfließen: Wie "slawisch" sind etwa die heutigen Griechen?

In der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts drangen offenbar die Kroaten und Serben aus ihren hinterkarpatischen Ländern sowie serbische Stämme aus dem Gebiet des heutigen Ostdeutschlands, Böhmens und Tschechiens, dem sog. Weißserbien, über die Donau und siedelten sich nach Vertreibung der Awaren Slawen in Pannonien, in Dalmatien und im übrigen Illyricum an.

In der 2. Hälfte des 7. Jahrhunderts kam ein Teil der asiatischen Wolgabulgaren auf der östlichen Balkan-Halbinsel an und gründete dort 681 das Bulgarische Reich, wobei sich das asiatische Reitervolk sehr schnell mit der ursprünglichen slawischen Bevölkerung vermischte und das heutige slawische Volk der Bulgaren bildete. Im heutigen Albanien wurden die Slawen von der ursprünglichen illyrischen Bevölkerung assimiliert.

Mit dem Ende des 7. Jahrhunderts dürfen wir die großen westlichen und südlichen Wanderungen der Slawen als abgeschlossen ansehen. Nahe mit den Serben und den Bulgaren sind die Mazedonier verwandt. Den Serben und den Kroaten stehen ethnisch ferner die Montenegriner und die Bosniaken nahe.

Siehe auch: Liste der slawischen Stämme

Name

Als geschichtliches Volk erscheinen die Slawen zuerst unter dem Namen der Serben (Sporen) und der Veneter; sie waren unter diesem Namen bis in 5. Jahrhundert in den Ländern zwischen Ostsee und dem Schwarzen Meer ansässig, zwischen den Karpaten und dem Don, an der oberen Wolga bis nach Nowgorod und von da bis zur Scheide der Weichsel und der Oder. Etwa mit dem 6. Jahrhundert treten die Namen Anten (für die Ostslawen) und "Slovieni" (für manche Westslawen) auf. Beide erhielten sich aber als Bezeichnung der Gesamtheit nicht lange, und der Name Serben verengte sich bis zur Benennung einzelner slawischer Stämme (zu den Slovieni siehe oben unter Ausbreitung der heutigen Westslawen). Aus der Bezeichnung Veneter aber wurde Wenden, die Bezeichnung der Slawen bei den Deutschen (für die heutigen Sorben). Die Bezeichnung Slawen ist zumindest seit dem frühen Mittelalter üblich, Adam von Bremen bezeichnet sie in seiner Chronik des Erzbistums Hamburg als Sclavi.

Neben anderen Slawisten schreibt auch der sorbische Gelehrte Heinz Schuster-Šewc in seiner Abhandlung Über die Geschichte und Geographie des ethnischen Namens Sorb/Serb/Sarb/Srb, wonach sich der serbische Name aus dem altslawischen surbh, sirbh, serbh ableiten soll, das begrifflich für säugen, schlürfen, trinken, fließen stand. Ähnlichkeiten finden sich heute im Deutschen in schlürfen oder sürfen, im Englischen in surf für Brandung oder surface für Oberfläche bzw. auftauchen, oder im Lateinischen in sorbeo, ebenfalls für säugen, trinken und fließen. Die semantische Entwicklung fand sich dann weiter in Srb für Brüder und Schwestern nach der Muttermilch, also die von der gleichen Mutter gesäugt wurden, ohne unbedingt blutsverwandt gewesen zu sein. Daraus folgte die Bezeichnung für Angehörige einer gleichen Familie oder Sippe und später für Angehörige eines gleichen Stammes. Andere wollen den serbischen Namen mit den antiken Sarmaten in Verbindung bringen. Der tschechisch-slowakische Slawist Pavol Jozef Šafárik (1795-1861) wie auch Gottfried Wilhelm von Leibniz (1646-1716) vertraten die Meinung, wonach Srb ursprünglich der Eigenname aller Slawen gewesen sei. Jedenfalls, mit dem historischen Auftreten sowohl der Serben wie auch der Sorben im 7. Jahrhundert stand der serbisch-sorbische Name für Stammesangehörige, Verwandte, Verbündete (M. Budimir, Über die alte Erwähnung des serbischen Namens, 1959).

Die Bedeutung der in den byzantinischen Quellen genannten Begriffe der Veneter, Sklavinen, Sporen und Anten sind umstritten, doch dürfte es sich weniger um ethnische als vielmehr um politische oder geographische Bezeichnungen handeln. Lediglich der Name der Slawen (sklabenoi, sklaboi) stellt in heutiger Zeit eine Selbstbezeichnung dar. Die ebenfalls gebrauchte Namen der Wenden/Veneter und Anten sind dagegen ursprünglich von Germanen beziehungsweise Awaren für die Slawen verwendete Bezeichnungen.

Ihr Ursprung des Slawennamens ist in der sprachwissenschaftlichen Forschung noch ungeklärt. Im Allgemeinen wird angenommen, dass sie vom gemeinslaw. *слŏвŏ (heute slóvo) 'Wort' abgeleitet werden, womit sie sich die Sprechenden oder Beredten selbst von den 'Stummen' (némec) abgrenzten. Dass die Bezeichnung vom mit dem obigen slóvo verwandten *слāвā (heute sláva) 'Ruhm' stammt, ist dagegen unwahrscheinlich. Nach neueren Forschungen, die sich allerdings nicht auf breiter Front durchsetzen konnten, könnte sich der Name vom alten slawischen Stamm slo / sla 'Wasser' ableiten. Anderen Ansichten zufolge handelt es sich bei der ursprüngliche Form "slovene" um eine patronymische Bildung für die "Leute des Slov".

Der tschechisch-slowakische Slawist Pavol Jozef Šafárik (1795-1861) wie auch Gottfried Wilhelm von Leibniz (1646-1716) vertraten die Meinung, wonach Srb ursprünglich der Eigenname aller Slawen gewesen sei.

Siehe auch: Saqaliba; mittelalterlich, arabische Bezeichnung für die Slawen

Lebensweise und Traditionen

Abbildung
Slawenburg Raddusch (bei Lübbenau) - Rekonstruktion
Bildherkunft

Die Familienverfassung war eine patriarchalische. Die Einwohner eines Ortes bildeten eine durch Blutsverwandtschaft verknüpfte Sippe (obschtina, rod), deren Mitglieder einen gemeinsamen Namen trugen, gemeinschaftliches Gut besaßen und unter einem gewählten Ältesten standen. Aus mehreren solcher Sippen bildete sich der Stamm (pleme), an dessen Spitze das Stammesoberhaupt, der Anführer im Krieg, stand. Die Stämme ihrerseits vereinigten sich wieder zu einem größeren Ganzen, zu Einzelvölkern (narod).

Die Ehe wurde heilig gehalten; es herrschte ursprünglich Monogamie. Noch vor der Abtrennung in einzelne Zweige hatten die Slawen durch uraltes Herkommen befestigte Rechtsnormen (pravo, zakon); der Begriff "erben" fehlte jedoch, da die Familienverfassung Erbschaften ausschloss.

Kultur

Kultur- und Sittengeschichte des Gesamtvolks: Nach den griechischen und deutschen Schriftstellern waren die alten Slawen ein friedliebendes und fleißiges Volk, fest am Althergebrachten hängend, leidenschaftlich Ackerbau und Viehzucht und auch, wie aus der Sprache und aus den archäologischen Funden hervorgeht, Handel treibend. Gerühmt wird auch ihre Gastfreundschaft. Kranke und Arme fanden sorgfältige Pflege; nur der Böse wurde ausgestoßen, und chud bedeutet in slawischer Sprache zugleich arm und böse. Vielweiberei war gestattet, wurde aber fast nur von den Vornehmen geübt.

Der Grundzug der Zivil- und Staatsverfassung war demokratisch; man kannte ursprünglich keine Stände, keine erbliche Fürstenwürde (siehe auch: Wetsche). Das Band der Sippeneinheit hielt alle umschlungen, und der Starosta (Älteste) war nur Verwalter des Gesamtvermögens der Sippe. Die Einheit der Sippe schloss die Erbfolge aus. Hierdurch unterschieden sich die Slawen wesentlich von den Germanen und Romanen. Ständeunterschiede, erbliche Fürstenmacht, Leibeigenschaft und Sklaverei bildeten sich infolge fremder Einflüsse erst später bei den Slawen aus. Die Bezeichnungen für die Fürstenmacht (knez, kral, cjesar) und den Adel (szlachta, "Geschlecht") sind fremden Ursprungs. An der alten Sippenverfassung, Geschlechtsgenossenschaft der Hauskommunion (zadruga) wird heute noch bei den Südslawen zäh festgehalten. In Stämme, Sippen, Genossenschaften zersplittert waren die Slawen, trotz aller panslawistischen Bemühungen auch untereinander, nicht nur in der Geschichte, sondern auch bis heute meist uneinig.

Religion und Mythologie

Die Slawen werden als sehr gesangliebend geschildert; Seele und Gemüt offenbaren sich bei ihnen in anmutigen Liedern und Gesängen. Von den mythologischen Vorstellungen und der darin sich kundgebenden Weltanschauung der alten Slawen lässt sich kein deutliches und konsistentes Gesamtbild zeichnen, da eine zusammenhängende Überlieferung fehlt.

Die ursprüngliche Religion der Slawen war derjenigen anderer früher indogermanischer Völker ähnlich. In den Naturerscheinungen, besonders den Phänomenen des Himmels, sahen die Slawen wirkliche Wesen, die er sich mit Denken und Empfinden ausgestattet dachte, einige wohltätig, andere zerstörend wirkend. Die ersteren nannten sie bog, die letztern Bjes, und das Christentum übernahm diese Wörter für Gott und Teufel.

Sie verehrten einen höchsten Gott, den Urheber des Himmels und der Erde, des Lichts und des Gewitters; diesem waren die anderen Götter untertan. Der Name dieses Gottes war Swarog (der "Glänzende"), als Urheber des Donners heißt er Perun. Seine Söhne waren die Sonne und das Feuer. Der Sonnengott (Daschbog, "Geber der Güter") war auch Kriegsgott; als Theomorphose der Luft erscheint Sventovit oder Svantovit (nach Miklosich nur Sanctus Vitus), als Gott des Sturms Stribog.

Oberste Gottheit der westslawischen Wenden war Radegast, der ebenfalls als Kriegsgott verehrt wurde. Als Frühlingsgöttinnen erscheinen Wesna und Deva, als Göttin der Liebe und Schönheit Lada. Unter den bösen Gottheiten steht die Repräsentantin des Winters (Moraua) obenan.

Ein eigentlicher Dualismus bestand aber nicht, und was bei einigen Schriftstellern von einem Kampf zwischen den Göttern des Lichts und der Finsternis (dem Bjelbog und Tschernebog der Nordslawen) berichtet wird, scheint bereits auf christlichen Einfluss hinzuweisen.

Als mythische Wesen niederen Grades wurden verehrt: die Vílen und Rusalken, die Herrscherinnen über Flüsse, Wälder und Berge, welche in der Volkspoesie der Slawen bis auf den heutigen Tag (1888) eine große Rolle spielen; ferner die Rojenitze oder Schicksalsgöttinnen sowie zahlreiche Haus- und Feldgeister und die finstern Mächte Baba Jaga, Bjes und Vjed, welch letzterem die Sonnen- und Mondfinsternisse zugeschrieben wurden.

Die Gunst der Götter und deren Schutz suchten die Slawen durch Gebet und Opfer zu erlangen. Letztere bestanden im Verbrennen von Rindern und Schafen auf Bergen und in Hainen, wo sich auch Götterbilder befanden. Menschenopfer kamen nur vereinzelt vor. Vollstrecker der Opfer waren die Stammesältesten; einen Priesterstand kannten die alten Slawen ebensowenig wie besondere Tempel. Von Festen sind jene zu erwähnen, die sich an den Wechsel der Jahreszeiten anknüpfen: die Wintersonnenwende (koleda, ovsen, kratschun), der Frühlingsanfang mit Austragung des Winters und die Sommersonnenwende (kapalo, jarilo).

Mit dem leiblichen Tod hörte nach slawischer Auffassung das Leben nicht auf, vielmehr war die Seele (duscha) unsterblich; sie gelangte ins Paradies (nav, ráj), das als schöne Wiese gedacht wurde. Die Leichen wurden entweder verbrannt oder begraben; beide Bestattungsweisen kommen nebeneinander vor. Schätzenswerte Untersuchungen über die alte Kultur und mythologische Vorstellungen der Slawen, soweit sie sich im Aberglauben, in Sagen und Märchen des Volkes erhalten haben, enthält Afanasjews Werk "Die poetischen Naturanschauungen der Slawen" (russ., Mosk. 1865-69, 3 Bde.).

Siehe auch: Slawische Mythologie, Kyrill, Method, Kyrillische Schrift

Literatur

  • Roger Portal: Die Slawen. Von Völkern zu Nationen, Zürich 1971, ISBN 3463136805
  • Christian Lübke: Das östliche Europa. Die Deutschen und das europäische Mittelalter, Berlin 2004, ISBN 3886807606
  • Sebastian Brather: Archäologie der westlichen Slawen. Siedlung, Wirtschaft und Gesellschaft im früh- und hochmittelalterlichen Ostmitteleuropa. Ergänzungsbände zum Reallexikon der germanischen Altertumskunde 30, Berlin u. a. 2001, ISBN 3110170612
  • Roland Steinacher: Wenden, Slawen, Vandalen. Eine frühmittelalterliche pseudologische Gleichsetzung und ihre Nachwirkungen, in: ed. Walter Pohl, Die Suche nach den Ursprüngen. Von der Bedeutung des frühen Mittelalters, Wien 2004, 329-353.
  • Alfried Wieczorek / Hans-Martin Hinz (Hrsg.): Europas Mitte um 1000, Stuttgart 2000, ISBN 3806215456, 3806215448
  • Karl Wilhelm Struve: Zur Ethnogenese der Slawen. In: Michael Müller-Wille (Hrsg.),
  • Starigard/Oldenburg: Ein slawischer Herrschersitz des frühen Mittelalters in Ostholstein, Neumünster 1991, 9-28. ISBN 3529018392
  • Joachim Herrmann: Welt der Slawen. Geschichte, Gesellschaft, Kultur, ISBN 3406311628
  • Joachim Herrmann: Wikinger und Slawen. Zur Frühgeschichte der Ostseevölker, ISBN 3529018260
  • Zdenek Vana: Die Welt der alten Slawen" , ISBN 3768443906
  • Zdenek Vana: Mythologie und Götterwelt der slawischen Völker, ISBN 387838937X

Weblinks


Diskussion der Autoren über den Artikel: Slawen


Kurze Anmerkung: Es ist irre falsch dass die Slawen im Mittelalter keine Statten hatten !!!!!! Was ist mit Bulgarien, Serbien und Kieva Rus ..... Kieva Rus und Bulgarien sind lange Zeit ein grosser Machrfaktor in der Geschichte Europas gewesen ... Serbien ist im 13 und 14 Jahrhundert auch ein maechtiges Land gewesen !!!! Polen hat unter Fuerst Sobiesky Europa vor den Tuerken gerettet !!!! - siehe Belagerung von Wien Russland hat Europa groesstenteils die Mongolen Invasionen erspart und die bis in die heutige Mongolei zurueckgedraengt. Bulgarien, Serbien, die Ukraine und Russland haben grosses auf dem Schlachtfeld geleistet, um die Grenze Europas vor den Moslems zu schuetzen und haben auf eine einzigartige Art und Weise die alte Ostroemische Kultur gepflegt und weiterentwickelt ..... Wieso ueberseht ihr so viel in diesem Artikel ? Gruesse Nikolay Tcholtchev

////Im europäischen Völkerkonzert nehmen die Slawen eine von den Romanen und Germanen abgesonderte, darum aber nicht weniger bedeutende Stellung ein. Da sie kein Bürgertum, kein Städtewesen aus sich heraus entwickelten, blieben sie auch neben den andern beiden indoeuropäischen Hauptstämmen in Bezug auf Gewerbe und Handel, Künste und Wissenschaften bis in die Neuzeit zurück; sie waren, da ihnen die Vermittelung zwischen Herr und Bauer fehlte, einseitig. Und lange Zeit konnten die Slawen ohne Anregung von außen (Wikinger, Byzantiner, Deutsche) auf dem Gebiet der Kulturentwickelung wenig Einflussreiches leisten, obwohl sie vielfache Fertigkeiten, große Gewandtheit und Anstelligkeit zeigen.////

dieser erscheint für mich zu einseitig und weniger objektiv. es ist nun mal ein faktum, dass die slawen des 6./7.Jahrhunderts ein einfaches bauernvolk waren und kein volk von denkern und dichtern oder irgendwelche organisierte, militärische agresoren, wie so mancher germanischer stamm (wandalen/goten etc) oder auch die turkvölker (awaren/bulgaren), und hierdurch den völkern west- und südeuropas in vielen dingen unterlegen waren. zum beispiel auch im städtebau oder bürgertum. aber dass die germanen immer große städtebauer waren und schon im windelalter bürgertum kannten, ist mir auch neu. seit wann sind städte wie köln, trier, xanten, wien und viele, viele andere, germanischen oder gar deutschen ursprungs? Die slawischen Völker hatten nicht die gleichen Entwicklungschancen wie die Völker Westeuropas, die ja ihr Städtewesen/Bürgertum auf dem Trümmern bzw. den Resten des untergegangene Weströmischen Reiches aufgebaut haben. Wo heute Tchechien, Polen oder Rußland steht, gab es vor ca. 1.100 Jahren und auch davor zur keiner Zeit (!) weder staatliche Organisationen noch Städte aus Stein und Mörtel. Die haben praktisch von 0 (!) angefangen und das was geleistet worden ist, kommt einer Glanzleistung gleich. Und im letzten Satz wird der Eindruck erweckt, sie wären schlicht blöd gewesen, sich zu organisieren und hätten nur abgekupfert. Aber, aber... welches Volk kann von sich behaupten, es wäre nie von einer anderen Kultur beeinflußt worden? Was spricht denn dagegen? Ich sehe es sogar positiv, denn es ist ein Zeichen dafür, dass die slawischen Stämme lernwillig und offen für andere Dinge waren! Zum Beispiel die Annahme des Christentums (Rom/Byzanz) hat die Slawen kultisch enorm aufgewertet!

...in Bezug auf Gewerbe und Handel, Künste und Wissenschaften bis in die Neuzeit zurück....

hier muß man sich schlicht den geschichtsverlauf veranschaulichen, nehmen wir mal denn slawischen balkan. von 1450 bis 1850 war der eine türkische provinz, also fast 400 Jahre, bei den Bulgaren waren es fast 500 Jahre brutaler türkischer militär-despotie. oder polen, während andere nationen in das im 19. Jh. das Industriezeitalter feierten, wurden sie währenddessen von den Preußen und Russen brutal unterdrückt in der Spitze gar mit dem Verbot der polnischen Sprache (Polnische Teilungen). Kann mir einer von euch sagen, wie man sich entwicklen soll, wenn man unterdrückt wird?

Naja, das zieht so nicht. Polen war vor seiner Teilung eine Großmacht und das damals modernste Land Europas. Es hatte eine Verfassung (die erste Europas) und war Adelsrepublik. Die Künste und die Kultur waren voll ausgeprägt. Dies wurde allerdings dann wieder teilweise versucht rückgängig zu machen, durch die Ermordung und Auslöschung der oberen Schichten. Aber die Slawen haben sich trotzallem sehr gut entwickelt. Für die herrschenden Verhältnisse in Mittel- und Osteuropa sehr gut sogar. Denn die Gefahr lauerte ständig und Schutz bot Nichts! - Cekay

die kritk bezog sioh viel mehr auf diesen satz: ..Da sie kein Bürgertum, kein Städtewesen aus sich heraus entwickelten, blieben sie auch neben den andern beiden indoeuropäischen Hauptstämmen in Bezug auf Gewerbe und Handel, Künste und Wissenschaften bis in die Neuzeit zurück; sie waren, da ihnen die Vermittelung zwischen Herr und Bauer fehlte, einseitig.

daher nochmals bezogen auf polen (slawenland) des 19. JH., dass von drei nachbarn-mächten überfallen und gewaltsam zerschlagen worden ist (anscheinend gingen die liberal-revolutionären-reformen von 1791 den königsdespoten der nachbarvölker viel zu weit), im späteren verlauf, unterdrückung des polnischen -litauischen volkes, besonders seit 1831 bis 1918, gerne von Preußen (ab 1871 fiel diese rolle dem 2.ten deutschen reich zu -Kleindeutschelösung-, die im nachhinein die schlechteste für ganz deutschland war) und dem zaristischen rußland bis ins geht nicht mehr praktiziert worden ist. wie soll man sich denn bitte entwickeln, wenn einem der okkupant selbst die eigene muttersprache verwehrt? denen wurde ein ganzes jahrhundert der entwiklung gestohlen, gerade das wichtige 19. jh (industriezeitalter!)

"Dies wurde allerdings dann wieder teilweise versucht rückgängig zu machen, durch die Ermordung und Auslöschung der oberen Schichten."

ich kann das ganz nicht bestätigen, woher hast du denn das? polens untergang von einer liberalen kontinentalmacht, in einen ökonomisch-politischen totalabsturz (einmalig in der geschichte europas!) rührte doch nicht daher, dass irgendwer die eliten des landes geköpft hatte?!

Der Begriff Slawe könnte auch vom in den meisten slawischen Sprachen vorkommenden Wort Slava (Ruhm) abgeleitet sein, die Ruhmreichen also. Mir persönlich erscheint das sogar plausibler als der Bezug auf Slowo (Wort) Angelika Lindner 15:32, 31. Dez 2002 (CET)

In der englischen Wikipedia, wo das Thema unter ziemlich gut und differenziert behandelt wird, steht, dass die zuständigen Experten beide Erklärungen für wenig plausibel halten. Vielleicht könnten wir da was einarbeiten - wenn jemand Zeit und Lust hat. -Hunne 15:50, 31. Dez 2002 (CET)

Klingt recht angestaubt:

So in Stämme, Sippen, Genossenschaften zersplittert, nach allen Schriftstellern notorisch sehr uneiniger Natur, konnten die Slawen auch nicht annähernd in der Geschichte jenen Platz einnehmen, der den urverwandten Völkern der Germanen und Romanen zukam. Das hätte auch im Stürmer stehen können... -- Ilja Lorek 15:51, 17. Mai 2003 (CEST)


Als Reformator der alten Runenschrift trat dann viel später Cyrillus auf, der bereits jene in Pannonien vorfand und dem slawischen Lautsystem anpasste. Dieser Satz stammt aus dem ursprünglichen Artikel aus Meyers Lexikon 1888 und ich kann ihn nicht nachvollziehen. So wie ich das verstehe, bezieht sich das Wort jene auf die Runenschrift. Und die Schrift, die Kyrill entwickelt hat, ist bekanntlich die Glagolica. Und die wurde, so viel ich weiß, nicht aus einer Runenschrift entwickelt. So steht das auch im Glagolica-Artikel. Weiß jemand, was hinter diesem sonderbaren Satz steckt? Ansonsten würde ich den letzten Absatz zu streichen und ev. 1-2 relevante Sätze woanders einarbeiten. Er handelt sonst wenig von Kyrill und bringt hauptsächlich Information, die m.E. nicht ganz dem neutralen Standpunkt entspricht. -Hunne 18:38, 25. Okt 2003 (CEST)

Dies ist die offizielle (mehreren Quellen entnommene) Meinung der Slowakischen Akademie der Wissenschaften (also praktisch jenes Landes, für das die Glagolika ursprünglich erstellt wurde): Die Glagolika wurde 863 (andere Quellen: nach 860, vor 862) aus 24 Graphemen des griechischen Minuskelalphabets in Kursivform und 14 Zeichen unbekannten ("orientalischen") Ursprungs erstellt. Ein Teil der 14 Zeichen wurde aber höchstwahrscheinlich der hebräischische und samaritanischen Schrift entnommen, die Kyrill während seiner Reise zu den Khasaren (Chasaren) in Cherson kennengelernt hat. Die 24 griechischen Zeichen wurden ornamental angepasst.

 (Juro)

Danke! Jetzt wäre noch interessant zu wissen, wie Du das im Hinblick auf den Artikel interpretierst. Ist das Dein Argument dafür, dass die Glagolica nichts mit einer Runenschrift zu tun hat? Oder witterst Du da irgendwelche Verbindungen zu einer Runenschrift? Besten Dank -Hunne 10:31, 27. Okt 2003 (CET)

Der Satz "unbekannten (aber eher orientalischen) Ursprungs" spricht meiner Ansicht nach etwa zu 90% dafür, dass die Galgolika mit der Runnenschrift nichts zu tun hat. In einer meiner Quellen (einer slowakische Linguistikenzyklopädie) steht sogar ohne weiteren Kommentar, dass die 14 Zeichen orientalichen (v.a. hebräischen) Ursprungs sind. Ich persönlich höre das mit den Runnen übrigens auch zum ersten Mal. Die Ansicht stammt wohl noch aus der Zeit, als die Slawistik in Mitteleuropa (sozusagen mangels eigener slawischer Staaten) noch nicht besonders entwickelt war. Jedenfalls ist die einzige richtige Lösung die Runnenschrift überhaupt nicht zu erwähnen und irgendwo hinzuschreiben, dass die 14 Zeichen unbekannt sind usw. - so wie ichs eben im vorigen Kommentar zitiert habe.

Juro


>>Als geschichtliches Volk erscheinen die Slawen zuerst unter dem Namen der Serben (oder Sporen) und der Veneter<<

Grüße! Können wir diese Argumentation so gelten lassen? Ich bin selber Serbe, und kenne diese Theorie, wonach "Srb" oder "Srp" eine ursprüngliche Selbstbezeichnung der alten Slawen war. Sie ist aber bloß eine Theorie, wenn auch eine alte (als Vertreter dieser Theorie galten u.a. Gotthold Ephraim Lessing (Nathan der Weise) oder der tschechische Panslawist Josef Pavel Safarik). - Carski

Abstauben!

Ach ich denke, es wäre an der Zeit, den ganzen Artikel richtig abzustauben, nichts gegen Meyers Lexikon vom 1888, ich lese gerne in alten Nachschlagewerken, aber dieser Artikel atmet noch zu sehr den Geist jener unseligen Epoche, die dann in die Schlachten von Weltkrieg I & II führte. Idealerweise könnte den ursprünglichen Originaltext als Zitat auch in der Wikipedia stehen lassen, doch aus der heutigen Sicht wäre über die Slawen wohl Wichtigeres zu schreiben als über ihre Sippen, Trinksitten, Víly und Rusálky. Über die alte Idee des Panslawismus zum Beispiel ... Über die uralten Hegemonie-Bestrebungen Russlands, die ebenfalls sehr balkanische Zwist, Einigung und Trennung, auch vielleicht was mehr über die Bulgaren, die ja die slawische Sprache und Sitten annahmen obwohl sie selbst wohl keine Slawen waren, die Rumänen, die auch keine Slawen und doch von Slawen umgeben lebten, über die vielen Reib- und Mischkessel in der Landkarte Europas usw. Ilja Lorek 08:06, 25. Mai 2004 (CEST)

Der Artikel sollte durch Slawistiker, Linguistiker etc. wissenschaftlich überarbeitet werden. Ein fester zeitlicher Horizont ist erforderlich, um dabei diesen Artikel nicht mit Themen zu überfrachten, die woanders einzuordnen sind. Vielleicht mache ich in den nächsten Tagen (Zeitfrage) kleinere Vorschläge. Berli 30.05.04

Namen

Ich bitte den anonymen Kroaten(?) mit der IP 213.150.... doch einfach an dieser Stelle seine Gegenargumente vorzubringen statt gleich den ganzen Absatz zu löschen. Niemand behauptet ja, dass der alte Text aus dem Meyers Lexikon fehlerfrei ist, aber ohne Argumente läuft nichts. Juro

Lies bitte den Kommentar von Caric (der selbst Serbe ist), ein Stück weiter oben. Nur weil es vor 120 Jahren im Brockhaus stand, muss es noch lange nicht stimmen. Jakob stevo 23:42, 15. Jun 2004 (CEST)

Dass der Text nicht mehr auf dem neuesten Stand ist, ist, glaube ich, unstrittig. Ich bin selbst auch das erste Mal stutzig geworden, als ich dort gelesen habe, dass die Slawen ursprünglich Serben geheißen hätten - das behauptet heute wohl keiner mehr. Nur bringt es wirklich gar nichts, den Text einfach zu löschen, sondern es muss ein neuer her oder eine gründliche Überarbeitung. Der Anonymus mit der bewussten IP kommt einmal die Woche vorbei und löscht den ganzen Absatz, und alles Weitere interessiert ihn nicht, das ist halt doch nicht so sinnvoll. Tilman Berger 05:48, 16. Jun 2004 (CEST)

Karantanen

Ich habe gerade mit Schrecken festgestellt dass vor lauter Großmähren und Kiewer Rus die Karantanen und ihr Staat - und überhaupt die Alpenslawen - nicht erwähnt werden. Ich würde sie ja einfügen, ein Problem nur: Da es vor Germanisierung und magyarischer Landnahme diese strikte Trennung nicht gegeben hat, weiß ich nicht so recht ob das zu West- oder Südslawen gehört. Kann mir da wer helfen? Jakob stevo, spätabends am 15.06.04

Die Karantanen würde ich unter den Südslawen einordnen, weil auf dem Gebiet, wo sie ungefähr siedelten (so schrecklich viel weiß man ja auch nicht über sie), heute Südslawen wohnen. Im Übrigen dient die Einordnung in West- oder Südslawen in diesem Artikel ja nur der übersichtlicheren Gliederung, für die alten Zeiten ist sie eh nur teilweise relevant (vgl. etwa auch die südslawischen Elemente im Slowakischen). Tilman Berger 05:57, 16. Jun 2004 (CEST)

Naja, die Karantanen siedelten ja bis um Salzkammergut hin (siehe Ortsnamen!). Da siedeln zwar heute auch mehr Süd- als Westslawen, aber die sind erst ab den 1960ern hergekommen und bieten nicht viel Anhaltspunkt zu den Slawen dort vor der Germanisierung. Jakob stevo 17:04, 16. Jun 2004 (CEST)

Die Frage ist, ob man die Karantanen so einfach als Slawen bezeichnen kann, denn dieses Volk entstand als Mischung aus der bodenständigen Bevölkerung (Nachfahren der Noriker, überwiegend romanisierte Kelten) und der zugewanderten slawischen Stämmen. Fest steht, dass die Alpenslawen die Oberhand gewannen, aber es handelte sich um ein Mischvolk. --Kotisch 14:48, 4. Apr 2005 (CEST)

Ich würde generell vorschlagen, dass sich Tilman als Slawist dieses Artikels mal annimmt. Es fehlen mehrere Sachen und auch der Teil mit dem Namen oder mit der Glagoliza ist eher falsch usw. Ich konnte nur den Teil über die Ausbreitung und einige Klenigkeiten einigermaßen korrigieren und jemand hat etwas über die Götter hinzugefügt, sonst müsste noch viel geändert werden (der Grundtext ist 100 Jahre alt). Juro

Man sollte erwähnen das auch die Kroatennin Kärnten/steiermark gesiedelt haben(z.b Kraubath). Oder das Fürst Braslav(kroatischer Fürst) mit Arnulf von Kärnten gemeinsam gegen die Bayern gekämpft hat. Oder die Erwähnung der weissKroaten in der ukraine die im Jahr 1000 einen gemeinsamen staat gründeten(stadt uzgorod).

BITTE AKTUELLE LITERATUR VERWENDEN !!!!

Lieber Anonymus, es wäre schön, wenn du dich anmelden könntest... Was den Artikel angeht, so ist er tatsächlich sehr veraltet, aber einen neuen schreibt man nicht schnell mal an einem Nachmittag. Ich hoffe, dass ich in absehbarer Zeit dazu komme, aber ich bin nicht böse, wenn mir jemand zuvorkommt. Es wäre halt nur wichtig, dann wirklich alles objektiv zu beschreiben. Wenn du derselbe bist, der immer die Stellen, an denen Serben vorkommen, löscht oder verunstaltet, dann möchte ich dir sagen, dass der Name srb bei den Slawen an vielen Orten vorkommt (es gibt z.B. auch eine tschechische Kleinstadt Srbsko) und dass damit nicht unbedingt Vorfahren der heutigen Serben gemeint sind. Im gleichen Sinne ist auch der Völkername hrvat/horvat an vielen Orten belegt, etwa in Böhmen, aber das waren auch kein Vorfahren der heutigen Kroaten, sondern eben slawische Stämme, die denselben Namen trugen. Gruß --Tilman Berger 21:29, 8. Jul 2004 (CEST)

Da muss ich allerdings bemerken, Tilman, dass die Kroaten so viel ich weiß gerade behaupten, dass die hrvat.. in Böhmen ihre Vorfahren sind und sogar, dass die sog. (in nicht-kroatischer offizieller Literatur sehr umstrittenen)Weißen Kroaten aus Polen/Böhmen/der Slowakei ihre direkten Vorfahren sind...Juro

Das mag schon sein, dass irgendwelche Kroaten das behaupten, nur ist die moderne Slavistik mit solchen Zuordnungen von Völkern zu irgendwelchen "Vorfahren" sehr vorsichtig, weil die Quellen einfach nicht genug hergeben. Gruß --Tilman Berger 12:50, 9. Jul
2004 (CEST)
  welche moderne slavistik behauptet das die ersten Slawen Serben waren ???? Wie gesagt die Serben selber haben sich nicht einmal serben gennant sondern rascani 

Bitte einmal lesen !

The state dissapeared in 999. St. Adalbert (Vojtech, 10th century) was a descendant of the White Croats, son of the White-Croatian duke Slavnik. He was spreading Christianity, education and culture, and to this end founded the benedictine monastery in Brevnov in 993. Also St. Ivan Hrvat, who died in Tetin in Czechia in 910, was a son of White-Croatian King Gostumil. It is interesting to add that according to some American documents from the beginning of this century there were about 100,000 immigrants to the USA born around Krakow (Poland) who declared themselves to be Bielo-Chorvats, i.e. White Croats by nationality. See US Senate-Reports on the Immigration commission, Dictionary of races or peoples, Washington DC, 1911, p. 40, 43, 105. Even today the descendants of the White Croats live in Czechia. The surname Charvat is still rather widespread there. For example a director of the National Theatre Opera in Praha in 1990's was Mr Premysl Charvat. Villages in Czechia like Harvaci, Harvatska gorica reveal its early Croatian inhabitants.

The Slavnik family had its coins with inscription Mulin Civitas, issued by Duke Sobjeslav (?-1004), the oldest son of Slavnik. This confirms that the fortress of Mulin near Kutna Hora (west of Prag in Czechia) was a part of their territory. It is assumed that the Slavnik's were the leading tribe of the Croats in the 10th century in that region. Their main seat was in the town of Libica, west of Prag (near Kutna Hora). Thus we had two parallel Croatian states in that period: White Croatia in Middle Europe and Dalmatian-Panonian Croatia near the Adriatic sea.

In 995, when White Croatian troops led by Sobjeslav were defending their Dukedom from pagan tribes, White Croatia was suddenly attacked by the Czech duke Premysl, destroying their capital Libice and killing most of the Croatian population. There are some conjectures that several noble families in Poland (like Paluk's) are descendants of White Croats, as well as the family of Rozomberk (which seems to be related to the town of Ruzomberok in Slovakia). Sobjeslav was killed in 1004 on a bridge over Vltava river in Prague, when Polish troops tried to occupy the city. See Ivica Sumic: U potrazi za "Hrvatskom Atlantidom" (In the quest of "Croatian Atlantida"), Stecak, Sarajevo, No 64, 1999.

The name of the Croats is met in many places throughout Ukrainian soil. It is contained in Ukrainian written documents since the 2nd century until the end of the 10th century. The famous Ukrainian chronicler Nestor from Kiev (in his ``Povest vremennyh let, 1113) mentioned also the White Croats inhabiting early-medieval Old-Ukrainian empire, known as the Kiev Rus'. According to a very old legend, one of the three brothers who founded the Ukrainian capital Kiev was Horiv, whose name might be at least hypothetically related to the Croatian name: Horvat. See [Hrvatska/Ukrajina], p. 9, and Pascenko, p. 105. Even today some of the Ukrainian citizens say for themselves to be the White Croats. There are many proofs that the Croats once lived in common with Ukrainian and Slovak people: their languages (very widespread ikavian dialects in Croatia and Slovakia, ikavian language in Ukraine), legends, customs, many common toponyms etc. The region of historical Pagania around the Neretva river has many common toponyms and hydronyms with Western Ukraine, like Neretva, Mosor, Ostrozac, Gat. Also Sinj, Kosinj, Kostrena, Knin, Roc, Modrus, and many other throughout Croatia and Western Bosnia. Too many to be just an incidence.

The once prosperous and rich Ukrainian village of Horvatka near Kiev (note well: Horvat = Croat) disappeared overnight in 1937, together with all of its inhabitants, during Stalin's infamous collectivization, sharing the tragic destiny of millions of Ukrainians. The only witness is an innocent brook, called Horvatka even today. See "Marulic", 1998/2, p. 263, and also Pascenko, p. 293.

Old Norwegian - Viking travel writers Sigurd, Ohtere and Wulfstan from the 8th century mention the Kingdom of Krowataland on the territory of today's Ukraine. It has been investigated by a Czech historian and writer Karel Krocha.

The Byzantine emperor Heraclius (610-641) asked the Croats from White Croatia for help in protecting his Empire from the penetration of the Avars. A part of the White Croats moved to the territories of present Croatia in the 7th century. There they came in touch with the Romans and romanized descendants of Illyrians, Celts and others.

Soon after their arrival in the 7th century they were evangelicized and so accepted Christianity. The Croats were the first among the Slavs who converted to Christianity.

The BYELOHRAVATI (White Croats) A Croatian-speaking nation inhabiting parts of Bohemia, Slovakia and southern Poland. They had an independent principality for much of the Dark Ages. See also Dalmatian Croats (Yugoslav) and Pannonian Croats (Hungary) for Balkan groups of this people.

www.hostkingdom.net\baltic.html

Independent polity from at least 650 Gostomil.......................................mid 800's ?? Slavenic......................................late 900's Sobjeslav......................................fl. 990's d.1004 In 995 Czech warriors from Bohemia and Moravia invaded the White Croat state and destroyed their capital at Libice. Soon after the Byelohravati were invaded by the new Polish kingdom. The last ruler, Sobjeslav, was killed near Prague by Polish forces in 1004. The White Croats, however, retained a separate ethnic identity into modern times.

Lieber kroatischer Anonymus, deine Ausführungen nerven allmählich, daher nur noch kurz:

1. Niemand behauptet, dass die ersten Slawen Serben waren, sondern dass sie sich Serben nannten. Vor dem Hintergrund, dass fast alle slawischen Völkernamen an verschiedenen Stellen des slawischen Siedlungsgebiets vorkommen, folgt daraus nicht, dass die heutigen Serben Nachfahren der ersten belegten Slawen sind.

2. Bitte verschone uns mit solchen nationalistischen Mythen über die weltweite Siedlung der Kroaten. Ich habe keine Zeit, zu allen Punkten Stellung zu nehmen, und verweise nur kurz darauf, dass der Heilige Adalbert nach gängiger Meinung ein Tscheche war, der allerdings aus einem Geschlecht stammte, das in der Gegend siedelte, deren Bewohner sich ganz zu Anfang der tschechischen Staatlichkeit als Weiße Kroaten bezeichnet hatten.

Gruß --Tilman Berger 16:21, 9. Jul 2004 (CEST)

hallo

Etwas aber noch zu den nationalistischen Mythen -hat nichts nix mit nationalismus zu tun sondern 50Jahre ünterdrückter geschichte durch die Kommunisten und durch SHS !

weiters... wenn wir uns nur die gene der Kroaten näher betrachten(zuletzt gab es aus 2002 einen Forschungsbericht darüber )- und dort sah man deutlich das es 49% dem persischen zugehörig sind(weiß auf anhieb jetzt nicht den technischen Ausdruck) und auf jeden Fall gibt es sehr enge sprachliche nähe (z.b in Afhganistan ein Ort der heisst haravacia) und vieles mehr , habe aber auch keine Zeit. Verspreche aber das ich mich anmelde und das ein bissi genauer ausführe. gruß

Die Umarbeitungen am 9.7. durch Krtek76:

Ich habe gerade damit begonnen, den Artikel zu den Slawen stärker umzugestalten, habe dann aber erst mal abbrechen müssen. Insbesondere sollten die durch die aktuelle archäologische Forschung weitestgehend überholten Frühdatierungen für die slawische Expansion korrigiert werden. Hier ist noch einiges mehr zu tun. Probleme bereitete offenbar auch die Unterscheidung der frühmittelalterlichen Sorben - ein Verband mehrerer "Kleinstämme" zwischen Saale und Mulde - von den heutigen Sorben in der Lausitz. Hierzu werde ich bei Gelegenheit auch noch mal mehr unter Sorben streichen. Einige Sätze zur Demokratie und zum Burgenbau und andere habe ich ganz gestrichen. Die scheinen sich aus dem Lexikon des 19. Jh. mitzuschleppen. Bei Kritik an dieser Aktion bin ich gern bereit, hierüber zu diskutieren.

Name

Wieso wurde die Klammer gleich am Anfang gelöscht? - sie enthielt doch die drei gängigsten Herleitungen des Namens.

Juro

... lassen sich die Slawen erst in der Zeit um 500 fassen. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde in oft erbitterten Debatten eine "Urheimat" der Slawen gesucht, doch war diese Frage falsch gestellt. Ein einheitliches ("proto")-slawisches "Urvolk hat es nicht gegeben. Lediglich für die Bildung der slawischen Sprache (Topogenese) konnte ein Gebiet zwischen mittlerer Weichsel bzw. Burg und mittlerem Dnepr herausgearbeitet werden.

Wo um Gottes Willen steht so etwas? Da würde jeder Slawist den ich kenne sofort protestieren...Frei nach dem Motto - wir können die Urheimat nicht finden, also gab es sie einfach nicht und das Problem ist gelöst...Und was ist an der Frage nach einer Urheimat (oder vielleicht besser Ursprungsgebiet) falsch? Jedenfalls ist das kein NPOV, sondern wieder nur jemandes Theorie, und der ursprüngliche Text war in diesem Punkt viel besser. Ich bin auf die Reaktion gespannt.

Und überhaupt...man kann nicht einfach so kategorisch hinschreiben: lassen sich erst um 500 fassen. Das ganze ist doch sehr viel komplizierter und in jeder Hinsicht umstritten.

Juro

Krtek76

Hallo Juro. Dies steht in einem der aktuellsten Handbücher zu den Slawen, daß Dir offenbar entgangen ist:

Sebastian Brather, Archäologie der westlichen Slawen. Siedlung, Wirtschaft und Gesellschaft im früh- und hochmittelalterlichen Ostmitteleuropa. Ergänzungsbände zum Reallexikon der germanischen Altertumskunde 30 (Berlin u.a. 2001), ISBN 3110170612 S. 31-62.

Ich habe keine Lust und Zeit, die ganze Ethnos-Debatte hier noch mal aufzurollen. Ich würde Dich also bitten, den Text zu lesen, danach können wir weiterdiskutieren. Ich glaube nicht, daß "jeder Slawist da sofort protestieren" würde, zumal die Ergebnisse der Sprachwissenschaft hinsichtlich des Gebietes für die Herausbildung der slawischen Sprache (J. Udolph u.a.) ja auch weiterhin allgemein anerkannt werden.

> "Und überhaupt...man kann nicht einfach so kategorisch hinschreiben: lassen sich erst um 500 > fassen. Das ganze ist doch sehr viel komplizierter und in jeder Hinsicht umstritten."

Dann nenne mir bitte eine historische Quelle oder einen sicheren archäologischen Beleg für Slawen vor um 500! Ansonsten behält der Satz seine Gültigkeit.

Ausserdem würde ich Dich herzlich darum bitten, mir den Literaturbeleg für die meines Erachtens wenig überzeugenden Wasser-Theorie zu nennen. Seit wann geht die sprachwissenschaftliche Forschung weitgehend einhellig davon aus, daß - wie Du schreibst - die slovo-Ableitung "überholt", "traditionell" und "ältere Forschungsmeinung" ist. Ich bin kein Sprachwissenschaftler, aber das Gegensatzpaar Sprechend-Stumm halte ich für überzeugender als das Wasser - welches Wasser und warum? -, zumal ähnliche Bildungen auch anderswo zu beochten sind, beispielsweise die Barbar sprechenden Nicht-Griechen. Solange der Literaturhinweis und die Einschätzung eines Sprachwissenschaftlers aussteht, würde ich die Admins bitten, die alte Version wiederherzustellen.

Ich habe nicht vor irgendein offenbar einseitiges Buch zu lesen, da ich speziell zu diesem Thema mehrere (nicht deutsprachige) Monographien und Studien gelesen habe. (1) Ich habe den Originaltext gerade deswegen nicht seinerzeit korrigiert,weil ich genau weiß wie umstritten das Ganze ist und habe gehofft irgendein Slawen-Fun macht sich mal die Mühe und schreibt all die zahlreichen alternativen Theorien in den Artikel hinein. Da habe ich aber wohl einen Fehler gemacht...(2) Es ist grundsätzlich naiv bei einem so komplizierten Thema anzunehmen, dass irgendein Buch einer einzigen Person ein vollständiges Bild liefert, den da streiten sich die Archäologen und Historiker aus den und innerhalb der slawischen Ländern selbst...Heute ist die Lage sogar so, dass praktisch in jedem Text was anderes steht. 3)Soweit ich mich erinnere - ich habe jetzt leider keine Unterlagen dabei - kam das slo/sla in allen Namen slawischer Siedlungen vor,die an Flüssen gelegen waren oder so. Das mit dem "slo/sla" steht jedenfalls inzwischen bspw. in der Slowakei sogar in jedem Buch für Unis und für Kleinkinder und die anderen zwei Erklärungen gehören eher ins Märchenreich. Wenn du das noch nie gehört hast, dann zeigt es mit was für aktuellen Infos du arbeitest...Und die Slowaken betrifft das ganz besonders weil der Name Slowake auch davon abgeleitet ist. Aber solche Sachen gelangen offenbar nach Deutschland immer erst mit 20jähriger Verspätung. (4)Was auch immer in dem einen Buch steht - die herrchende Meinung in Osteuropa besagt immer noch, dass es ein Urvolk und ein Ursprungsgebiet gab. Der Streit betrift nur die genaue Lage in Polen / Weißrussland etc. Ich meine - was ist die Alternative zu "keine Urheimat" ? Sind etwa die Slawen dort entstanden wo sie jetzt sind oder was? Es gibt zwar sehr wohl auch sog. autochtone Theorien, die sind aber eher sekundär. Außerdem verwechselst du da offenbar die Frage ob etwas "sicher" nachgewiesen werden kann (nämlich der Ursprung der Sprache) und ob es etwas wenn auch schwer nachweislich gab (nämlich ein Ursprungsvolk usw.). Und genau genommen ist auch das Gebiet, wo die Sprache entstand eigentlich immer noch umstritten. (5) Es gibt nicht nur archäologische Quellen, sondern auch schriftliche Quellen die sich auf ältere Jahre beziehen, die natürlich umstritten sind, aber aus dieser Zeit ist jeder Text umstritten. (6) Das Jahr 500 ist lediglich die Grenze, ab der die Slawen "unumstritten" nachgewiesen sind. Es gibt aber viele Experten, die verschiedene andere archäologische Kulturen den Slawen zuweisen - was auch immer "dein" Buch behauptet. Deshalb ist die Formulierung... lassen sich erst 500 fassen einfach falsch und klingt so, als ob es vor 500 keine Slawen gegeben hätte. (7) Ich bestehe darauf, dass die Formulierung "die Frage nach...war falsch gestellt" völliger Quatsch ist.

Juro

Krtek76

Hallo Juro,

nun, ich kann und will Dich nicht zwingen, neue Bücher zu lesen, aber ich kann es nicht so stehen lassen, wenn Du es als "irgendein offenbar einseitiges Buch" bezeichnest.

Das "Handbuch" von Sebastian Brather ist DIE aktuelle Zusammenfassung für den Forschungsstand der Archäologie zu den Westlawen und sei deshalb jedem ans Herz gelegt, der sich mit der Materie befaßt: http://www.sehepunkte.histo... Entsprechend ist es auch nicht irgendwo erschienen, sondern als Band 30 der Ergänzungsbände Hoops RGA, einer der wichtigsten Reihen zur Archäologie, Geschichte und Sprachwissenschaft in Deutschland: http://www.hoops.uni-goetti... Ein nicht mehr ganz aktuelles Schriftenverzeichnis von Brather: http://www.ufg.uni-freiburg...

Brather befaßt sich seit einigen Jahren intensiv mit Ethnogeneseprozessen und ethnischer Interpretation. Kürzlich ist seine Habilitationsschrift hierzu erschienen: Brather, Sebastian Ethnische Interpretationen in der frühgeschichtlichen Archäologie Geschichte, Grundlagen und Alternativen 2004. 24 x 17 cm. X, 807 Seiten. 94 Abb. Leinen. Euro [D] 198,- / sFr 317,- / approx. US$ 238, ISBN 3-11-018040-5 Reihe: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde - Ergänzungsbände 42 http://www.degruyter.de/rs/...

Vergleiche auch hier: http://72.rapidforum.com/to...

Nun, wie Du dort sehen kannst, ist es also auch nicht nur ein "irgendein Buch einer einzigen Person", sondern eine Reihe von Aufsätzen zu dem Thema. Auch andere neue Publikationen wie

Titel: Das östliche Europa / Christian Lübke[/b] Verfasser: Lübke, Christian *1953-* Ausgabe: 1. Aufl. Erschienen: Berlin : Siedler, 2004 Umfang: 544 S. : Ill., Kt. ISBN: 3-88680-760-6 http://www.pressdepartment....

oder "Europas Mitte um 1000" gehen in diese Richtung.

Ich würde Dich außerdem herzlich darum bitten, gewisse Regeln des wissenschaftlichen Diskurses einzuhalten. Wenn ich Dich um einen konkreten Literaturhinweis bitte, erwarte ich eigentlich, nicht mit einer Antwort abgespeißt zu werden wie "Das mit dem "slo/sla" steht jedenfalls inzwischen bspw. in der Slowakei sogar in jedem Buch für Unis und für Kleinkinder und die anderen zwei Erklärungen gehören eher ins Märchenreich. Wenn du das noch nie gehört hast, dann zeigt es mit was für aktuellen Infos du arbeitest... ."
Ich hoffe, Du siehst es mir nach, wenn ich nicht jedes slowakische Buch für Kleinkinder kenne, sondern es eher gewohnt bin, mit wissenschaftlichen Texten zu arbeiten. Dieser Hinweis steht bisher aus. Weitestgehend alle SprachwissenschaftlerInnen, die ich kenne, sehen die slovo-Ableitung für die aktuelle und gültige an. Und entsprechend werde ich sie auch wieder in den Text schreiben bzw. warte einstweilen noch auf den Beitrag eines Sprachwissenschaftlers - oder aber auf Deinen Literaturhinweis.

Muze to byt i ve slovenstine, mne to uplne jedno, protoze umim to cist!

> (4)Was auch immer in dem einen Buch steht - die herrchende Meinung in Osteuropa besagt immer > noch, dass es ein Urvolk und ein Ursprungsgebiet gab. Der Streit betrift nur die genaue Lage > in Polen / Weißrussland etc.

Ich bin mal so arrogant zu behaupten, daß Du hier den Falschen versuchst dumm zu machen. Zumindest scheine ich die aktuelle (archäologische) Literatur auch aus Ostmitteleuropa besser zu kennen als Du. Viel Spaß mit folgenden Titeln - können bei Bedarf ergänzt werden...
Titel: Slovensko vo vcasnoslovanskom období / Gabriel Fusek Verfasser: Fusek, Gabriel Körperschaft: Archeologický Ústav Erschienen: Nitra : Archeologický ústav slovenskej akadémie vied, 1994 Umfang: 383 S. : zahlr. Ill., Kt. Schriftenreihe: Archaeologica Slovaca Monographiae : Studia ; 3

Sowie weitere Aufsätze von PhDr. Gabriel Fusek, CSc. (Archeologický ústav Slovenskej akadémie vied http://www.archeol.sav.sk/ )

Titel: Ceské zeme od príchodu Slovanºu po Velkou Moravu / Zdenek Merínský Teil: 1 Verfasser: Merínský, Zdenek Ausgabe: 1. vyd. Erschienen: Praha : Naklad. Libri, 2002 Umfang: 564 S. : Ill., Kt. Anmerkung: Nebent.: Dejiny ceských zemí ISBN: 80-7277104-3

Titel: Die Anfänge der frühslawischen Kultur in Polen / Michal Parczewski. Hrsg. von Falko Daim. Österreichische Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte, Wien Verfasser: Parczewski, Michal Erschienen: Wien : Österr. Ges. für Ur- und Frühgeschichte, 1993 Umfang: 211 S. : Ill., graph. Darst., Kt. ; 31 cm Schriftenreihe: Veröffentlichungen der Österreichischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte ; 17 Einheitssachtitel: Poczatki kultury wczesnoslowia´nskiej w Polsce

Titel: The making of the slavs : history and archaeology of the Lower Danube Region, c. 500-700 / Florin Curta Verfasser: Curta, Florin Ausgabe: Repr. Erschienen: Cambridge [u.a.] : Cambridge Univ. Press, 2002 Umfang: XXV, 463 S. : Ill., Kt. Schriftenreihe: Cambridge studies in medieval life and thought ; Ser. 4,52 Anmerkung: Includes bibliographical references and index ISBN: 0-521-80202-4 http://www.clas.ufl.edu/use... http://www.amazon.co.uk/exe...

Außerdem der Wiener Workshop 2003: slawische ursprünge/slavic origins http://www.oeaw.ac.at/gema/... und weitere internationale Kongresse und Tagungen sowie bei Bedarf auch noch Nachschlag von meiner Seite. Einiges habe ich vor einiger Zeit mal hier zusammengestellt: http://72.rapidforum.com/to...

> Ich meine - was ist die Alternative zu "keine Urheimat" ?
Nochmal die Bitte, die genannten Literaturhinweise ernst zu nehmen und sich über die aktuelle Ethnos-Debatte zu informieren, sonst wird es hier zu ausführlich. Oder gebe mir Deine eMail-Adresse, ich ziehe Dir gern die entsprechenden Seiten bei Brather über den Scanner.
Wir können ab der Zeit des ersten Auftretens in den schriftlichen Quellen von Slawen sprechen, ein Rückrechnen anhand archäologischer oder sprachwissenschaftlicher Quellen wäre ein Rückfall in die Methoden und Ansichten z.B. eines Gustav Kossinnas. Es funktioniert bei den Slawen genausowenig wie bei der Suche nach der "Urheimat der Germanen", die es leider bei der Wikipedia auch noch gibt, jedoch hoffentlich bald einmal korrigiert wird.

> Sind etwa die Slawen dort entstanden wo sie jetzt sind oder was?
Nein, natürlich gibt es eine Einwanderung nach Ostmittel- und Osteuropa. Ich bin also genausowenig Autochthonist wie die oben genannten Archäologen und Historiker.

>(5) Es gibt nicht nur archäologische Quellen, sondern auch schriftliche Quellen die sich auf >ältere Jahre beziehen, die natürlich umstritten sind, aber aus dieser Zeit ist jeder Text >umstritten.
Dann nenne sie mir doch bitte und dazu gleich den Kontext! In welcher Quelle ist vor um 500 von Slawen die Rede?

> (6) Das Jahr 500 ist lediglich die Grenze, ab der die Slawen "unumstritten" nachgewiesen > sind. Es gibt aber viele Experten, die verschiedene andere archäologische Kulturen den Slawen > zuweisen - was auch immer "dein" Buch behauptet. Deshalb ist die Formulierung... lassen sich > erst 500 fassen einfach falsch und klingt so, als ob es vor 500 keine Slawen gegeben hätte.
Nochmal, wir können ab dem Moment von Slawen sprechen, in dem sie in den Schriftquellen erscheinen und als Großgruppe relevant werden. Natürlich gibt es ältere Traditionen, aber sie können nicht ohne weiteres mit dem Ethnos Slawen in Verbindung gebracht werden.

> (7) Ich bestehe darauf, dass die Formulierung "die Frage nach...war falsch gestellt" und > das was danach kommt völliger Quatsch ist. Du kannst gerne glauben, was Du willst, solange Du nicht ohne nähere wissenschaftliche Begründung oder den Verweis auf aktuelle Literatur in dem Text rumänderst.

Krtek76

Eigentlich wollte ich mich aus dieser Diskussion heraushalten, weil ich momentan zu wenig Zeit habe, mich ihr so zu widmen, wie sie das verdiente. Aber zur Namensfrage erlaube ich mir doch kurz den Hinweis, dass nach meinem Wissensstand unter slavistischen Linguisten immer noch die Ableitung von slovo die bei weitem vorherrschende ist, vor allem weil sie rein sprachlich (sprich von der Wortbildung und der Bedeutung her) völlig unproblematisch ist. Die Ableitung von slava ("Ruhm") ist völlig out, da lautgeschichtlich unmöglich (in slava steht in allen Sprachen a, in der ältesten Version des Slawennamens nahezu immer ein o). Die Ableitung von dem Wasserwort ist zwar momentan weit verbreitet, erstens weil Jürgen Udolph darüber einiges publiziert hat, zweitens weil gewisse Moden, wo alles Mögliche aus möglichst alten Wörtern für Wasser abgeleitet wird, derzeit Konjunktur haben (vgl. die Arbeiten von Theo Vennemann über vorgermanische Ortsnamen), aber dadurch wird das Hauptproblem, dass nämlich nur mit Rekonstruiertem gearbeitet wird (oder kennt jemand eine slawische Sprache wo sla/slo wirklich Wasser heißt?), nicht besser. Ich meine, dass diese Etymologie weder einleuchtend noch nötig ist (da man eine bessere Erklärung hat) ist. Fazit: Ich meine, dass der derzeitige Text dahingehend abgeändert werden sollte, dass die beiden Etymologien als mehr oder weniger gleichberechtigt angesehen werden, ohne dass eine schlecht gemacht wird. Die Aussagen zur Etymologie mit slava sollten bleiben. Gruß --Tilman Berger 16:30, 12. Jul 2004 (CEST)

PS: Krtek76s Ansichten zur Heranziehung slowakischer Schulbücher sehe ich ähnlich und würde meine Kritik allenfalls etwas höflicher vortragen...

(1)Ich versuche niemanden dumm zu machen. Wieso sollte ich? Ich versuche nur einen objektiven Artikel zu einem Thema das die Hälfte Europas betrifft zustande zu bringen. (2) Das Problem ist, ich habe derzeit überhaupt keine Zeit mich damit genauer zu befassen, noch habe ich derzeit die einschlägigen Bücher dabei um daraus zu zitieren, da ich nicht in der Slowakei bin. Mein obiger Diskussionbeitrag war nur eine erste Reflexreaktion. Außerdem arbeite ich derzeit an anderen Sachen in der Geschichte und in der Wiki. Deshalb kann ich mich dazu erst viel später äußern. Meine E-Mail habe ich aber in den Einstellungen eingegeben, du kannst es mir gerne schicken, das ändert aber nichts daran, dass es viele unterschiedliche Ansichten gibt, denen im derzeitigen Artikel nicht Rechnung getragen wird. (3) Dass alle drei Theorien zum Namen erwähnt werden ist das einzige was ich will. Krtek ist aber offenbar dagegen und behauptet sogar dass die Behauptung dass das mit Ruhm veraltet ist nicht richtig sei. Genauso ist das einzige was ich will, dass im Text explizit steht X behauptet das, Y behauptet das usw. Und die Version mit dem Wasser gilt in der Slowakei zumindest in der allgemein zugänglichen Literatur (incl. Hochschulskripten) als Standard. Ich habe extra deswegen Mal in der Bibliothek nachgeschlagen und in einigen neueren Texten stand sogar nur die Erklärung mit dem Wasser. Als ich in die Schule ging, haben wir hingegen nur die Version mit dem slovo gelernt. Da hat sich also eindeutig etwas getan. Es ist aber klar, dass das umstritten ist. (4) Zu behaupten es gäbe keine schriftlichen (aber natürlich umstrittenen) Erwähnungen vor 500 (in zahlreichen römischen Texten) ist einfach unglaublich...ich weiß nicht was ich dazu sagen soll. Die erste gab es soweit ich mich erinnere aus dem 1. Jahrhundert (67 oder so). Aber wie gesagt, ich werde mir das später anschauen.(5)Vorläufig könnte Krtek mir (und dem Leser des Artikels - der Artikel kann durchaus länger werden oder lege doch den Artikel Ursprünge der Slawen an)aber vielleicht die ganz praktische Frage erklären, wo dann die Slawen entstanden sind, wenn nicht in einem bestimmten Gebiet und wenn sie nicht autochton sind, etwa an verschiedenen Orten und sie haben sich dann in Polen getroffen, so dass ihre Sprachen so ähnlich geworden sind oder wie?... Ich sage nicht dass das unmöglich ist, ich sage nur, dass das sehr komisch ist und ohne weitere Angaben im Artikel völlig unverständlich ist. Also schreib die Erklärung einfach mal hin. Und wie gesagt stimmt es einfach nicht, dass man sich einig wäre, dass es keine Urheimat gab. Das ist jedenfalls nicht der Fall und die Frage nach einem Ursprungsgebiet halte ich durchaus für eine legitime Frage.

Juro

Krtek76 Vielen Dank an Tilman für das kurze, aber eindeutige Statement zur sprachwissenschaftlichen Sicht. Jürgen Udolph betont natürlich die Ableitung von Wasser nicht zuletzt deshalb, weil sie im gut zu seiner Herausarbeitung des Ursprungsgebietes der slawischen Sprache in den Pripjat-Sümpfen paßt. Sollte ich mich gegenüber Juro im Ton vergriffen haben, so bitte ich, dies zu entschuldigen. Ich war - und bin es noch immer - allerdings ziemlich ungehalten über Äußerungen wie "Ich habe nicht vor irgendein offenbar einseitiges Buch zu lesen, da ich speziell zu diesem Thema mehrere (nicht deutsprachige) Monographien und Studien gelesen habe." Ein Buch bzw. eine ganze aktuelle Forschungsdiskussion nur deshalb für irrelevant zu erklären, weil sie den eigenen Ansichten zunächst widerspricht (Zitat Juro: "völliger Quatsch"), und sie ohne Kenntnis - und ohne den Willen, diese Forschungen überhaupt zur Kenntnis zu nehmen, als "irgendein Buch einer einzigen Person" hier darzustellen halte ich für grob unwissenschaftlich. Meine Frage nach aktuellen Literaturhinweisen mit dem Hinweis auf slowakische Büchern für Kleinkinder zu beantworten und dann noch mit dem Satz zu krönen: "Wenn du das noch nie gehört hast, dann zeigt es mit was für aktuellen Infos du arbeitest... ." empfand ich ebenfalls nicht als besonders höflich. Ebensowenig den Vorwurf hier und z.B. bei der Diskussion:Samo, ich würde gegen den NPOV verstossen und ausschließlich deutschsprachige Literatur zur Kenntniss nehmen, obwohl ich gerade deshalb relativ ausführlich aktuelle wissenschaftliche Arbeiten nenne und darunter natürlich auch Arbeiten aus Ostmitteleuropa sind. Wir sollten wohl beide versuchen, in Zukunft etwas weniger aufgeregt zu argumentieren und verstärkt mit Literaturangaben zu arbeiten. Krtek76

Hallo Juro,

noch mal Entschuldigung, wenn ich mich im Ton vergriffen hatte. Ich fühlte mich allerdings durch einige Kommentare von Dir direkt angegriffen.
Es geht uns wahrscheinlich allem so mit der Zeit, nichtsdestotrotz werde ich versuchen, gerade die Ursprungsfrage mittelfristig noch ein wenig ausführlicher abzuhandeln.
Zu den sprachwissenschaftlichen Theorien wollte ich mich eigentlich nicht mehr äußern, da ich wie gesagt Archäologe bin. Aber wir sollten mal versuchen, das Ganze neutraler zu formulieren. Momentan ist es das nicht.

Es gibt natürlich Texte vor 500 (Herodot, Plinius, Tacitus u.a.), in denen jedoch keine Slawen erwähnt werden sondern andere "Völker", v.a. Veneter. Sie ohne weiteres mit den Slawen zu verbinden, wie es lange Zeit üblich war und bei einigen KollegInnen noch heute üblich ist, wird von der aktuellen archäologischen und historischen Forschung zumindest in Mitteleuropa (unter Einschluß Ostmitteleuropas) weitestgehend einmütig abgelehnt. Die entsprechenden Arbeiten habe ich oben genannt. Bei den hier genannten Veneter waren wohl germanische Gruppen.

Titel: Die Vandalen : die Könige, die Eliten, die Krieger, die Handwerker ; [Publikation zur Ausstellung "Die Vandalen" ; Ausstellung im Weserrenaissance-Schloss Bevern vom 29. März bis 26. Oktober 2003] / [eine Ausstellung der Maria-Curie-Sklodowska-Universität Lublin ... Red.: Christian Leiber. Mitarb.: Nicole Berndt ... Autoren: Andrzej Kokowski ...] Sonst. Personen: Leiber, Christian ; Berndt, Nicole ; Kokowski, Andrzej Körperschaft: Ausstellung Die Vandalen <2003, Bevern> Uniwersytet Marii Curie-Sklodowskiej Kongress: Ausstellung "Die Vandalen" ; (Bevern) : 2003.03.29-10.26 Erschienen: Nordstemmen : Trigena, 2003 Umfang: 511 S. : zahlr. Ill., graph. Darst., Kt. ; 31 cm Anmerkung: Literaturangaben ISBN: 3-9805898-6-2

Zu dem überaus problematischen Begriff der Venether u.a. nun:
Roland Steinacher, "Slawen, die Vandalen heißen" Der Vandalenname im Mittelalter und früher Neuzeit. In: .... S. 60-66. Titel: Die Vandalen : die Könige, die Eliten, die Krieger, die Handwerker ; Weserrenaissance-Schloss Bevern, 29.03 - 26.10.2003 ; eine Sonderausstellung der Universität Marie-Curie-Sklodowska Lublin und des Landesmuseums Zamo´s´c / [Red. Koordination dieses H.: C. Leiber ... Autoren dieses H.: Guido Berndt ...] Sonst. Personen: Berndt, Guido ; Leiber, Christian [Hrsg.] Körperschaft: Uniwersytet Marii Curie-Sklodowskiej Kongress: Sonderausstellung der Universität Marie-Curie-Sklodowska Lublin und des Landesmuseums Zamo´s´c ; (Bevern) : 2003.03.29-10.26 Erschienen: Heidelberg : Vernissage-Verl., 2003 Umfang: 66 S. : zahlr. Ill., graph. Darst., Kt. ; 29 cm Schriftenreihe: Vernissage ; 11.2003,9 ISBN: *geh. : EUR 6.00

Viele Grüße
Krtek76

Da gab es aber soweit ich mich erinnere nicht nur die Veneter, aber wie gesagt...später einmal. Juro

Windische

weil windische auf diesen artikel redirected wollte ich nur mal auf die kritisch zu hinterfragende verwendung des begriffs der windischen zB im zusammenhang mit kärnten und seiner zweisprachigen minderheit anregen, ich kenen die verwendung dieses begriffs nur in diesem zusammenhang (und hier ist er eindeutig negativ konotiert!) vielleicht könnt ihr mich ja aufklären ob es auch einen anderen zusammenhang gibt auf jeden fall post ich mal diesen artikel hierhin, hoffe er interessiert euch: Subversiv-action 00:49, 7. Dez 2004 (CET)

Gero Fischer Das Windische (…) Jahre war es ziemlich still um das Windische, Kontroversen schienen wissenschaftlich wie politisch erledigt. In jüngster Zeit haben es Jörg Haider und sein Gefolge wieder entdeckt und versuchen nun damit politisch Staat zu machen. Was ist los mit dem Windischen? Wir beginnen eine Annäherung auf verschiedenen Ebenen: DER HISTORISCHE UND LINGUISTISCHE BEFUND (vgL Fischer: 1980:39ff.) Die Bezeichnung »Windische« für die Kärntner Slowenen hat ebenso wie die Bezeichnung »Wenden« für die Lausitzer Sorben eine gemeinsame Wurzel: Im Mittelalter wurden die östlichen und südlichen Nachbarn der Deutschen »Winedi«, »Windi«, »Wenidi« genannt. Diese Bezeichnungen gehen auf die »Veneti« zurück, die im Baltikum siedelten, aber keine Slawen waren. Als sich dort auch Slawen ansiedelten, wurde dieser (ursprünglich nichtslawische Volker bezeichnende) Völkername auf Slawen allgemein ausgeweitet. Im Laufe der Zeit wurde dieser Name auf die Slowenen, Lausitzer Sorben, die Slowinzen und die Slawen in Pommern eingeengt. Erst an der Wende vom 18. zum 19 Jahrhundert wird die Tendenz spürbar, die Bezeichnung »Windisch« (aber auch »Wende«) aus dem deutschen Sprachgebrauch zu verdrängen, da er allmählich eine pejorative Bedeutung angenommen hatte. Dies hat allerdings seine gesellschaftlichen und historischen Wurzeln: Seit dem Feudalismus konnotierte »windisch« stets auch als »untergeordnet«, »kleinbäuerlich«, »ländlich«, »rückständig«. Von den realen gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnissen leitete sich auch das Werturteil ab, daß Deutsch »vornehm« (vgl. Kranzmayer 1960:22 ff.) das Slowenische/Windische »Bauernsprache«, »schiach« sei.

Nach 1918, insbesondere aber nach der Volksabstimmung von 1920, war »Windisch« entsprechend der Entwicklung der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in den deutschsprachigen Publikationen und im politischen Sprachgebrauch weitgehend synonym für »deutschfreundlicher Slowene«, sodann für »heimattreuer Slowene«, während die Bezeichnung »SloweneTslowenisch« (und die Verstärkung »NationalsloweneTnationalslowenisch«) speziell nach 1920 weitgehend als Synonym für »jugoslawien-freundlich«, nach 1945 »partisanenfreundlich« und etwa seit 1950 für »titokommunistisch« gebraucht wurde.

Die politische Basis der Windischentheorie ist die Rechtfertigungsideologie für die expansive Besitzstandspolitik der deutschsprachigen Oberschicht, die bestrebt war, einerseits die Entstehung eines slowenischen Kleinbürgertums zu verhindern und andererseits die slowenischen Kleinbauern in wirtschaftlicher und politischer Abhängigkeit zu halten. Charakteristisch für diese Theorie ist der ihr zugrundeliegende völkische Sozialdarwinismus: Danach ist der Anstieg des deutschen Elements in Kärnten auf Kosten des slowenischen »natürlich«, »naturgegebene Überlegenheit« des Deutschen (der deutschen Sprache, Kultur, etc). Alles was der Germanisierung widersprach/widerspricht wurde/wird daher in Konsequenz als »Slowenisierung« bezeichnet und bekämpft (Wutte, in vielen Nummern des Organs des KHD »Ruf der Heimat«).

Eine besonders abenteuerliche Variante der Windischentheorie ist jener extreme Standpunkt, der davon ausgeht, daß die Windischen entwicklungsgeschichtlich nichts mit den Slowenen gemeinsam haben sollen, sondern daß sie von den »Wenden« abstammen, von denen sie sich vor etwa 1000 Jahren getrennt haben sollen. Die Windischen seien daher durch eine lOOQjährige Verbundenheit an die Deutschen dem deutschen Kulturkreis zugehörig und hätten mit den Slowenen nur einige Wörter gemeinsam (vgl. Ude/Zorn/Pleterski 1976). Dieser extreme Standpunkt wird heute kaum noch ernsthaft vertreten, wohl aber jene Abart, die Wutte (1930) in der Zwischenkriegszeit ausgearbeitet hat. Nach dieser Version, die ebensowenig wissenschaftlich haltbar ist, unterscheide sich das Kärntner Slowenische vom »Krainischen Neuslowenischen« dermaßen, daß man ersteres nicht mehr dem Slowenischen zuordnen könne, sondern dieses den Status einer Mischsprache einnehme. In weiterer Folge wird daraus auch die Existenz eines »windischen Volkes« konstruiert, das sich aus der Verschmelzung bzw. aus der »Bluts-, Kultur und Schicksalsgemeinschaft mit den Deutschen konstituiert hätte. Hier verfängt sich aber Wutte selbst in einer widersprüchlichen Argumentation, so Haas-Stuhlpfarrer (1977:51): »Nicht erklären konnte daher die Windischen-Theorie die Existenz der sogenannten 'Nationalslowenen'. Denn wenn sich die Kärntner Slowenen als Windische zu einer eigenständigen nationalen Einheit entwickelt hatten, die aus der tendenziellen Verschmelzung mit den Deutschen entstanden war, wie war es dann zu erklären, daß in Kärnten dennoch nationalbewußte Slowenen existierten (und das ist heute noch die Mehrheit, G.F), die sich diesem Prozeß entzogen hatten? Der Widerspruch zeigte sich schließlich noch auf einem anderen Ebene: Wutte geht davon aus, daß die Windischen ein 'natürliches' Ergebnis verschiedener Umstände seien; warum war es aber dann notwendig, daß sich deren Existenz im politischen Bekenntnis des Einzelnen realisierte? Denn entweder waren die Kärntner Slowenen in Wirklichkeit Windische, dann bedurfte es keiner politischen Bestätigung oder sie waren in Wirklichkeit Slowenen geblieben, die nur aus politischen Gründen Windische genannt wurden, dann fiel die Windischentheorie in sich zusammen. Daraus läßt sich aber die wirkliche Funktion des 'Windischen' ableiten, nämlich die einer von den Deutschen gegängelten Scheinfigur, die Personifikation slowenischer, das heißt nunmehr windischer Unterordnung unter die deutsche Herrschaft.«

Die Identifizierung von Windisch und Slowenisch war vor 1920 kein wirkliches Problem. Nach 1920 wurde aber differenziert und zwar nach politischen Kriterien, die linguistisch und völkisch-wissenschaftlich legitimiert werden sollten. Das Windische wurde zum Instrument der deutschnationalen Trennungspolitik gemacht. Diese Legitimierungsarbeit besorgten Landeshistoriker (d.h. sie standen im Dienste des Landes Kämten) wie M.Wutte, der prompt auch dafür seine Ehren einstrich. (1942 erhielt er einen vom Gauleiter Rainer gestifteten wissenschaftlichen Preis für seine Arbeit für die NS-Partei und ihr Programm bei der Slowenenverfolgung.) Seine Arbeiten wurden und werden im hochoffiziellen Kämten – obwohl sie mehrfach wissenschaftlich widerlegt worden sind – in Ehren gehalten und gegenüber allen Anfechtungen verteidigt.

DER POLITISCHE BEFUND FÜR DIE HEUTIGEN WIEDERBELEBUNGSVERSUCHE

Die zentralen Fragen lauten: Warum diese Wiederbelebung? Wer braucht heute das »Windische«?

Wenn dem deutschen Volkstum unverbrüchlich verpflichtete »Nationale«, »Heimattreue«, »Nationalliberale« etc. plötzlich Volkstum und Identität anderer entdecken und sich sogar zu deren Beschützern aufwerfen, dann muß man stutzig werden. Haben sie etwa eingesehen, daß minderheitenfeindliche Politik und europäische Integration nicht zusammenpassen? Geht es in der Tat um politischen Gesinnungswandel? Eine genauere Analyse zeigt, daß der neue Sprachgebrauch, die neue Terminologie nicht Multikulturalität meint auf der Basis der grundsätzlichen Gleichheit und Gleichberechtigung der verschiedenen Ethnien, Kulturen und Sprachen. Es ist vielmehr die Erkenntnis, daß ökonomische und politische Integration auch die Auseinandersetzung mit dem zunehmenden multiethnischen Charakter zumindest der urbanen Bevölkerung erfordert. Diese deutschnationalen Kräfte sind in der Tat nicht gewillt, den monokulturellen Anspruch aufzugeben, die Dominanz des deutschen Kulturraumes, diese – in ihrer Vorstellungswelt – Spitze der Hierarchie aller Kulturen zu verändern. Sie propagieren ein Modell, das nicht auf der integrierten, gleichberechtigten und gleichwertigen Entwicklung unterschiedlicher Kulturen basiert. Dieses Modell soll vielmehr einen Austausch verhindern, denn die Schreckensvision »volkstumsbewußter« Kulturdeutscher ist kultureller Austausch, den sie als »kulturellen Einheitsbrei« denunzieren. Offene interkulturelle Beziehungen lehnen sie strikt ab (vgl. Fischer/Gstettner/Konrad/Larcher 1990: Lorenzener Erklärung). Ihr Modell des Zusammenlebens verschiedener Völker baut auf neuen Grenzziehungen. Den Schutz von Minderheiten lassen sie nur in engen Grenzen und nicht darüber hinaus gelten, ihr Modell zielt in Wirklichkeit auf Segregation und Abdrängen in Reservate ab: Sie lassen Minderheitenschutz nur in einem klar umrissenen, rechtlich wohldefinierten Territorium zu und auch nur für diejenigen, die ihre Minderheitenzugehörigkeit nachweisen können bzw. durch einen legistischen Akt dokumentieren (Anmeldungen, Bekenntniszwang, Quotierungen, ethnischer Proporz usw.). In der Praxis werden alle legistischen und administrativen Mittel genützt, den Minderheitenangehörigen die Wahrnehmung ihrer elementaren Rechte zu vermiesen.

Das Doppelspiel ist zudem leicht zu durchschauen: einerseits treten die deutschnationalen Kräfte für die Forderung ein, das Windische wissenschaftlich zu bearbeiten, und auf der anderen Seite bekämpfen sie das Slowenische mit allen Mitteln. Das Windische soll wieder die Rolle des politischen Instruments zur Spaltung der Slowenen spielen. Politisches Kalkül der Deutschnationalen ist es, die Windischen« gegen die Slowenen zu mobilisieren. Doch: das Windische als selbständige Sprache, eine windische Volksgruppe ist eine Fiktion.

Nach den Vorstellungen der Deutschnationalen sollen diese Windischen jene ethnische, sprachliche und kulturelle Kategorie darstellen, wie sie KHD-Obmann J. Feldner folgendermaßen definiert (in: Grenzlandjahrbuch 1990:87): »kindische sind bodenständige Kärntner, die neben ihrem urtümlichen slawisch-deutschen Mischdialekt und der regionalen Deutschkärntner Mundart im Schriftverkehr ausschließlich die deutsche Hochsprache gebrauchen. Die slowenische Schriftsprache ist ihnen unbekannt oder zumindest ungeläufig.« Die Deutschnationalen definieren sich für ihre politischen Zwecke das Windische also als »Mischdialekt« zurecht, als »Defizitsprache«, weisen ihm nur die Rolle einer Haus- und Hofsprache zu, ohne eigene Schriftform, und da das Windische auch kein Kulturdialekt sein kann, ist es nur in Abhängigkeit vom Deutschen denkbar.

Solange dieser Status von den Betroffenen auch als solcher unveränderlich akzeptiert, die Dominanz des Deutschen widerspruchslos akzeptiert wird, gilt das Zusammenleben als »friedlich«. Um eine Emanzipation des/der »kindischen« zu verhindern, versuchen die Deutschnationalen mit allen Mitteln zu zeigen, daß das 'Windische« mit der neuslowenischen Schriftsprache nichts gemeinsam hat, unverständlich sei etc. Tatsache aber ist, daß die Distanz zwischen Schriftsprache und Dialekten in den verschiedensten Sprachen unterschiedlich groß sein kann und nur durch eine entsprechende Schulbildung, in der die Hochsprache vermittelt wird, verringert werden kann. Diesen Zusammenhang versuchen die Deutschnationalen zu leugnen bzw. zu verschleiern, da sie selbst als die treibenden politischen Kräfte bloßgestellt würden, die bisher eine sprachliche und kulturelle Entfaltung der Slowenen in Kärnten systematisch verhinder/te/n. Deshalb verbreiten sie auch die Mär, die Slowenen selbst hätten ihre eigene Germanisierung verursacht und vorangetrieben: »Nicht die Deutschkärntner haben die indischen germanisiert, sondern slowenischnationale Bestrebungen, die indischen als Slowenen zu reklamieren, haben diese zur freiwilligen Aufgabe ihres Volkstums gezwungen. Weil sie nicht Windische bleiben durften und nicht Slowenen werden wollten, bekannten sie sich als Deutschkämtner!« (Feldner im »Grenzlandjahrbuch« 1990:87)

Die Existenz der slowenischen Schriftsprache wurde von den Deutschnationalen immer schon vehement bekämpft: sie ist real das Zeichen der Emanzipation von der deutschen Vorherrschaft im kulturellen Bereich. Die Unterstellung, sie sei »landesfremd«, »künstlich«, für die Windischen »unverständlich«, »wesensfremd« etc. («Ruf der Heimat« verschiedene Nummern) ist der Ausdruck dieses Kulturkampfes auf der »Schlagwortebene«.

Die Annahme, die Wendischen/Slowenen hätten ihre Sprache nur aufgrund von politischer Agitation aufgegeben, ist absurd. Noch nie und nirgends hat eine Volksgruppe freiwillig, d.h. ohne direkte bzw. strukturelle Gewalt, ihre Sprache und Kultur aufgegeben. Diese Folgen der historisch nachweisbar germanisierenden Politik in Kämten sollen nicht den eigentlichen Verursachern, sondern den Opfern selbst zugewiesen werden.

KOLONIALISMUS UND SPRACHE IM KÄRNTNER KONTEXT Den Zusammenhang von Kolonialismus und Sprache, Sprachpolitik hat Calvet (1978) insbesondere anhand der französischen Kolomen diskutiert. »Schließlich kommt das Stadium des Neo-Kolonialismus, in dem das linguistische Problem gelegentlich zur Hauptseite wird, wobei die linguistische Machtstellung gleichzeitig Voraussetzung und Maske für politische und wirtschaftliche Machtpositionen ist.« (Calvet:1978:30). Gstettner (1990) interpretiert Calvet für Kärnten:

  • Die politische Aufspaltung und Herabwürdigung von Sprachen soll »wissenschaftlichen Firnis« erhalten. Haiders Forderung nach der Aufzeichnung des Windischen heißt nichts anderes, als daß eine ethnische Bekenntniskategorie wieder aktualisiert und eingefordert wird, um die slowenische Volksgruppe zu spalten.
  • Für die »Windischen«, d.h. diejenigen, die sich freiwillig den deutschnational dominierten Vorstellungen unterstellt haben, gibt es als Belohnung Angebote. Die Strategie ist klar: den Slowenen nichts, den »Windischen« Brosamen - aber nur dann, wenn sie sich von den Slowenen klar abgrenzen und dies auch immer und überall beweisen.
Wie. immer gibt es in solchen Fällen auch Profiteure eines solchen Angebots: – die lokalen Kollaborateure aus der sozialen Mittel- und Oberschicht (Geschäftsleute, Juristen, u.a.) – das »Dienstpersonal«, das an Ort und Stelle von den neuen Herrschern rekrutiert wird (technisches Personal, Chauffeure, Sekretäre etc) – politikabhängige Intellektuelle (wie landessubventionierte Wissenschaftler, Künstler etc.).

SCHLUSSBEMERKUNG Der »linguistische Zentralismus« (Calvet) des offiziellen Kärnten fördert die monokulturelle Expansion. Der an sich schon enge Rahmen der Minderheitengesetze wird noch weiter unterlaufen, indem »Windisches« und Slowenisches gegeneinander ausgespielt werden. Das Windische heute ist ein Synonym für psychosoziale und politische Überanpassung und Identitätsaufgabe, die klassische Identifikation mit dem Aggressor/Okkupanten/Kolonisator.

LITERATURHINWEISE Calvet, LJ.: Die Sprachenfresser. Ein Versuch über Linguistik und Kolonialismus. Berlin 1978. Fischer, G.: Das Slowenische in Kärnten. Eine Studie zur Sprachenpolitik. Klagenfurt 1980,1990. Fischer, G./Gstettner, P/Konrad, H./Larcher, D.: Die »Lorenzener Erklärung«. Ein Produkt aus der ideologischen Kaderschmiede der FPÖ. In: Forum 433-5/1990:2-5. Gstettner, P: Die Wiederentdeckung des »Windischen« - ein Beitrag zur kulturellen Vielfalt Kärntens? Referat und Thesenpapier beim Workshop »Politik in der Sprache/Sprache in der Politik.« Österreichische Linguistentagung Wien 14.11.1989. Haas, H./Stuhlpfarrer, K.: Österreich und seine Slowenen. Wien 1977. Ude, L./Zorn, T/Pleterski, J.: Teorija o vindisarjih - »Windische«. In: Korosko vprasanje. Ljubijana 1976:163-212. Wutte, M.: Deutsch-Windisch-Slowenisch. Klagenfurt 1930.

Aus: Aufrisse Nr.3/1990

Zum orientalischen Sklavenhandel mit Slawen

In den Kriegen zwischen den Chasaren und ihren slawischen Nachbarn entdeckten die Chasaren den Handel mit diesen Völkern als attraktiver Einnahmequelle. Insbesondere blonde Slawinen erzielten auf den maurischen Märkten in Südspanien und Nordafrika bzw. überall im islamischen Herrschaftsgebiet Höchstpreise. Erst nachdem die Kiewer Rus das Chasarenreich vernichtend schlugen, ließ dieser Handel nach. --Bertram 13:05, 13. Dez 2004 (CET) ((Es wäre interessant, inwieweit sich in der Mythologie und den Märchen z.B. der Ukraine Erinnerungen an dieses kollektive Trauma erhalten haben))

Hallo Betram, ich habe Deine Etymologie soeben gelöscht. Es ist nämlich genau andersherum, der Name für die mittelalterliche gens der Slawen ist primär, die Sklavenbezeichung in Europa und im Orient davon abgeleitet und nicht andersherum.

Nein, eben nicht. Woher der "slawische" Name kommt, bei dem sich die Griechen bedienen, ist ist völlig unklar. Das ganze Slawa-Gebimmel ist, wie du weißt, bloße Spekulation. Den Klang dieses Namens haben jedenfalls nachweislich die Griechen verwendet, um Slawen zu bezeichnen. Also ist sklabos die erste nachweisliche Nennung. Für einen Edit-War ist mir das Thema allerdings zu randständig. --Bertram 09:43, 14. Dez 2004 (CET)

Auf die Schnelle nur ein Zitat aus Joachim Henning, Gefangenenfesseln im slawischen Siedlungsraum und der europäische Sklavenhandel im 6. bis 12. Jahrhundert. Archäologisches zum Bedeutungswandel von "sklabos-sakaliba-sclavus". Germania 70, 1992, 403-426:
"Unbestritten ist dabei, daß dieser Prozeß, der sowohl die germanisch-romanischen als auch die griechisch-byzantinischen Gebiete tangierte, maßgeblich dazu beitrug, daß eine ursprünglich ethnische Eigenbezeichnung der Slawen oder einer slawischen Gruppe ("sloveni") in griechischer ("sklabenoi/sklaboi"), lateinischer ("sclavini/sclavi") und arabischer ("sakaliba") Übernahme allmählich zur generellen Bezeichnung von in Unfreiheit und personenbezogene Knechtschaft gezwungene Menschen (dt. "Sklaven), frz. "esclaves", engl. "slaves") wurde."
Dies und noch etwas mehr Literatur im Frühmittelalterforum. Viele Grüße Krtek76 15:26, 13. Dez 2004 (CET)

Ich stimme Krtek, sozusagen als zweite Bestätigung, voll und ganz zu... Juro 19:48, 13. Dez 2004 (CET)

Und ich schließe mich, zwar verspätet, aber doch noch genau so entschieden an. Ich habe auch schon vor längerem Literatur dazu herausgesucht und bin nur bisher nicht dazu gekommen, sie irgendwo einzubauen - das kommt hoffentlich noch. Gruß --Tilman Berger 00:39, 15. Dez 2004 (CET)

Das Buch "Germanen Slawen" von Helmut Schröcke

Heute nacht wurde uns durch die IP 149.225.150.50 eine Reihe abstrusen Änderungen beschert und in der letzten verriet sie auch, woher sie ihr Wissen hat. Zu dem Buch von Helmut Schröcke steht das Wichtigste meines Erachtens unten in dem Personenartikel. Wer Lust hat, kann auch gern den Wikilinks zu Walther Steller und Lothar Greil und zur Diskussion über die braunen Schwarte Schröckes bei Tempus Vivit folgen. Ausserdem wird man im Artikel Wandalen bzw. der Diskussionsseite fündig. Krtek76 15:54, 8. Feb 2005 (CET)


Slawen in Norditalien und auf Kreta

Um nicht Gefahr zu laufen von dieser Diskussionsflut hier hinweggeschwemmt zu werden *g* möchte ich es einfach mal als Frage formulieren, was mir persönlich aufgefallen ist.

Wie und wo wird beschrieben von spätantiken Chronisten, daß Slawische Völker auf Kreta siedelten, oder auch Norditalien? Welcher Teil Norditaliens ist gemeint? In jener Zeit, von der gesprochen wird wurde dieses Gebiet doch von den Langobarden besiedelt/beherrscht. Gibt es hierzu archäologische oder etnhografische Schriften, die sich mit der angeblichen slawischen Besiedlung Kretas oder Norditaliens beschäftigen?

Wenn ja, dann würde mich interessieren wo ich diese finde.

Danke :)

Bever78


Kultur

Rubrik "Kultur":

Wer sind die "alten Slawen"?

"... und chud bedeutet in slawischer Sprache zugleich arm und böse" - welche slawische Sprache?

--85.233.35.233 00:16, 12. Jul 2005 (CEST)jabbarisrarkumar


Slawobaltogermanische Gruppe

Meines Wissens ist das in der Indogermanistik nicht gerade Maintream. Sollte damit vielleicht etwas vorsichtiger sein, ich löschs erstmal.

Wie aus Sklaven Slawen wurden

Vielleicht sollte der folgende Text oder Auszüge davon in diesen Artikel aufgenommen werden: „Die Völker Osteuropas, die keltischer Abstammung sind, werden 'Slawen' genannt. Ihre Stammesgebiete während des Altertums befanden sich vornehmlich im Raum von Elbe, Weichsel und unterer Donau. Aus diesen Gebieten holten sich Kaukasier, Römer und Osmanen durch Raubzüge ihre keltischen Sklaven. Griechisch ”sklabos”, lateinisch ”sclavus”, gotisch ”slahs” gehen auf keltisch ”sluagh” ('Schlag') zurück. In Böhmen bedeutet ”chlap” 'Leibeigener'; bei den Slowenen bezeichnet ”hlapez” einen 'Knecht'. Aus ”sclave” im Mittelhochdeutschen wurde unser ”Sklave”.

Weil die Opfer immer wieder flehten, man möge sie doch nicht schlagen, wurde ihr keltisches Wort dafür, nämlich ”sluagh”, zur Bezeichnung des Sklavenaufstandes. Noch im Mittelalter wurden vornehmlich Slawen als Sklaven gehandelt.

Selbst heute heißt im Englischen der Sklave ”slave”. Noch heute feuern die schottischen Hochländer einander mit dem keltischen Wort „slawa” ('hau drein') an. Sklaven zu schlagen galt als den Herren selbsverständliches Recht; dadurch erniedrigten sie diese zu willenlosen Geschöpfen. Unser Wort 'Herr' leitet sich von Herakles ab. Für die Menschen der Antike war Herakles (lateinisch >>Hercules<<) der Inbegriff eines Gewaltherrschers.” entn. aus: Kulturmagazin Museion~2000, 4/1992 Epson 11.11.05 18:24

Nordslawen

eine verwaister artikel, könnte dem jemand helfen --W!B: 19:05, 10. Dez 2005 (CET)

Diese Definition bzw. Erklärung des Begriff Slawen und dessen Bedeutung wurde zuletzt am 8.2.2006 aktualisiert (Glossar Lexikon Enzyklopädie).


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